Raus aus der Nummer? Niemals!

Jeder Asterix-Liebhaber kennt es: Das Haus, das Verrückte macht (im Folgenden kurz: HdVm). Wer nun aber hätte gewusst, dass dieses Haus in Neunkirchen steht? Am Bachplatz um genau zu sein. Wer hier heil rauskommt, der schafft im Leben alles.

Echt! Das Drama heißt: Die Schulbescheinigung für den Sohn ist nur bis September ausgestellt. Mitwirkende: Diverse Finanzamtsmitarbeiter, die Autorin, viele Nummern. Akt eins: Antragstellung. Es ist ein lauschiger Tag im Sommer. Die Autorin, frohen Mutes, begibt sich ins HdVm, im Gepäck: Immatrikulationsbescheinigung der Tochter, oben erwähnte Schulbescheinigung. Freies Wartezimmer. Drei besetzte Schreibtische. Prima! Forschen Schrittes rein in die gute Stube. Von wegen! "Erst mal eine Nummer ziehen." Gut denn. Nummer ziehen. Warten bis die Anzeige entsprechend aufleuchtet. Reingehen. Tisch drei. So weit so gut - allein: der Antrag muss noch ausgefüllt werden. Leuchtet ein. Also raus, ausfüllen, wieder rein zu Tisch drei. "Wo ist Ihre Nummer?", fragt die Dame - vermutlich eine Art HdVm-Gedächtnisschwund, denkt man sich. Der Tag ist schön, man hat ja Zeit: nächste Nummer; warten, bis es leuchtet, zurück zu Platz drei. Bescheinigungen abgeben. "Da fehlt noch was im Antrag." - "Kann ich grad hier . . .?" Natürlich nicht. Rausgehen. Fertig ausfüllen - Nummer ziehen (man ist ja lernfähig), reingehen. So weit - so gut. Der Sohn wird bis zum Jahresende als schulpflichtig anerkannt.. "Bitte bis dahin die Verlängerung nachreichen." Nun denn.

Nach vielen geruhsamen Monaten folgt Akt zwei: Die Bescheinigung. Die Gelegenheit ist günstig, man ist eh in der Nähe und hat die aktuelle Bescheinigung dabei. Schnell mal reinspringen (ha!!). Leeres Wartezimmer, leere Besucherstühle in der guten Stube. Beamte kurz vorm Feierabend. Nummer ziehen (!), Aufleuchten abwarten, reingehen. Tisch eins: "Ich habe da nur was nachzuliefern, hatte im Sommer gefehlt." Freundliches Nicken, auch dass man die Steuernummer nicht weiß, scheint nicht schlimm: Ausweis genügt. Allerdings: "Da müssen Sie einen Antrag ausfüllen." Widerspruch und Erklärungen zwecklos. Die Zeit drängt, der nächste Termin wartet und der Klügere . . . . Also: Antrag ausfüllen, Nummer ziehen (!!), und hinein. Platz eins ist verwaist. Der Herr an Platz zwei lächelt freundlich. Weist aber darauf hin, dass er einen nur dann empfängt, wenn die Anzeige das auch erlaubt. Zurück. Geguckt: Platz drei. Erinnerungen an den Sommer werden wach. Anliegen nochmal vorgetragen, die Zeit wird knapper. Antrag und Bescheinigung auf den Tisch. "Und wo ist die Immatrikulationsbescheinigung fürs zweite Kind?" Dass die längst vorliegt, das Semester sowieso bis Ende März geht und es doch hieß, man müsse lediglich nachreichen - im HdVm kennt man keine Einsicht, keine Gnade und schon gar kein Mitleid. Das Angebot: "Wollen Sie nachliefern oder nehmen Sie alles nochmal mit?", ein mit letzter Kraft gehauchtes: "Mitnehmen" - und gramgebeugter Abgang der Autorin im Gedenken daran, wie viele Akte da noch folgen. Und wie viele Albträume mit Wegen von Nummernspender zu Schreibtisch zu Nummernspender zu Schreibtisch zu . . .