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Schiedsrichtergruppe Neunkirchen wird 100

SZ-Serie Zu Gast in der Redaktion: Christian Zepp, Roman Kirsch, Gerhard Theobald : Der Fußball braucht pfiffige Spezialisten

Die Schiedsrichtergruppe Neunkirchen feiert am 14. September ihren 100. Geburtstag. Noch sind sie genug, wenn nicht gerade Muttertag ist. Das Fest fällt in den landesweiten Streik der Referees als Protestsignal gegen Übergriffe.

Die Prügelattacke auf einen Fußball-Schiedsrichter nach dem C-Juniorenspiel in Merzig-Brotdorf am 24. August hat die Unparteiischen wieder in die Schlagzeilen gebracht. „Nein, kein Einzelfall“, stellen unsere Redaktionsgäste Christian Zepp, Roman Kirsch und Gerhard Theobald von der Schiedsrichtergruppe Neunkirchen fest. Sie widersprechen damit auch der Aussage des SFV-Geschäftsführers, der den aktuellen Fall als „absolute Ausnahme“ bezeichnet hatte (unsere Zeitung berichtete).

Beleidigungen und auch mal handgreifliches Angehen seien immer wieder zu beobachten, sagen Obmann Zepp (54, Bexbach), sein Stellvertreter Kirsch (70, Spiesen-Elversberg) und Theobald (69, Wiebelskirchen), der bis jetzt einzige Bundesliga-Schiri aus der Gruppe Neunkirchen (pfiff über 90 Erstliga-Partien).

„Ich will immer angerufen werden, wenn etwas passiert ist, damit ich es weitergeben kann“, hat Obmann Zepp seinen Leuten mitgegeben. „Wir versuchen, junge Schiedsrichter zu werben, sie gut auszubilden und zu halten.“ Was sie dann mitunter bei ihren Einsätzen erlebten, lasse manchen die Pfeife schnell wieder aus der Hand legen: „Das ist ein Problem.“

Von einem „Schiedsrichter-Streik“ halten unsere Redaktionsgäste wenig. Mehr von konsequenten Sanktionen zum Schutz der Referees. Aber nun ist es entschieden: An diesem Spieltag-Wochenende (13. bis 15. September) wollen die Schiedsrichter im Saarland streiken und ein Protestzeichen gegen Übergriffe setzen (die SZ berichtete).

Sicher auch ein Thema beim Festabend der Gruppe Neunkirchen. 100 wird sie in diesem Jahr. Diesen Jubiläumsgeburtstag feiern sie am Samstag, 14. September, ab 18 Uhr in der Aula des Gymnasiums am Krebsberg in Neunkirchen. Der offizielle Teil endet mit dem augenzwinkernden Auftritt eines „100-jährigen Schiedsrichters“, verraten die Organisatoren. Dazwischen Grußworte, Unterhaltungseinlagen und ein Ehrungsblock (so wird Gerhard Theobald Ehrenschiedsrichter). 150 bis 200 Gäste erwarten die Neunkircher. Die Chronik zu ihrem Jubiläum (Auflage 250) kommt an diesem Abend unter die Gäste. Ein Team um Christian Zepp mit Benjamin Quirin, Sabrina Jene, Peter Meiser, Hermann-Peter Franz und Bernd Schwender hat ein gutes Jahr geschürft und gefunden.

Historisches Fundstück in der Chronik: Eine Postkarte, datiert auf den 18. Mai 1912. Mit ihr lädt der damalige stellvertretende Vorsitzende des Saargaues, Carl Schneider aus Neunkirchen, den Kameraden Ph. Kern aus Sulzbach ein zu einer Regelprüfung in Neunkirchen auf dem Sportplatz der damaligen Borussia (Friedrichspark). Ein Zeugnis, wie es Anfang des 20. Jahrhunderts immer notwendiger geworden sei, Fußballspiele in die Hände neutraler Persönlichkeiten zu legen. Obmann Zepp zitiert weiter aus der Chronik: „Heute unvorstellbar, aber es trifft tatsächlich zu, dass in den ersten Jahren des vergangenen Jahrhunderts Fußballspiele ohne Schiedsrichter über die Bühne gegangen sind.“ Aber dann „explodierte“ Fußball. Die Auslegung des Regelwerks erforderte ausgebildete Spezialisten.

Die Schiedsrichter-Organisation im saarländischen Verband veränderte sich über die Jahrzehnte. Die Gruppe Neunkirchen gehörte bis vor 50 Jahren noch zum Kreis Mittelsaar. Theobald: „Mein erster Schiedsrichterausweis aus dem Jahr 1967 hat noch den Eintrag Mittelsaar.“ Anfang der 1970er Jahre entstand die Aufteilung in die noch gültigen vier Kreise West, Ost, Süd und Nord. Den letzten Zuschnitt (Zusammenlegungen) gab es 2017. Die Gruppe Neunkirchen deckt ab die Stadt Neunkirchen, Spiesen-Elversberg, Steinbach und Bildstock. Von den Kommunen im Landkreis Neunkirchen gehören Ottweiler (ohne Steinbach) zur Gruppe St. Wendel, Schiffweiler, Merchweiler und Illingen zur Gruppe Ill und Eppelborn zur Gruppe Theel.

Es wird eine weitere Konzentration geben, erwarten unsere Redaktionsgäste: „Die einzelnen Gruppen werden zu klein und nicht mehr überlebensfähig sein.“ „Anfang der 1970er Jahre“, erinnert Theobald, „hat man von größeren auf kleinere Einheiten umgebaut. Jetzt vollzieht sich der umgekehrte Prozess.“

Die Gruppe Neunkirchen hat in ihren stärksten Zeiten an der Mitgliederzahl 100 gekratzt. Aktuell zählt Obmann Zepp 73 aktive Unparteiische (darunter drei Frauen). Mit ihnen hat er jährlich 1900 bis 2000 Partien zwischen E-Jugend und Alten Herren und allem drumherum zu besetzen. „Das geht gut.“ Normalerweise. „Es gibt auch Tage, wo es schwierig werden kann.“ Wenn mal wieder Muttertag ist beispielsweise. Oder wenn der Krankenstand hochschnellt. „Dann geht halt einer zweimal raus“, sagt Roman Kirsch. „Wir leisten auch Aushilfe für Nachbargruppen“, sagt Zepp. Kusel-Kaiserslautern, St. Wendel, Obere Saar und natürlich innerhalb des Kreises Ostsaar.

Foto: SZ/Müller, Astrid
Foto: SZ/Steffen, Michael

Die Gruppe Neunkirchen stellt aktuell vier Zifferschiedsrichter (Leistungsklasse 1): Timo Klein (TuS Wiebelskirchen, Regionalliga, Assistent 2. Bundeliga), Justin Hasmann (TuS Wiebelskirchen, Regionalliga), Julian Geid (SV Borussia Spiesen, Saarlandliga) und David Estes (TuS Wiebelskirchen, Saarlandliga).