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Schiedsrichtergruppe Neunkirchen in Corona-Zeiten

Schiedsrichtergruppe Neunkirchen und Corona : Fünf warten noch auf ihren ersten Pfiff

Vor einem Jahr wurde Benjamin Quirin zum Obmann der Schiedsrichtergruppe Neunkirchen gewählt. Da ahnte er noch nicht, wie lange und stark sich Corona auch für seine Mannschaft auswirken würde.

Den Schiedsrichtern im Saar-Amateurfußball geht es in diesen Pandemie-Zeiten auch nicht viel anders als vielen Hobbysportlern, Chorsängern oder Theaterleuten: Sie können nicht das tun, was sie so gerne machen. Und sie wissen nicht genau, wie sie am Ende aus dieser Situation rauskommen.

 Die Amtsübergabe vor einem Jahr: Der bisherige Schiedsrichterobmann Christian Zepp (links) gratuliert seinem Nachfolger Benjamin Quirin.
Die Amtsübergabe vor einem Jahr: Der bisherige Schiedsrichterobmann Christian Zepp (links) gratuliert seinem Nachfolger Benjamin Quirin. Foto: SR Gruppe NK/Cedric Stolte

Vor ziemlich genau einem Jahr, am 6. März 2020, ist Benjamin Quirin als Nachfolger von Christian Zepp zum Obmann der Schiedsrichtergruppe Neunkirchen gewählt worden. „Ich konnte mir nicht vorstellen, was da wegen Corona wirklich auf uns zukommt“, erinnert sich Quirin im Telefongespräch mit unserer Zeitung. Am Wochenende nach seinem Freitag-Wahlabend waren noch reguläre Spielansetzungen, die eben auch mit Unparteiischen zu besetzen waren. Doch eine Woche später, erinnert sich Quirin weiter: „Stillstand.“ Erster Lockdown. Zwangspause auch für Ball und Pfeife, gelbe und rote Karten.

78 Schiedsrichter, darunter vier Frauen, sowie fünf Ehrenschiedsrichter zählt die Neunkircher Gruppe. Altersspanne zwischen 15 und 88. „Im Landesvergleich sind wir noch sehr gut unterwegs“, sagt der Obmann. Coaching und Patensystem helfe, die Gruppenstärke möglichst zu erhalten, so der 36 Jahre alte Baufinanzierungsberater, seit 21 Jahren an der Pfeife. Und sie sind stolz auf ihr Ziffer-Quartett (Leistungsklasse 1)t: Timo Klein leitet Regionalliga und assistiert in der 2. Liga. Justin Hasmann pfeift Regionalliga. Julian Geid leitet Saarlandliga und assistiert in der Regionalliga. David Estes pfeift Saarlandliga. Die Gruppe Neunkirchen deckt ab die Stadt Neunkirchen, Spiesen-Elversberg, Steinbach und Bildstock. 2019 feierten sie 100. Geburtstag..

Zu den Aufgaben des Obmann gehören das Einteilen der Spielleiter, die Kommunikation und die Lehrtätigkeit. „Bei uns mache ich das nicht alleine, wir sind ein Trio“, sagt Quirin. So kümmert sich Sabrina Jene um die Jugend/die Neuen, Julian Geid fungiert als Lehrwart.

Nun haben Vereine, Chöre oder Theatergruppen schon die Sorge, am Ende der Pandemie geschrumpft dazustehen. Das zeichnet sich bei der Schiedsrichtergruppe Neunkirchen derzeit nicht ab: „Es ist fast schon kurios“, sagt Quirin. „Aber wir sind in diesem Corona-Jahr mehr geworden.“ Erstens sind so ziemlich alle dabei geblieben. Und zweitens haben sie sogar elf Neue gewinnen können: „Im Frühjahr ist noch ein Anwärter-Lehrgang abgeschlossen worden: Aus diesem Lehrgang kamen sechs zu uns. Die haben dann im Sommer auch noch ein paar Spiele pfeifen können.“ Im Herbst ist irgendwie auch der zweite Anwärter-Lehrgang noch zu Ende gebracht worden: „Da sind nochmal fünf zu uns gekommen. Aber die konnten bislang noch keine Spiele pfeifen.“

Im September lief nach Abbruch der Vorsaison die neue Runde an. Um dann aber Mitte Oktober wieder gestoppt zu werden. Seitdem ruht der Ligabetrieb unter der Regionalliga. Zumindest die Hinrunde soll zu Ende gespielt werden. Laut Beschluss des Saarländischen Fußballverbandes darf nur in diesem Fall die Saison auch gewertet werden (Meister, Auf- und Absteiger).

Die jüngsten Bund-Länder-Beschlüsse peilen eine Rückkehr in einen geregelten Trainings- und Spielbetrieb an. Dabei ist der „Stufenplan zur Öffnung“ durchaus kompliziert und setzt viele Fragezeichen (die SZ berichtete) – Training mit Kontakt, ohne Kontakt. Personenzahl. Abhängigkeit von Inzidenzwerten. Mit tagesaktuellem Test, ohne Test. Der Spielbetrieb sei Sache der Vereine und des Verbandes, sagt Quirin. Aber er stellt sich schon die Frage, wie das alles zu einem geregelten Spielbetrieb führen könne. Es müsse doch landesweit eine gewisse Regelmäßigkeit geben.

Personell fällt die Corona-Zwischenbilanz der Neunkircher Referees also überraschend positiv aus. Aber dennoch ist auch bei ihnen einiges auf der Strecke geblieben. „Wir treffen uns normalerweise immer montags“, sagt Quirin. Kicken, was zusammen trinken, fachsimpeln, quatschen. Diese Montage schleifte das Virus. Von sechs Lehrabendterminen fand gerade mal einer statt. Der traditionelle Familientag im Spätsommer ist ebenso ausgefallen wie die Jahresfahrt. Und auch die Neunkircher Hallenstadtmeisterschaften, die die Schiedsrichtergruppe ausrichtet, fiel flach („für uns die wichtigste Einnahmequelle“).

Dass er etwas weniger Obmann-Arbeit zu verrichten hat, darin sieht Benjamin Quirin für sich persönlich derzeit sogar noch etwas Gutes: Seit November ist er Papa und zudem läuft eine berufliche Weiterbildung – da ist Zeit kostbar. Aber in einem ist er sich ziemlich sicher mit Blick auf seine Schiris: „Alle brennen darauf, wieder auf den Platz zu dürfen.“ Klein, Hasmann und Geid sind  auch aktuell in der Regionalliga im Einsatz..