Brennpunkt Stadtmitte: (Rat-)Hausaufgaben für den Bürgermeister

Brennpunkt Stadtmitte : (Rat-)Hausaufgaben für den Bürgermeister

„Gestaltung und Belebung der Stadtmitte“, zu diesem Diskussionsthema hatte die Bürgerinitiative Neunkirchen Stadtmitte eingeladen. Bürgermeister Jörg Aumann stand den Bewohnern des Viertels Rede und Antwort. Die Überwachung der Parkanlagen soll verstärkt werden.

Mit rund 30 Leuten, die sich bei schönstem Sommerwetter  im Kommunikationszentrum (KOMM) zum Gespräch mit Bürgermeister Jörg Aumann (SPD) einfanden, waren es deutlich mehr als die „üblichen Verdächtigen“, die man bei jedem   Termin in Neunkirchen treffen kann. Der Einladung  der Bürgerinitiative Neunkirchen Stadtmitte (BiNS) mit ihrer Koordinatorin Ulrike Heckmann folgten viele Bewohner des Viertels, die sich um ihre Lebensqualität sorgen und die dem Bürgermeister als zweitem Mann im Rathaus  klar sagen wollten, was sie bedrückt.

Schon bei der ersten „Stoffsammlung“, bei der sich Stadtteilmanager Wolfgang Hrasky als strukturierende  Schreibkraft an der Tafel betätigte, wurde deutlich wo die Meisten der Schuh drückt:  In  den Parks und auf  den öffentlichen Plätzen  fühle man sich nicht mehr sicher, Gruppen von meist jungen Menschen pöbelten herum, beleidigten und bedrohten  Passanten und Spaziergänger, hinterließen Dreck. Kurzum: Statt grüne Oasen  zu sein, verkämen besonders der  Stadtpark, aber auch das Wagwiesental, zu Orten, in die sich viele Neunkircher kaum noch hereintrauten. Eine Gruppe um Tatjana Linn hat über 100 Unterschriften von Leuten gesammelt, die sich im Stadtpark mit „Lärm, möglicherweise Drogenhandel, Belästigungen, aggressiven Radlern, Leuten, die Steine auf Hunde werfen, der Nicht-Einhaltung von Ruhezeiten und einem ungepflegten Rosengarten“ nicht mehr abfinden wollen und Hilfe von der Stadt erwarten. Dass auch das dringende Ruhebedürfnis von Menschen im nahegelegenen Hospiz missachtet werde, wurde  mehrfach  von den Diskussionsteilnehmern angeführt.  In Richtung Ruhestörung und Erregung öffentlicher Ärgernisse ging es auch bei Beschwerden über den Bereich an der Treppe zwischen Lutherstraße und Vogelstraße mit der leer stehenden ehemaligen Stadtbücherei und dem Einkaufsmarkt; Stichworte: Wildpinkeln und Alkoholkonsum schon am frühen Morgen. In die Diskussion einbezogen wurde auch  die Plätze am Kult und an der Marienkirche (zu wenig Abfalleimer) und der Obere Markt, wo es ebenfalls um Dreck und rücksichtsloses Parken an den Markttagen ging. Unzufrieden sind die  Stadtmitte-Bürger auch mit dem aus dem Ruder laufenden Nachbarschaftsgarten auf dem ehemaligen Spielplatz Röntgenstraße.

Ein ordentliches Problem-Paket mit (Rat-)Hausaufgaben für Jörg Aumann, aber natürlich keine Überraschung, denn diese Bereiche beschäftigen die Verwaltung immer wieder. Er zeigte viel Verständnis für die Situation von  Stadtpark-Anwohnern, die namentlich im Sommer kaum Ruhe fänden. „Erst hatten wir bei der City-Wache als städtischem Ordnungsdienst zwei Leute, dann fünf, dann acht und jetzt zwölf, die bis 22 Uhr unterwegs sind“, so Aumann. Er betonte,  dass die „Regeln  in den öffentlichen Anlagen für alle gelten“.  Sein Versprechen: „Wir werden die Überwachung  massiv verstärken und ein Konzept erarbeiten, das noch in diesem Jahr greift.

Aumann appellierte an die Bürger nicht nur Polizei oder Ordnungsdienst bei Problemen zu benachrichtigen, sondern auch als Zeugen zur Verfügung zu stehen. Allzu oft stünden die Ordnungshüter ohne verwertbare Aussagen da, Täter seien nicht zu identifizieren.

Viele Neunkircher wünschen sich, dass der Rosengarten  im Stadtpark  dauerhaft so schön aussieht wie auf unserem Archivfoto von 2006. Foto: TKN/Christian Rau
City-Wache  und Polizei werden oft um Hilfe geben. Foto: Heike Jungmann
Dauerthema ist der Dreck in der Stadt Neunkirchen. Foto: Boris Breuer

Sorgen von Bürgern, der Stadtpark werde  unter anderem  durch einen Kindergarten-Neubau („ist  in der Vorprojektphase“)  weiter verkleinert,  konnte der Bürgermeister nicht ganz entkräften. Die Betreuungseinrichtungen müssten schließlich dorthin, wo die Kinder sind. Ulrike Heckmann brachte auf den Punkt, was viele Politiker immer wieder einfordern: „Wir haben einfach zu wenig Leute, die bereit sind anzupacken,  statt immer nur Forderungen zu stellen“. Worte, die bei der Verwaltung wohl gerne gehört werden.

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