Schnipp, Schnapp, Schlips ab!

Heute ist der offizielle Startschuss für den Straßenkarneval – vor allem für die Frauen ein Heidenspaß. Die SZ hat nachgefragt, ob die Neunkircher feiern, und wie sie Fetten Donnerstag verbringen.

Die fünfte Jahreszeit ist schon voll im Gange. Die Narren sind los - und das auch in Neunkirchen . Feste Pläne haben die Meisten für Weiberfasching noch nicht. "Eher spontan", sagt auch Helene Agne. Die 78-Jährige lässt sich meistens von ihren Freundinnen mitschleifen. Dann werde auch ordentlich gefeiert. Als die Rentnerin noch berufstätig war, habe sie sich jedoch nie getraut den Schlips abzuschneiden: "Da war ich dann doch zu schüchtern." Gabi Salomon schreckt davor jedoch nicht zurück. "Ich hab oft und gerne Krawatten abgeschnitten", so die 65-Jährige.

Die zwei Freundinnen Sibylla Kaub und Silvia Stillemuntes erinnern sich an gute Zeiten: "Früher hat das immer viel Spaß gemacht, aber heute sind wir zu alt dafür." Gelegentlich gehen die beiden noch zu Kappensitzungen. "Das ist lustig!", sagt Stillemuntes.

Ein richtiges Urgestein in der Faschingsszene ist Bernd Rottmair. Der 70-Jährige wirkt seit 20 Jahren beim Männerballett der KUV Blau Gelb Wiebelskirchen mit. "Wie ich Weiberfasching feier wird sich im Laufe des Tages zeigen", erklärt er. Vermutlich müsse er Fetten Donnerstag etwas ruhiger angehen. "Wir haben am Freitag vielleicht einen Auftritt", sagt der 70-Jährige.

Sabrina Weber freut sich schon auf die Fastnacht. "Ich fahre in die Congresshalle nach Saarbrücken", erzählt sie. Vormittags muss die 34-Jährige arbeiten. Im Büro dürfe sie sich leider nicht verkleiden. Sie arbeitet bei einem Telefonanbieter. Ihr Chef sitzt nicht mit ihr im selben Gebäude. "Daher kann ich ihm auch nicht den Schlips abschneiden", sagt sie schmunzelnd. Bei ihrem Kostüm für den Weiberfaschingsabend ist Sabrina Weber noch ein bisschen unsicher. "Entweder gehe ich als griechische Göttin oder als Supergirl", sagt die 34-Jährige lachend.

Lars Zimmer aus Neunkirchen muss in diesem Jahr an Weiberfasching arbeiten. "Ich arbeite in der Industrie, auf die Krawatte muss ich also nicht achten, da wir sowas sowieso nicht anziehen", erzählt der 19-Jährige. Normalerweise steht für ihn zunächst der Rathaussturm an Weiberfasching auf dem Programm. "Anschließend dann in eine Kneipe oder Disko", so Zimmer. An Rosenmontag verschlägt es ihn nach St. Ingbert. "Da schau ich mir den Umzug an", erzählt er. Als was er sich verkleidet, will Zimmer nicht verraten. Es sei auf alle Fälle lustig. "Das wird eine Überraschung für meine Freunde !" Auch Christoph Simon feiert an Weiberfastnacht eher abends. Wo, ist ihm nicht so wichtig, Hauptsache es seien nette Leute dabei und die Athmosphäre stimme. "Der Abend endet meistens in irgendeiner Kneipe in Neunkirchen ", sagt der 28-Jährige. In diesem Jahr ist jedoch noch nichts fest geplant. An Faschingssamstag geht der Neunkircher mit seiner Freundin in die Disko. Neben Fastnacht gibt es an dem Tag noch etwas zu feiern: "Wir haben uns auch an Fassenacht kennengelernt."

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HintergrundDer Fette Donnerstag kennzeichnet den Übergang von der Sitzungs- zur Straßenfastnacht. An diesem Tag wird den Männern als Symbol für die Entmachtung die Krawatte abgeschnitten. Sie werden traditionell mit einem Küsschen, - auch Bützchen genannt - entschädigt. Die Frauen führen das Regiment bis Aschermittwoch. Dieser Brauch soll erst nach 1945 entstanden sein. Eine Art Vorläufer des Weiberfaschings war vermutlich "der lieben Weiber Sauftag" im Mittelalter. Auch Nonnen genossen an diesem Tag alles, was ihnen sonst verboten war, wie zum Beispiel Wein oder Kaffee. sum