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Rettung vorm "Vergammeln"? Bahnhof hat eine wechselvolle Geschichte erlebt

Ottweiler. Noch in der letzten Woche des alten Jahres ist der Vertrag notariell besiegelt worden: Der Bahnhof und das Umfeld einschließlich des Parkplatzes sind nun Eigentum der Stadt Ottweiler. "Die Verhandlungen waren schwierig, langwierig und mühsam

Ottweiler. Noch in der letzten Woche des alten Jahres ist der Vertrag notariell besiegelt worden: Der Bahnhof und das Umfeld einschließlich des Parkplatzes sind nun Eigentum der Stadt Ottweiler. "Die Verhandlungen waren schwierig, langwierig und mühsam. Aber alle für die Stadt wichtigen Positionen konnten positiv geregelt werden", wird der Ottweiler Bürgermeister Hans-Heinrich Rödle in einer Pressemitteilung aus dem Rathaus zitiert. Das 1887 erbaute denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude ist in einem vernachlässigten Zustand. Es befindet sich auf einem rund 4700 Quadratmeter großen Grundstück, das zum großen Teil als Parkraum genutzt wird.Bereits Anfang September hatte der Bürgermeister dem Stadtrat vorgeschlagen, den Bahnhof zu dem "vertretbaren Kaufpreis von 150 000 Euro" zu erwerben. Die Ratsmitglieder hatten dies bei lediglich zwei Gegenstimmen der FWG mit großer Mehrheit gebilligt.


Derzeit bestehen noch unterschiedliche Auffassungen zur künftigen Verwendung des Bahnhofs. Es gibt verschiedene Vorstellungen, über die nach Absicht der Verwaltung weiter beraten werden soll. Ziel sei es, so die Pressemitteilung der Stadt Ottweiler, den Bahnhof und das Bahnhofsumfeld aufzuwerten. Die Stadt habe das Projekt beim Land für Fördermittel im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung angemeldet und sei unter vielen Kommunen für eine Förderung ausgewählt worden. Zurzeit würden die Unterlagen für den Förderantrag erarbeitet.

Es sei unstreitig, dass möglichst viel öffentliche Zuschüsse und private Beteiligungen für das Sanierungsprojekt eingesetzt werden müssen, so Rödle. Der Bürgermeister weiter: "Auch ist es unser Ziel, in diesem Bereich so viel Parkraum wie möglich zu schaffen. Es wird ein Konzept erarbeitet werden, das Parkraum für Bahnkunden, für Park-and-Ride, für Dauerparker, aber auch für Kurzparker zum Besuch der Geschäfte und Praxen enthalten wird."



Gedacht sei daran, den gesamten Parkraum in der Bahnhofstraße (auch zwischen den Platanen) dem kurzfristigen Parken zur Verfügung zu stellen und den Parkraum um den Bahnhof herum und auf dem Parkplatz für Tagesparken vorzusehen.

Neben dem vorhandenen Ticket-, Reise- und Tourismusservice mit Kiosk, bietet sich für die künftige Nutzung nach Ansicht des Verwaltungschefs an, die Räume der früheren Bahnhofsgaststätte für ein Museum für Kommunikation und Technik einzurichten. Ein großen saarländisches Unternehmen wolle sich hier finanziell beteiligen. In den ehemaligen Wohnungen könnte das Jugendzentrum untergebracht werden. Als erster Schritt wäre für das Nebengebäude auch eine Fahrradreparaturwerkstatt (ein sogenanntes Mobilitätszentrum) denkbar und wünschenswert, so Rödles Vorschläge. Für das Umfeld, insbesondere für den Parkraum, könnte mit Mitteln aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz eine schöne Gestaltung erfolgen. Erwähnenswert sei, dass die Stadt als nunmehrige Eigentümerin aus drei Mietverträgen Mietzins erziele - netto etwa 6000 Euro im Jahr. Die Bewirtschaftung des Parkraumes werde zu weiteren Einnahmen führen.

Wenn die Stadt den Bahnhof nicht erworben hätte, würde er "vergammeln", zeigt sich Rödle überzeugt. Wenn ein Privater ihn erworben hätte, wäre die Einflussnahme der öffentlichen Hand sehr gering gewesen. Rödle abschließend: "Jetzt kommt es darauf an, das Beste daraus zu machen und die Finanzierung des Gesamtprojektes in den nächsten vier Jahren sicherzustellen." red

Ottweiler. Der Bahnhof ist Eingangstor und Markenzeichen für Ottweiler. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde im Jahr 1877 im Zusammenhang mit den Gründerzeithäusern in der Bahnhofstraße erbaut. Die Deutsche Bahn hat den Ottweiler Bahnhof nach Darstellung der Stadt im Jahr 1995 "aufgegeben" und seit dieser Zeit wenig für Gebäude und Umfeld getan. Auf Drängen der Stadt wurde von 1996 bis 2001 der Bahnhof von der DB mit einer Juniorfirma geführt. Das war ein Vorzeigeobjekt der DB, sogar Bahnmanager aus Japan studierten vor Ort dieses Beispiel. Im August 2001 hieß es unvermittelt: Der Juniorbahnhof rechnet sich nicht mehr.

Dann kam die Firma Entrada aus Rheinland-Pfalz, die mit Finanzierung des Landes Rheinland-Pfalz und der Arbeitsverwaltung ältere Langzeitarbeitslose mit dem Fahrkartenbetrieb beschäftigte. Das ging bis März 2003 leidlich gut - der Bahnhof war besetzt und geöffnet und jeder konnte dort Fahrkarten kaufen, außerdem gab es eine soziale Kontrolle. Über Nacht wurden die dort tätigen Mitarbeiter abgelöst.

Erst intensives Nachforschen der Stadt führte zur Aufklärung: Die DB hatte wegen verschiedener Abrechnungsprobleme entschieden, den Bahnhof Ottweiler "dunkel" zu lassen. Stadtrat und Verwaltung protestierten, eine Resolution wurde an DB und Politiker verschickt - ohne Erfolg. Seitens der DB gab es kein Interesse, den Bahnhof weiterzuführen.

Stadtrat und Verwaltung überlegten sich ein neues Modell. Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) war schließlich dazu bereit, mit einem Beschäftigungsmodell den Bahnhof weiterhin zu betreiben. Die Finanzierung dieses Projektes, das seit 2004 läuft, erfolgt über Gelder der Europäischen Gemeinschaft, der Arbeitsverwaltung und der Stadt. red

Foto: privat

"Jetzt kommt es darauf an, das Beste daraus zu machen und die Finanzierung des Gesamt-

projektes in den nächsten vier Jahren sicherzu-

stellen."

Bürgermeister Hans-Heinrich Rödle

Hintergrund

Der Bahnhof Ottweiler hat nicht nur eine städtebaulich wichtige und eine historische Bedeutung, sondern er ist für den öffentlichen Personenverkehr eine wichtige Größe. Werktags benutzen ihn nach Angaben der Stadt etwa 1300 Bahnreisende; es werden werktags rund 100 Zugverbindungen angeboten. Im Halbstunden-Takt gibt es eine Verbindung nach Saarbrücken, stündlich Richtung Türkismühle, alle zwei Stunden bestehen Verbindungen nach Mainz, Frankfurt und zum Flughafen. red