Saarländer schlucken viele Pillen

Saarländer schlucken viele Pillen

Die Arzneimittelausgaben pro Kopf im Landkreis Neunkirchen lagen laut Arzneimittelreport der Barmer bei 497 Euro. Und viele Menschen hier müssen fünf oder mehr Medikamente pro Jahr nehmen.

Der Landkreis Neunkirchen verursacht auf Kassenseite höhere Ausgaben für Medikamente als im Bundesdurchschnitt. Das zeigt der Arzneimittelreport der Barmer Gesundheitskasse, der von Professor Daniel Grandt, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I des Klinikums Saarbrücken, erstellt worden ist. Die Arzneimittelausgaben der Krankenkasse pro Kopf im Landkreis Neunkirchen lagen bei 497 Euro. Damit liegt der Landkreis unter dem Landesdurchschnitt von 499 Euro, aber über dem Bundesdurchschnitt von 485 Euro. Im Vorjahr lagen die Ausgaben für Arzneimittel im Landkreis Neunkirchen noch bei 522 Euro, so die Barmer.

Demografisch lassen sich die Unterschiede nicht erklären, denn die Daten wurden nach Geschlecht und Alter standardisiert. Saarländer nehmen viele Medikamente zu sich, wie die Saarland-Zahlen des Arzneimittelreports zeigen. In keinem anderen Bundesland gibt es mehr Menschen, die mindestens fünf Medikamente pro Jahr zu sich nehmen, als im Saarland. "Wenn Versicherten fünf oder mehr Arzneimittel in einem Jahr von ihren Ärzten verordnet werden, spricht man von Polypharmazie", erklärt Mathias Kolling, Regionalgeschäftsführer der Barmer in Illingen. Im Saarland werden rund jedem Dritten (34 Prozent) mehr als fünf Arzneimittel im Jahr verordnet. "Polypharmazie bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine unangemessene Übertherapie erfolgt. Viele Untersuchungen legen aber nahe, dass bei Patienten mit Polypharmazie Arzneimittel unnötig eingenommen werden", erläutert Kolling. Dabei bestehe ein erhöhtes Risiko von Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten. Patienten haben seit 1. Oktober 2016 Anspruch auf einen Medikationsplan, wenn sie mindestens drei zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnete Medikamente gleichzeitig und dauerhaft einnehmen.