Raus aus der Schublade

Benjamin Setz ist der Kopf der Gruppe Wanderreigen, die am Donnerstag, 2. Oktober, in der Stummschen Reithalle auftritt. Metalfolk trifft die Musikrichtung noch am ehesten. Doch die Band hat mittlerweile ihren eigenen Stil gefunden. Das zweite Album ist in Arbeit.

. So manch einer muss ja lange überlegen, wie er zu dem gekommen ist, was ihn jetzt so umtreibt. Bei Benjamin Setz ist das nicht so. Der Neunkircher mit Nachhilfestudio in Illingen ist Kopf der Gruppe Wanderreigen - und weiß genau, wie es dazu kam. Vor sieben Jahren hat er gemeinsam mit Studienkollegen die Gruppe gegründet. "Schuld" daran waren zwei Konzertbesuche.

Zum einen war der heute 31-Jährige mit 15 auf einem Konzert von Subway to Sally und schlichtweg "umgehauen" von der Musik, wie er beim Redaktionsbesuch erzählt. Dann aber kam 2004 und ein Konzert von In Extremo in Trier. "Die haben damals auf ihrer Tour immer jemanden auf die Bühne gerufen zum Mitsingen. Ich habe mich gemeldet und wurde genommen - und habe vor 5000 Leuten gesungen. Die Band hat mich einfach alleine stehen lassen, weil sie es so toll fand", erinnert er sich zehn Jahre später. Da wusste Setz: Dieses Gefühl will er wieder haben. Von den Gründungsmitgliedern seiner Band Wanderreigen ist er mittlerweile als einziger übrig geblieben. "Da gab es eine große Fluktuation, irgendwas war immer: Uni fertig, Wohnort-Wechsel." In der jetzigen Formation spielt Wanderreigen nun allerdings schon seit vier Jahren. Mit einer kleinen Ausnahme: Dudelsackspielerin Steffi macht sozusagen Mutterschaftsurlaub und wird durch einen Dudelsackspieler vertreten, der auch noch eine Flötistin mitgebracht hat. Fast alle Bandmitglieder sind übrigens aus dem Kreis, die Hälfte aus Neunkirchen selbst. Vier Jahre in der selben Formation, das gibt Setz Hoffnung darauf, dass man nun wirklich immer weiter nach vorne blicken kann.

Die Musik hat sich im Laufe der Zeit auch geändert, ist drastischer, aussagekräftiger geworden, hat mehr Ecken und Kanten. "In Text und Musik." Metalfolk, das trifft es wohl am ehesten, will man Wanderreigens Musik in eine Schublade stecken. Metal ist auf jeden Fall drin, dafür sorgt das Schlagzeug. "Wir achten aber auf jeden Fall auch darauf, dass wir den Vorteil von zwei Gitarren nutzen." Jedenfalls ist der Band und allen voran Setz eines wichtig: Sich gegen andere abzugrenzen, den ganz eigenen Stil zu finden. "Das gelingt von Stück zu Stück immer mehr."

Der große Traum: Wiedererkennungswert. "Wenn man uns hört und dann gleich weiß: Ah, da spielt grad Wanderreigen", gerät er ins Schwärmen. Da wäre er schon froh, denn Setz bleibt Realist, weiß, dass es viele gibt, die den Sprung auf die große Bühne versuchen. Das aber ist ein harter und weiter Weg, auch nach dem ersten Album.

Das zweite folgt demnächst. Eine Single fände Setz super. Verlegt wird zurzeit bei einem kleinen Label, aber immerhin gibt's die CD "Rum und Ratten" überall im Handel, auch online. Die zweite wird direkt nach dem Auftritt in Neunkirchen in Angriff genommen. Dann kommt die Vorproduktion. So zwölf, 13 Songs wird die neue CD haben, darunter nicht nur zwei ganz ruhige Sachen, sondern auch der "Bombomstand", das Elsässer Trinklied, das das Zu-gabelied der Band ist.

Songs von allen abgesegnet

Zweieinhalb Stunden Programm schafft Wanderreigen übrigens inzwischen. Die Songs sind von allen abgesegnet. Längst schreibt Benjamin Setz nicht mehr nur alleine. "Das entsteht ganz klassisch: jemand hat eine Idee, bei den Proben wird dann weiterentwickelt." Wichtig ist: Alle müssen dahinter stehen. "Manchmal nehmen wir auch alte Sachen wieder aus dem Programm, auch Sachen von der CD, wenn jemand von uns findet, das passt nicht mehr."

Auftritt: Donnerstag, 2. Oktober, 20.30 Uhr, Stummsche Reithalle Neunkirchen , Special Guest Reysswolf, Karten im Vorverkauf acht Euro plus Gebühr, Abendkasse zehn Euro.