Schreckensszenario am Gasometer

Wegen eines Flugzeugabsturzes droht der Gasometer zu explodieren. Gut vorbereitet und mit Schützenhilfe aus Dillingen absolvierten Saarstahl-Feuerwehrleute diese Übung am Neunkircher Gasometer.

Ein schwer verletzter Mann hängt an seinem Fallschirm vom Dach des Neunkircher Gasometers herab. Das Flugzeug, mit dem der Mann abgestürzt ist, ist in 1000 Teile zerbrochen und hat den Gasometer in Brand gesteckt. 80 000 Kubikmeter Methangas drohen in die Luft zu fliegen. Dieses Szenario hat die Werksfeuerwehr der Saarstahl AG am Donnerstag bei ihrer Jahreshauptübung durchgespielt.

Um 15.04 treffen die Höhenretter am Einsatzort ein. Schwerbepackt mit Gasflaschen und -masken, Sicherheitsgurten und Karabinern, eilen sie nur zwei Minuten später die ersten Stufen des Gasometers hinauf. Der Zugführer hält derweil Funkkontakt mit der Sicherheitsleitzentrale, misst die Explosionsgefahr am Unfallort mit einem handtellergroßen Gerät. Autos der Freiwilligen Feuerwehr Neunkirchen und der Werksfeuerwehr Dillinger Hütte kommen angerauscht. Zügig holen die Männer die Schläuche aus den Wagen und rollen sie aus. Einer der Dillinger geht an die Spitze der Drehleiter und wird an das Gebäude herangefahren. Wenig später spritzt er bereits aus mehr als zehn Metern Höhe gegen den Gasometer. Kurz darauf helfen auch die Neunkircher beim Löschen. Ein Loch im Schlauch wird abgebunden. "Bevor es ganz wegfliegt", erklärt einer der Männer. Gegen 15.30 Uhr kommt einer der Höhenretter mit dem abgestürzten "Flieger", einer roten Puppe, am Boden an. Er hat sich mit ihr vom Gasometer abgeseilt.

Im Anschluss zeigen sich sowohl Einsatzleiter Alexander Ley, dessen erster Einsatz es war, als auch Arbeitsdirektor Peter Schweda mit dem Einsatz zufrieden. Schweda spricht von "einer Übung, die keine Wünsche offen lässt". Er bewundere die Kameraden, die trotz sommerlicher Temperaturen von 35 Grad die Situation gut gemeistert hätten. Auch in der Wirklichkeit nähmen solche Ereignisse nun mal keine Rücksicht auf Witterungsbedingungen und Feiertage, mahnt er. Wehrführer Clemens Kohler erinnert daran, wie realistisch das Szenario sei. Leichtflugzeuge gebe es viele. Zu einer möglichen Explosion des Gasometers sagt er: "Das kann jederzeit passieren". Man denke nur an die Gasometer-Explosion vom 10. Februar 1933. Damals gab es in Neunkirchen 68 Tote und 190 Verletzte.

Zum Thema:

Auf einen Blick Die Werkfeuerwehr der Saarstahl AG hat derzeit 38 Mitglieder, die Brände auf dem Gelände des Unternehmens verhindern und bekämpfen. 14 von ihnen gehören zum sogenannten integrierten Sicherheitsdienst, das heißt, sie haben nicht nur eine Ausbildung im Brandschutz, sondern auch im Werksschutz und Rettungsdienst. rob