Seit 40 Jahren Restaurant „Parthenon“ ist ein kulinarischer Dauerbrenner – das Erfolgsrezept ist simpel

Wellesweiler · Seit Vassilios Kotsaridis in Wellesweiler 1981 sein griechisches Restaurant eröffnet hat, ist die Beliebtheit des Partheon ungebrochen. Was ist das Erfolgsrezept?

Besuch im Parthenon in Wellesweiler
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Im Parthenon in Wellesweiler

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Foto: Thomas Reinhardt

Die Wahrscheinlichkeit, in Wellesweiler jemanden zu finden, der noch nie zu Gast bei einer Feier im Parthenon im Winterfloß war, geht vermutlich gegen null. Der „Grieche“ hat Tradition. Hier geht man nicht nur aus, hier feiert man Geburtstage, Kindtaufen, Betriebsfest oder Weihnachtsfeiern. Bekannt und beliebt ist das griechische Grill-Restaurant weit über die Ortsgrenzen hinaus, hat Stammgäste aus dem gesamten Umfeld. Hier trifft man sich zum Mädelsabend, zum Elterntreff, zur Vorstandsitzung. Für viele Wellesweiler Bürger gibt es sogar traditionelle Familiengerichte.

Die Beliebtheit des Athen-Spießes soll sich so schon in so mancher Familie vom Großvater über den Vater bis zum Sohn vererbt haben. Das Geheimnis des Erfolges ist einfach: Von Anbeginn an legt man Wert auf qualitativ hochwertige Ware. Und: Gemäß dem Motto „Never Change a winning team“ bleibt man der Speisekarte treu. Und das seit Vassilios Kotsaridis 1981 hier sein griechisches Restaurant eröffnet hat.

2018 kam der erweiterte Außenbereich

Ein Jahr zuvor hatte Kotsaridis das Lokal übernommen. Das war von der Schlossbrauerei als Gaststätte geführt worden, in dem in den Jahren 1968/1969 von Asko gebauten Haus. Oben war ein Lebensmittelmarkt, unten hatte die Schlossbrauerei gepachtet. Ewige Wechsel bei den Pächtern habe es gegeben, weiß die jetzige Inhaberin und Tochter des Restaurant-Gründers Savatu Jusufi. Bis Kotsaridis kam. Erst als Griechenland 1981 der EG beitrat, konnte er aber hier schließlich ein Gewerbe anmelden. Koch hatte er beim Militär gelernt, hatte bereits seit er 16 war in einer Küche gearbeitet. Im Alter von 14 war er damals mit den Eltern aus Griechenland nach Deutschland gekommen. 1982 heiratete Kotsaridis seine Frau Anastasia. Nun konnte der Restaurantbetrieb richtig starten. Nach und nach wurde die Gaststätte an sich verändert. Die dicken Eichenholztische der Brauerei wichen eleganteren Esstischen. Das Ambiente änderte sich vom Kneipen-Outfit zum Restaurant. Nur die dicken Holzbretter über der Theke mit der Inschrift „Bierbrauen ist eine Kunst, Biertrinken eine Tugend“ hat die Familie gelassen. Aus Nostalgiegründen.

Die Speisekarte, die Vassilios und Anastasia damals entwickelt haben, ist bis auf wenige kleinere Ergänzungen bis heute geblieben. Das wissen die Gäste, die teils seit den Achtziger Jahren hierher kommen, zu schätzen. „In den letzten zehn Jahren“, so erzählt Inhaberin Savatu Jusufi, „ist das Publikum etwas jünger geworden.“ Das kann sich vermutlich die Inhaberin selbst auf die Fahnen schreiben, denn die Mutter einer siebenjährigen Tochter ist selbst im Ort sehr aktiv. Bis zur Übernahme durch die Tochter im Jahr 2018 hatten die Eltern bereits so einiges in die Modernisierung und Renovierung des Hauses investiert. Jusufi hat dann 2019 den Außenbereich vergrößert. 80 Plätze gibt es nun hier, geöffnet je nach Witterung, auf jeden Fall von Mai bis Oktober. Dazu kommen 150 im Innenbereich, Nebenraum inklusive. Letzterer wird gerne genutzt für Feiern jeder Art. Allerdings: Unter 52 Personen reserviert man lediglich einen Tisch, muss sich den Nebenraum eventuell teilen.

Winterkabeljau ist der Renner

Auch, wenn sich selbst das Parthenon mittlerweile dem Zeitgeist beugt und eine kleine vegane Karte anbietet („wir arbeiten daran“), so ist eines ganz wichtig zu wissen: Das Parthenon ist ein Grillrestaurant, Fleisch gibt es hier ausschließlich vom Grill. Gyros sucht man deshalb auf der Karte vergeblich. Fleisch macht 90 Prozent der Karte aus. Fisch gibt es natürlich auch, der aber wird in der Pfanne zubereitet. Er, ebenso wie das Fleisch, immer frisch. „Alles kommt roh auf den Grill“, betont Kotsaridis. Das Restaurant ist bekannt für Besonderes, wie – und da gerät der Seniorchef ins Schwärmen – den Winterkabeljau. Wie es im Frühjahr die Spargelsaison mit verschiedenen Gerichten gibt, so ergänzen ab Januar bis Mitte/Ende März Zubereitungen mit Winterkabeljau die Karte. „Ein Renner“, sagt Kotsaridis. „Wer den einmal gegessen hat, wird ihn immer wieder verlangen.“ Der Kabeljau kommt wie aller Fisch von der Firma Deutsche See. Immer als ganzer Fisch und frisch. Serviert wird er in einfachen Variationen mit Weinsoße, Knoblauchdip, mit Haut kurz gebraten, zu Reis oder Nudeln. Seit gut 15 Jahren freuen sich die Stammgäste auf diesen Skrei, den ersten Kabeljau, den es gibt.

Ebenso beliebt: Die Spargelzeit. „Nur mit deutschem Spargel aus der Region“, sagt Kotsaridis. Von April bis Juni – „oft nehmen wir Pfingsten noch mit“ – gibt es den von einem festen Lieferanten vom Großmarkt Saarbrücken. Eine Saison gibt es auch für Erdbeeren oder Quitten. Diese meist in Dessertvariationen. Ab und an finden auch Aktionen statt: Mit griechischem Moussaka oder geschmortem Lamm. Und was ist der Renner? Da müssen sie wirklich überlegen. „Eigentlich alles“, sagt Jusufi. „Es geht eigentlich alles.“ Dann fällt dem Vater aber doch noch was ein: „Nichts wird so viel verlangt wie der gebackene Schafskäse mit Knoblauch.“ Und auch die eingelegten gegrillten Peperonis, mild im Geschmack, in Salzlake geliefert, kurz gegrillt und mit Essig, Knoblauch und Spezialsoße serviert, werden von den Gästen geschätzt. „Die gibt es nur hier“, ist sich Kotsaridis sicher.

Gegrilltes solo, als Spieß oder gemischte Platte

Bei den Fleischgerichten ist Lamm durchgängig beliebt. Lammkoteletts bekam das Restaurant schon von überall aus der Welt. Denn hier gilt: Die Qualität muss stimmen. Wie schwierig das am Anfang war, da erinnert sich Kotsaridis noch dran. „Anfangs habe ich da gar nichts gefunden.“ Zumindest in der gewünschten Qualität und Menge sei das sehr problematisch gewesen. Erst kam das Lammfleisch aus Australien, dann gab es einen Lieferanten aus Frankreich. Danach und bis heute kommt alles Fleisch von Schwamm aus Saarbrücken. Der hole das Lammfleisch extra aus Frankreich, manchmal komme es auch aus Wales oder Irland.

Für alle Fleischarten gilt: Es werden nur die edelsten Teile verarbeitet. Beispielsweise das Roastbeef beim Rind. Serviert wird auf verschiedene Arten: Einfach nur eine Sorte Fleisch oder aber eine Mischung aus dem Angebot, wie beispielsweise beim Herkules-Teller, der aus Hacksteak, Schweinefilet und Lammkotelett besteht. Dann die Spieße: Auch sie gibt es solo oder gemischt. Eingangs erwähnter Athenspieß beispielsweise mit Roastbeef, Schweinefilet, Hack- und Schweinefleisch. Wer das gesellige Schlemmen bevorzugt: Grillteller für zwei bieten viele Möglichkeiten, Vorlieben auszutesten. Da gibt es die Grill-Platte (Fleischspieß, Rumpsteak, Hacksteak, Schweinefilet) oder die Alexander-Platte (Lammfilet, Lammkotelett, Rumpsteak, Schweinefilet), nicht zu vergessen natürlich die Parthenon-Platte, die Spezialität des Hauses (Rinderfilet mit Knoblauch, Kalbsfilet mit Champignons, Schweinefilet mit grünem Pfeffer). Dies alles und mehr und natürlich immer mit Beilagen.

Die Chefin ist gelernte Diplomkauffrau

Der Laden läuft, bestätigt Savatu Jusufi. Deshalb gibt es längst die Mitnutzung des Nebenzimmers im normalen Restaurantbetrieb. Wer zum Feiern eines Geburtstages oder welchen Festes auch immer einen Tisch bestellt, der kann à la carte essen, bekommt auf Wunsch eine kleine Karte zusammengestellt oder aber auch ein Menü. Damit der Laden laufen kann, arbeiten neun Festangestellte hier, dazu kommen drei Aushilfen am Wochenende. Jusufis Mann Fehrim unterstützt, wo er kann, und auch die Eltern helfen noch weiterhin mit. Der Vater beispielsweise beim Einkauf.

Savatu Jusufi ist eigentlich gelernte Diplomkauffrau, hat sechs Jahre lang im Bereich Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung gearbeitet. Als die Eltern verkündeten, dass sie zurücktreten wollen, war für Jusufi klar: Sie übernimmt. „Da hängt sehr viel Herzblut drin.“ Und Pläne und Ideen für die Zukunft, die hat die BWLerin natürlich auch. Eines allerdings scheint sicher, da zeigt sich Savatu Jusufi gern konservativ: Die Speisekarte wird in bewährter Form erhalten bleiben.

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