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Probenbesuch
„Etwas lustiges, niveauvolles soll es sein“

Das Ensemble der Schaubühne probte am Probewochenende im Wiebelskircher Kulturhaus ihr neues Stück „Kalendergirls“.
Das Ensemble der Schaubühne probte am Probewochenende im Wiebelskircher Kulturhaus ihr neues Stück „Kalendergirls“. FOTO: Jörg Jacobi
Wiebelskirchen. Die Schaubühne Wiebelskirchen probt derzeit ihr neues – die „Kalendergirls“. Ein Stück rund um Tragik und Komik des Landfrauenlebens. Von Anja Kernig

Bademäntel. Auf die kann man in diesem Stück schwerlich verzichten. Zwischen bunt gemixten Kleidungsstücken hängen sie an zwei fulminanten Kleiderständern bereit. Ansonsten ist der Saal des Kulturhauses Wiebelskirchen gähnend leer. Nichts, was stören könnte beim Probenwochenende der Schaubühne.


Auf einigen wenigen Stühlen sitzen Leute mit Textbüchern in der Hand, ein Servierwagen mit Knabberzeug und Sprudelflaschen steht bereit. „Ach, ich fühl mich ganz schrecklich“, schallt es von der Bühne. „Keine Sorge, das kriegen wir mit einem kleinen Herbstpunsch wieder hin.“

Patent sind sie nämlich, diese Landfrauen in North Yorkshire, besser bekannt als die „Kalendergirls“. „Wir haben etwas gesucht, was lustig ist, niveauvoll. Mit verschiedenen Facetten“, erklärt Anja Burg-Panter, für die es nach etlichen Kinderstücken die erste Regiearbeit für erwachsenes Publikum ist. Klassische Komödien kamen irgendwie nicht in Frage, „da ist sehr viel Plattes dabei“. Nein, es sollte eine französische oder englische Komödie sein.



Und da der Frauenanteil im Ensemble sehr hoch ist, passt „Kalendergirls“ hervorragend. Das Stück basiert auf einer britisch-US-amerikanischen Filmkomödie von Nigel Cole aus dem Jahr 2003. „Als wir das gelesen haben, was sofort klar: Das ist es.“ Allerdings, nicht so toll war: „Wir haben wahnsinnig viel kürzen müssen.“ Im Original, ergänzt Regieassistentin Iris Bettinger, dauert es locker drei Stunden.

Jeder, der den Film kennt, hat sofort das Thema Nacktheit im Kopf. „Das war auch direkt bei allen, die mitwirken, die Frage: Müssen wir uns ausziehen beziehungsweise wie weit.“ Wozu Anja Burg-Panter eine ganz klare Position bezog: „Jeder geht soweit, wie er mitgehen kann und sich wohl fühlt.“ Man habe das im Übrigen ganz elegant gelöst: „Also Haut sieht man schon, aber wir haben auch ganz viele hautfarbene BHs bestellt.“

Worum geht es nun konkret? „Die meisten Mitglieder stehen halbherzig hinter dem Landfrauenverein“, erzählt die Regisseurin. Kein Wunder, Vorträge zur Geschichte der regionalen Molkerei und Brokkoli-Rezepte hauen selbst in England niemanden vom Hocker. Jedes Jahr bringt der Verein einen Blumen- oder Denkmal-Fotokalender heraus. Mit sehr mäßigem Erfolg.

Eines Tages erkrankt John, der Ehemann von Annie, an Leukämie. So verbringen die Freundinnen Chris und Annie viel Zeit im Angehörigenraum des Krankenhauses und stellen fest, dass das Sofa dort alles andere als gemütlich ist. Als John stirbt, beschließen sie, mit dem Erlös des neuen Kalenders ein neues Sofa zu kaufen.

Beim Anblick eines Pin-up-Kalenders hat Chris die entscheidende Idee: „Akt statt nackt“ – die Landfrauen sollen sich bei hausfrauentypischen Tätigkeiten ohne Hüllen fotografieren lassen. „Der Kalender schlägt wie eine Bombe ein.“ Doch schon bald kommt es zu Konflikten und der Frage, wie geht’s jetzt weiter. „Wir sind als Gruppe zusammengewachsen, lockerer geworden. Jetzt ist Vertrautheit da“, freut sich das Regie-Duo. Neben den „Alteingesessenen“ spielen zwei neue Mitglieder mit: Anja Ziegler aus Baden-Württemberg, die früher im Frauenkabarett mitwirkte, und am Klavier Kerstin Eding. „Sie hat zu Studentenzeiten mal Theater gespielt.“ Tanja Woll, die sonst hinter der Bühne tätig ist, tritt erstmals ins Rampenlicht. Eigentlich sollte „Kalendergirls“ bereits Premiere feiern. „Haben wir verschoben“, sagt Anja Burg-Panter entspannt. Hat sich doch gezeigt, dass sehr viel umfangreichere Proben nötig sind.

Die neuen Termine sind am 3. und 4. November hier in Wiebelskirchen sowie am 17. November in der Glückauf-Halle Elversberg. „Und im Frühjahr gibt es dann noch mehr.“