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Schnelle Bretter, die viel Spaß bereiten

Josh Junkers zeigte im Jugendzentrum sein Können auf dem Skateboard. Foto: Thomas Seeber
Josh Junkers zeigte im Jugendzentrum sein Können auf dem Skateboard. Foto: Thomas Seeber FOTO: Thomas Seeber
Wiebelskirchen. Im Haus am See in Wiebelskirchen drehte sich am Samstag alles um Grabes, Flips, Grinds und Flats, wie die Tricks der Skater heißen. Anja Kernig

"Uns ist langweilig" - dieses Statement in Form eines großen Schildes über dem Eingang wirkte am Samstag allenfalls ironisch. Schließlich ging in dem vom Diakonischen Werk getragenen Jugendzentrum ordentlich die Post ab. Circa 150 Skater und Freunde des schnellen Brettes auf Rädern waren nach Wiebelskirchen gepilgert, um gemeinsam ihrem Ausnahmesport zu frönen und später zu Live-Musik abzufeiern. Den weitesten Weg nahmen Gruppen aus Stuttgart und München auf sich.

Gelohnt hat es sich allemal. Schon allein, weil Daniel Drechsler, Sozialarbeiter im Haus am See, im Vorfeld sage und schreibe 17 Sponsoren inklusive dem Landkreis Neunkirchen gewinnen konnte, darunter mit Whaleshit Skateboards aus Wahlschied und Telefon Skateboarding Saarbrücken auch zwei saarländische Firmen. Zur Verfügung stellten die Sponsoren Reisegutscheine und Sachpreise wie Skateboards und Bekleidung für die Gewinner des Contests sowie für die Tombola. Deren Erlös geht an die 2013 gegründete gemeinnützige Organisation Make Life Skate Life, die schon Skateparks in Indien, Bolivien und Jordanien gebaut hat.

Seit der Eröffnung der Skatehalle 2013 gibt es jährlich einen Contest, "alle zwei Jahre in größerem Rahmen", informierte Alexandra Schmidt, die mit Drechsler das Orga-Team bildet. Der Kraftakt hat sich gelohnt. Trotz der nicht gerade warmen Temperaturen war die Stimmung prächtig in der mit Graffiti verzierten Halle, die mit diversen Rampen aufwartet. Fast alle Gäste hatten ein Skateboard oder eine Fotokamera dabei: zuschauen, selber fahren, mit Kollegen plaudern und wieder aufs Brett - alles war irgendwie fließend. Skaten, und das zeigte sich hier wieder ganz deutlich, läuft bei den meisten gar nicht so sehr unter Sport sondern ist vielmehr Ausdruck ihrer individuellen Lebensgestaltung, mitunter auch eine Art von Kunst. Bester sein spielt da nur eine untergeordnete Rolle.

Was Henry Gebhard bestätigt: "Es geht um Spaß." Der 14-Jährige Halb-Profi aus Lindau , der selbst schon Sponsoren hat, skatet seit seinem achten Lebensjahr: "Unser Nachbar hat mir damals ein Brett zum Geburtstag geschenkt." Technik und Tricks schaute er sich bei anderen ab. Die Idee, herzukommen, stammt von seinem Teammanager. "Der war vor zwei Jahren schon mal hier" und meinte, es lohnt sich. Da schließt sich Henry gern an: "Nette Leute, coole Location", das passt schon. Vergleiche hat er durchaus, tritt er doch in etlichen Contests pro Jahr an, darunter Paris, Berlin, Kopenhagen und Basel. Ob er noch mal herkommen würde? "Ja, sicher."

Beim Wettbewerb selbst startete Henry sowohl in der U 16 als auch in der Ü 16 Klasse: "Eine Riesenleistung", betonte Drechsler, der selbst Skateboard fährt. "Das ist schon anstrengend." Seinen souveränen Sieg bei den Jüngeren trat der Lindauer Schüler an Fabian Gordian (Saarbrücken) ab. Bei den Älteren kam Gebhard auf Platz zwei hinter Pascal Solich aus St. Wendel.

Rund wurde die Veranstaltung durch eine Après-Skate-Party, bei der vier Bands aus der saarländischen Skater-Szene vor vollem Haus spielten.