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Punk
Gitarrenriffs für den guten Zweck

Die Band Muskelschwund aus St. Wendel. Von links nach rechts: Johnny an der E-Gitarre, Alex (Sänger), Tara am Schlagzeug und Tobias am Bass.
Die Band Muskelschwund aus St. Wendel. Von links nach rechts: Johnny an der E-Gitarre, Alex (Sänger), Tara am Schlagzeug und Tobias am Bass. FOTO: Franziska Hans
Neunkirchen. „Punk for Help“ hieß es am Samstag in Neunkirchen. Der Erlös des Festivals kommt der Stefan-Morsch-Stiftung zugute.

„Punks Not Dead“ hieß 1981 das Debütalbum der britischen Punkgötter „The Exploited“. Lange her. Und der Punk? Lebt er noch? Mehr noch: In Neunkirchen zeigte er sich nicht nur laut und stimmgewaltig, sondern auch sozial. „Punk for Help“ hieß das Festival am Samstag in der Stummschen Reithalle in Neunkirchen: Wilde Frisuren und skurrile Kleidung vor der Bühne, darauf zum Beispiel die Punkband „Turbo A.C’s“ aus New York oder die Postpunk-Band „Not scientists“ aus Frankreich. Auch die Kölner „KMPFSPRT“ waren am Start. Handgemachte Punkmusik für den sozialen Zweck. Der gesamte Erlös des Festivals geht an die Stefan-Morsch-Stiftung – die älteste deutsche Stammzellspenderdatei. In diesem Zuge konnten sich die Festivalbesucher mit einer Speichelprobe in die weltweit vernetzte Datenbank aufnehmen lassen. Um mögliche Lebensretter für Leukä-
mie- und Tumorkranke zu werden.


„Wir wollten von Anfang an mit unserer Aktion Gutes tun“, erzählte Luca Becker vom Veranstalterteam. Er ist eines von etwa zehn Mitgliedern der Gruppe Smalltown Events aus St. Wendel — eine junge oder junggebliebene Truppe, die eine Leidenschaft eint: die Punkmusik. „Einige von uns spielen selbst in Punkbands. Irgendwann kamen wir auf die Idee, ein gemeinsames Festival auf die Beine zu stellen“, erklärte Becker weiter. Inzwischen stehen die Punker kurz davor, einen Verein zu gründen.

„Wir sind sehr zufrieden und froh, dass alles so gut ankommt. So kann es weitergehen“, erklärte Annika Zech von Smalltown Events. Das sahen die Festivalbesucher genauso. Der 29-jährige Alex und die 17-jährige Tessa haben noch keines der bisher drei „Punk for help“-Festivals verpasst. „Wir mögen beide die Punkmusik im kleinen Kreise und natürlich die Unterstützung einer sozialen Aktion“, berichteten die beiden.



Insgesamt konnten die Veranstalter knapp über 100 Besucher des Festivals begeistern und auch der Gesamterlös für den guten Zweck ist im Vergleich zu den vorherigen Veranstaltungen am höchsten. Smalltown Events wollen Spaß haben, Gutes zu tun – und regionalen Bands eine Auftrittsmöglichkeit bieten. Auch die standen auf der Reithallenbühne.

Zum Beispiel die St. Wendler Band „Muskelschwund“. Alex Zess, Tara, Johnny und Tobias Bier machen seit 2016 gemeinsam Musik. Hinter ihrem Bandnamen steckt eine bewegende Geschichte. Die beiden Gitarristen und Brüder Johnny und Tobias leiden nämlich an genau dieser Krankheit.

Mit sarkastischem Humor wollen sie Menschen mit einem ähnlichen Schicksal zum Aufstehen und Weitermachen motivieren. Ihr Medium ist die Punkmusik. „Das ist sozusagen unsere persönliche Therapie“, sagt Tobias. Ihre Texte handeln von zwischenmenschlichen Zerwürfnissen, Tabuthemen und Unterdrückung Behinderter. „Aufzugeben und sich hängen lassen, kommt für uns nicht infrage. Und das wollen wir unseren Zuhörern mit auf den Weg geben – aufstehen und weitermachen, auch wenn es schwerfällt“, ergänzte Tobias. Oder, wie es Nina Hagen einst sagte: „Gott sei Dank, bin ich Punk!“.