Reaktionen um Zoff zu lesbischem Prinzenpaar im Kreis Neunkirchen

Kostenpflichtiger Inhalt: Zoff um Prinzessinenpaar : Alleh hopp, Prinzessinnenpaar ist top

Die Entscheidung, ein gleichgeschlechtliches Prinzenpaar nicht zur Kür des „Prinzenpaar des Jahres“ zuzulassen, trifft unter den Fastnachtern im Kreis auf Unverständnis.

Alleh hopp, die Fastnachter stehen gerade doppelt kopp: Der Verband der Saarländischen Karnevalsvereine, kurz VSK will am Sonntag, 26. Januar, in Riegelsberg die Wahl des „Prinzenpaares des Jahres“ über die Bühne bringen. Standard-Geschichte? Nicht in diesem Jahr. Das Paar der Kleinblittersdorfer Karnevalsgesellschaft „Die Rebläuse“, Heike II. und Ute I., darf an der Kür nicht teilnehmen, da es ein lesbisches ist. Geht so was noch im 21. Jahrhundert? Fastnachter im Kreis Neunkirchen haben dazu eine klare Position: Der Ausschluss sei nicht zeitgemäß. Da müsse sich beim VSK etwas tun.

Die Neunkircher Karnevalisten sammeln sich unter dem Dach des Neunkircher Karnevalsausschusses NKA. Dessen Präsident Karl Albert erklärt: „Wir müssen Brauchtum auch weiterentwickeln.“ Er selbst sei bekanntermaßen  ein durchaus konservativ denkender Mensch, aber es bestehe ein gesellschaftlicher Konsens und eine „Lebenswirklichkeit“, die auch der Verband beherzigen müsse. Er sei indes der festen Überzeugung, dass das Präsidium eine Lösung finde im Disput um gleichgeschlechtliche Prinzenpaare. Ob dies allerdings schon jetzt in der laufenden Auseinandersetzung gelinge, wisse er nicht. Zur Veranstaltung in Riegelsberg aus Solidarität mit den beiden Frauen nicht zu gehen, wie hie und da gefordert, kommt für Albert nicht in Frage. Das sei „absoluter Quatsch“ und kontraproduktiv. Der NKA-Präsident: „Das wäre auch keine närrische Reaktion. Narren wollen der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten, das geht nicht, wenn der Prinzenpaar-Empfang boykottiert wird.“ Die Wahl des „Prinzenpaares des Jahres“ sei eine schöne Veranstaltung, zu der er selbst gehen werde.

Von einem Boykott der Veranstaltung hält auch Klaus Reichard nichts. Der Vorsitzende von Alleh Hopp Spiesen sagt, die Paare freuten sich auf das Prinzenfrühstück und sollten es haben: „Die über 30 Prinzenpaare sollte man nicht bestrafen. Für den ausrichtenden Verein würde dies zudem eine finanzielle Einbuße bedeuten. Reichard äußert sich zu der Ausbootung des lesbischen Paares so: „Wir im Verein haben nichts gegen Schwule und Lesben.“ Gesellschaftlich sei eine solche Ausgrenzung heute auch nicht mehr machbar. Das sehe man an der Diskussion, die jetzt stattfinde. Der Verband habe aber den Passus in der Satzung, wie ein klassisches Prinzenpaar auszusehen habe. Diese Regelung lasse sich natürlich ändern. Ob der Verband seine Satzung jetzt einfach übergehen werde, wisse er nicht. Reichard: „Der Verband muss das jetzt entscheiden.“

Für den Verein „So war noch nix 1847 Ottweiler“, ältester Karnevalsverein an der Saar, äußert sich Vizepräsidentin Olivia Klos mit klaren Worten: „Karnevalisten  sind weltoffen, tolerant  gegenüber Andersdenkenden und  unterschiedlichen Lebenswegen.“ Und genau deswegen sei der „So war noch nix“  ganz und gar nicht damit einverstanden, wie mit dem Prinzessinnenpaar Heike II. und Ute I. der Kleinblittersdorfer Rebläuse verfahren werde. Traditions- und Brauchtumspflege auf der einen Seite schlössen die Anerkennung gesellschaftlicher Veränderungen nicht aus. In der Session 2014/15 hatte der Verein einen schwulen Prinzen, der ihn und die Narren durch die Session führte. So sei es für den Ottweiler Karnevalsverein nicht nachzuvollziehen, warum zwei Prinzessinnen vom Wettbewerb „Wahl zum saarländischen Prinzenpaar des Jahres“ ausgeschlossen blieben. Klos erinnert daran, dass schon 2016 ein Männerpaar aus Theley nicht zugelassen worden war. Die VSK-Begründung, ein Prinzenpaar müsse laut Satzung aus einem Mann und einer Frau bestehen, stamme aus einer Zeit, in der sich gleichgeschlechtliche Paare vor der Öffentlichkeit verstecken mussten und strafrechtlich verfolgt wurden. Die Entscheidung des VSK-Präsidiums sei realitätsfern und es gelte, verkrustete Regeln über Bord zu werfen.

Dominic Harig ist Vorsitzender der Heiligenwalder Elleretze. Beim Training am Mittwochabend sorgte das Thema für Gesprächsstoff im Verein. Harig: „Wir haben das kurz diskutiert. Nach unserer Meinung spricht nichts dagegen, dass das Paar antritt.“ Die Elleretze haben ihr eigenes Prinzenpaar gemeldet für die Veranstaltung in Riegelsberg. Prinzessin Michelle I und Prinz Marco I sollen frei entscheiden, ob sie hingehen oder aus Protest fernbleiben.

Auch in Eppelborn wurde der SZ-Bericht in den sozialen Netzwerken diskutiert, berichtet Günter Schmitt, Präsident des Freundeskreises Eppelborner Vereine und Elverratspräsident. Für Schmitt eine klare Sache: „Ich würde da keine Einschränkungen machen.“ Schwule und lesbische Prinzenpaare habe es in der Vergangenheit öfter schon gegeben, und gerade in einer Zeit, wo viel über Diskriminierung gesprochen werde, habe sich der VSK sicher keinen Gefallen getan. Schmitt räumt in diesem Zusammenhang aber auch ein, die Statuten nicht präsent zu haben und deshalb nicht zu wissen, welchen Handlungsspielraum das Präsidium jetzt habe.