Reisebüros in Neunkirchen spüren keine "Flugscham" bei ihren Kunden

Kostenpflichtiger Inhalt: SZ-Umfrage zu Urlaubsflügen und Umwelt : „Wenn ich einmal im Jahr fliege. . .“

Reingehört in Neunkircher Reisebüros: Ist „Flugscham“ wegen der Umwelt ein Thema beim Kaufen und Verkaufen von Urlaubsfreude?

Mutter und zwei erwachsene Töchter. Alle drei in Deutschlands Südwesten an drei Standorten verstreut zu Hause. Zum Wandern verabreden sie sich für eine Woche in Schweden. Belastungsprobe für drei durchaus Umweltbewegte. Mutter und Tochter eins steigen dann doch in den Flieger. In wenigen Stunden sind sie da. Tochter zwei braucht ein Vielfaches an Stunden mit dem Zug. Sie denkt konsequent an ihren ökologischen Fußabdruck. Zielort Schweden aus diesem Fallbeispiel passt ganz gut zu Flugreisen und Umwelt. Aus dem Schwedischen schwappte vor zwei Jahren das Wort „flygskam“ um den Erdball - „Flugscham“, also das Bewusstsein: Flugreisen sind umweltschädlich, also Flugreisen meiden.

Muss der Mensch sich wirklich schämen, wenn er boarded? Nein, wenn es um die schönsten Wochen des Jahres geht. Das ist das Ergebnis einer – nicht-repräsentativen – Umfrage in Neunkircher Reisebüros. „Flugscham“ ist bei Käufern und Verkäufern von Urlaubsfreude nicht das Thema.

„Dass jemand kommt und sagt: Ich will diesmal keine Flugreise, ich fahre lieber Zug, das ist bei uns überhaupt noch nicht vorgekommen“, sagt Katharina Dörr von Holiday Land Reisebüro, Oberer Markt. Aber auch umgekehrt nicht. Dass einer kommt und vielleicht verärgert sagt: Ich lasse mir doch meine Urlaubsflug nicht mies machen: „Es ist überhaupt kein Thema.“

„Wenn Menschen das ganze Jahr für ihren Urlaub sparen, dann wollen sie eben auch eine Schönwetter-Garantie. Und da muss man dann halt schon ein Stück weg, mindestens zwei Stunden“, sagt Andrea Boné von Holiday World Reisecenter, Pasteurstraße. „Bei uns war auch noch niemand, der gesagt hätte, ich fliege nicht mehr aus Umweltgründen.“ Kunden machten sich sicher Gedanken, sagten aber: „Wenn ich einmal im Jahr in Urlaub fliege, dann ist das doch in Ordnung. Und das ist es doch auch.“ Schon öfter mal werde aber bei Kreuzfahrten gefragt: „Fährt das Schiff schon mit umweltfreundlicherem Treibstoff?“

„Ich glaube, die Menschen haben sich schon entschieden, wenn sie ins Reisebüro kommen“, sagt Giulio Scuzzarella vom TUI Reisecenter Götten, Bahnhofstraße. Er kenne Kunden, die keine Flugreise machten, „weil sie Flugangst haben“. Aber wegen der Umwelt? Das heiße aber nicht, dass die Kunden nicht an die Umwelt denken würden: „Sie überlegen, ob sie vielleicht weniger Kataloge brauchen. Das beobachten wir schon.“ Die Menschen kümmerten sich doch zu Hause um Umweltschutz, versuchten Plastik zu vermeiden, trennten Müll: „Wenn sie dann einmal im Jahr in Urlaub fliegen wollen, dann wollen sie deswegen kein schlechten Gewissen haben. Und das müssen sie doch auch nicht haben.“

Aus Schweden hat sich im letzten Jahr mit „smygflyga“ ein neues Modewort auf die Reise um die Welt gemacht – „heimlich doch Fliegen“. Aber Fakt ist: In Schweden ging 2019 die Zahl der Inlandsflüge zurück (Flughafenbetreiber Swedavia), die Eisenbahnen zählten mehr Fahrgäste. Auch in Deutschland waren zumindest auf Kurzstrecken die Passagierzahlen rückläufig (Flughafenverband ADV).