1. Saarland
  2. Neunkirchen
  3. Neunkirchen

Rundgang durch den Zoo Neunkirchen

Rundgang durch den Neunkircher Zoo : Emu Emil will’s noch einmal wissen

Der Zoo wird zurzeit frühlingsfein gemacht. Jede Menge Verschönerungsarbeiten sind im Gange. Und alles, was Federn hat, balzt.

Da reckt und streckt er sich aber gar ordentlich. Wirft den Kopf in den Nacken und klappert, was der Schnabel hergibt. Der Storchenmann im Gehege des Neunkircher Zoos hat auch allen Grund dazu. Hat ihn die Angebetete im vergangenen Jahr noch ganz schön lange betteln lassen, so weiß sie wohl nun, was sie an ihm hat und empfängt ihn ohne Zicken, auf dass die Fortpflanzung gelingen möge.

Auch die Nachtreiher sind ordentlich am Balzen. Für sie hat Zoodirektor Norbert Fritsch zusammen mit  Falkner Theo Omlor  („mit dem Theo, da kann man richtig gut schaffen“) Obstkörbe in luftiger Höhe angebracht. Dort darf jetzt der Nachwuchs entstehen. Allerdings wird einer der Reiher dumm aus der Wäsche gucken. Drei Männer bemühen sich um zwei Frauen. Da es gerade ums Thema Balzen geht: Das passiert – sehr zur Freude des Direktors – offenbar ganz am anderen Ende des Zoos. Dort wollen es die bereits etwas in die Jahre gekommenen Emus offenbar nochmal wissen. Doch dazu später.

Jetzt geht es beim Frühjahrsputz-Rundgang mit der SZ erstmal in Richtung Afrika. Dort, wo Giraffen und Zebras leben, hat sich einiges getan. Sehen kann man das inzwischen ganz wunderbar von oben. Direkt gegenüber von Kiosk und Grillplatz wurde nämlich gerodet. Freie Sicht bis Afrika wird man schon in wenigen Wochen von der Terrasse aus genießen können. Noch lagert das Teil, das einst zum Zoorestaurant gehörte, dort, wo mal die kleine Zoohalle stand. Hier wird es nun wieder aufgebaut. Von hier oben sieht man dann nicht nur, wie nett es Giraffen und Zebras haben, nachdem der Drahtzaun gegen einen Steinwall ausgetauscht wurde. Es lässt sich auch ein Blick werfen aufs Hyänen-Zuhause rechts und auf das kleine Häuschen links – das nächste Ziel des Rundgangs. Hier wird kräftig geschafft. Das älteste Gebäude des Zoos hat schon viele Tiere gesehen, unter anderem war es quasi ein großes Aquarium. Nun werden „kleine Riesenschildkröten“ (hat der Zoodirektor gesagt) hier einziehen. Pandaschildkröten heißen die auch. Innen kann man schon sehen, wie es mal werden wird. Außen muss sich noch einiges tun. Aber auch das soll schon bald fertig sein. Hier kommt nämlich ein Gewächshaus hin, damit es die vier kleinen Riesen auch immer schön warm haben. Damit es ihnen nie langweilig wird, bekommen die gegenüber lebenden Erdmännchen einen Tunnel gebaut. Da ist dann wenigstens immer was los dort. Damit der Blick ins „afrikanische Herz“ des Zoos ungetrübt ist, wird auch der Trennungszaun zwischen Giraffen und Hyänen noch durch Holzstaketen ersetzt, es wird passend gepflanzt.

Von Afrika geht es vorbei an Mümmelhausen, wo sich an diesem sonnigen Tag viele Menschenkinder tummeln, die noch nicht wissen, dass die Hasen bereits Junge haben, die dann Ostern sozusagen streichelbereit sein werden, Richtung Madagaskar. Man erinnert sich: Im vergangenen Jahr sind hier die Fossas eingezogen. Als Nachbarn werden sie  die Fanalokas bekommen. Die leben immer noch in der Quarantäne-Station, denn noch ist das Gehege nicht so weit. Das soll sich jetzt ändern. Denn hier ist der CJD kräftig am Werk. Das alte Gehege wird abgerissen, ein neues, artgerechtes für die kleinen Madegassen entsteht.

Gewerkelt und gearbeitet wird zurzeit aber nicht nur an konkreten Projekten. Der Sturm hat einiges an Aufräumarbeiten notwendig gemacht. Überall wird aufgeräumt, weggeschafft, gekehrt. Völlig unbeeindruckt vom geschäftigen Treiben zeigt sich das Emu-Pärchen. Denn – siehe oben – der Herr hat scheinbar anderes im Kopf. Emil, mit Jahrgang 93 über die besten Jahre schon drüber (frei lebend werden die Tiere zehn bis 20 Jahre alt, erklärt Fritsch), scharrt und scharwenzelt um die ein Jahr jüngere Emilia, dass es für den Beobachter die reinste Freude ist. Dem Neuzugang im Gehege scheint das Verhalten seiner älteren Artgenossen eher peinlich. Er hat sich ganz zurückgezogen, „versteckt sich“ hinter den Kängurus am anderen Ende.  Ganz jung ist er noch, wurde im März vergangenen Jahres geboren, ist vor einigen Wochen erst aus dem Münchner Tierpark Hellabrunn hier angekommen. Eine Weile lässt der Zoodirektor beim Blick ins Gehege  auf einem der seitlich zwecks besserer Sicht stehenden Podeste die Gedanken schweifen: Erzählt von der Ähnlichkeit der Emus mit Dinosauriern („die Füße!!“), von Didgeridoos und Australien überhaupt.

Schnitt. Gegenüber ist die Biberfestung. Die sieht noch nicht sehr schön aus, wird aber als nächstes in Angriff genommen und steht somit auch auf der Prioritätenliste. Noch schnell ein bisschen Pony-Streicheln, Blick auf den freigelegten Flusslauf, der von ganz oben vom Jedermannsbrunnen kommt und hier auch noch eine Zusatzquelle hat, vorbei an den Nandus und wieder zurück nach Afrika. Was ist eigentlich aus dem Schwerpunkt Asien geworden, den der Zoo sich mal gesetzt hatte? „Den haben wir immer noch. Aber eben nur als Schwerpunkt.“ Ein Zoo ohne Giraffen und Löwen sei nur schwer vorstellbar. Und außerdem gebe es viele Überschneidungen, das gelte beispielsweise für die Mantelpaviane.Viel zu erzählen hat er, der Zoodirektor, zu geografischen Verknüpfungen. Bei der Rast auf einer der rein gegen Spendenquittung geschenkten großen Holzschaukeln (drei große und zwei kleine gibt es) geht es auch um die Besucherzahlen. Am ersten sonnigen Wochenende waren am Samstag bereits 750, am Sonntag 1000 Besucher da, in 2019 waren es insgesamt 160 000 und damit wieder 5000 mehr als im Jahr zuvor. „Jedes Jahr ein bisschen mehr, so soll es sein“, sagt Fritsch. Dass das gelingt, da hat er keine Zweifel. „Wir haben ja auch jedes Jahr wieder was Neues, Schönes.“ Mark Eichelmann fährt vorbei. Der Zootierarzt will zwei Böcke mittels Blasrohrfüllung davon abhalten, ihre Schwestern zu begatten. Die Böcke riechen Lunte, verstecken sich. An diesem Nachmittag wird das wohl nichts mehr.

Also geht’s weiter. Vorbei am nicht mehr quasi eingeschlossenen Betriebshof. „Da haben wir auch einiges neu gestaltet. Und die Leute dürfen da ja ruhig reinschauen.“ Die Streifenhyänen beschäftigen sich ausgiebigst mit Holzstücken. Wie sich später am Stacheltiergehege rausstellt: Die Pfleger haben Futter reingesteckt. Enrichment heißt das und hilft gegen tierische Langeweile. Bei den Stacheltieren sind erst einmal nur die Tierpfleger beschäftigt. Machen ein bisschen Kultur. Ein Besucher fragt nach einem Stachel, für die Freundin, die damit als Künstlerin gerne malt. Ihm kann geholfen werden.

Noch wenig getan hat sich gegenüber, dort, wo der Drachengarten hin soll. „Das muss noch warten, bis die anderen Sachen fertig sind.“ Zu denen gehört auch der neue Eingangsbereich. Kräftig gebaut wird da schon, wie es einmal aussehen könnte, das lässt sich bereits vage erahnen. Fertigstellungs-Ziel: Mitte des Jahres.

Bei all den Arbeiten ist es gut, dass so manches wie von selbst läuft. Beispielsweise auch das Wiederansiedlungsprojekt Steinkäuze. „Das ist auf jeden Fall in Sicht“, freut sich Fritsch. Zurzeit ist einiges los bei den Käuzen in der Falknerei.  Es wird gebalzt. Wer hätte es gedacht . . .

Zootierarzt Mark Eichelmann bereitet die Füllung fürs Blasrohr vor. Foto: Elke Jacobi
Diesen Blick wird man von der Terrasse haben, die hier demnächst aufgebaut wird. Links das älteste Zoogebäude, in dem die Panda-Schildkröten ihr neues Zuhause haben werden. Foto: Elke Jacobi
Die Schneeleoparden mögen’s beim SZ-Besuch eher faul. Foto: Elke Jacobi
Emu Emil hat es auf die alten Tage nochmal erwischt. Foto: Elke Jacobi
Immer streichelbereit ist das kleine Shetland-Pony. Foto: Elke Jacobi
Was guckst du? Die Streifenhyäne blickt interessiert zurück. Foto: Elke Jacobi
Die sichtbarste Baustelle ist der Eingangsbereich. Bis Mitte des Jahres soll alles fertig sein. So lange ist das Kassenhäuschen im Container. Foto: Elke Jacobi
Keine Spur mehr vom Stress im letzten Jahr. Im Storchennest herrscht große Einigkeit. Und auch im übrigen Gehege wird eifrig gebalzt. Foto: Elke Jacobi

www.neunkircherzoo.de