Projekt-Arbeit mit Hand und Hirn

Der Land(auf)Schwung (siehe Info) soll im Kreis Neunkirchen konkrete Formen annehmen. Heute findet dazu ein Bürgerforum statt. Vorab hat sich die SZ mit dem UpCycling-Zentrum eines der Projekte angesehen.

. Projekte, besonders wenn viele Akteure verschiedener Institutionen dabei sind, pflegen sich oft auf den ersten Blick recht sperrig dazustellen. Da macht der Land(auf)Schwung (LAS) keine Ausnahme; man denke nur an die von so manchem belächelte Ideen-Karawane, die im vergangenen Jahr zu den - schließlich erfolgreichen - Bewerbungs-Bemühungen des Landkreises Neunkirchen um die Projektmittel zählte.

Da freut es den Beobachter umso mehr, wenn in Form des UpCycling-Zentrums auch etwas richtig Handfestes geboten wird. In der Werkstatt der AQA in Neunkirchen treffen wir deren Geschäftsführer Anton Jacob, Christoph Pietz (Regional-Entwicklungsagentur des Kreises und Mitarbeiter des IfaS-Instituts) und Thomas Thiel von der LAS-Stabsstelle beim Kreis . "UpCycling" steht für die Umwandlung von Abfällen, Resten beziehungsweise Sekundär-Rohstoffen in Produkte, die den Konsumenten wieder gefallen und damit marktfähig sind. Konkret: Bei der AQA, die für das Jobcenter Beschäftigungsmaßnahmen durchführt, werden in der Schreinerwerkstatt aus alten Paletten Design-Objekte. "Das sind alles noch Prototypen", sagt Anton Jacob mit Blick auf Bänke, Stühle, Kommoden und Couchtisch aus aufgemöbeltem Paletten-Holz. Von der Zusammenarbeit (ab dem kommenden Semester) mit der Hochschule der Bildenden Künste in Saarbrücken erhofft man sich, so Christoph Pitz, weitere Gestaltungs-Impulse. Denn bei den durchaus vielseitigen Paletten soll es nicht bleiben. Eben hat das AQA-Team die vor dem Abriss stehende Kreissporthalle entrümpelt, verfügt damit über einen Fundus an Planen, Netzen und ausrangierten Turn-Böcken.

"Mal sehen, was draus wird", meint Thomas Thiel, der mit Landrat Sören Meng einen Verfechter der vielfältigen Land(auf)Schwung-Möglichkeiten hinter sich weiß.

Die Aufgabe des IfaS als Experte für so genannte Stoffströme ist es, beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung des Kreises, herauszufinden, welche Stoffe - möglichst kostenlos - in der Region zu haben sind, um sie dem Verwertungs-Kreislauf wieder zuzuführen.

Ideen generieren sich auch aus dem Erfahrungs-Austausch der verschiedenen LAS-Projekte im Kreis und der 13 teilnehmenden Regionen untereinander. Und auch die Bürger sollen sich kreativ einbringen, wozu sie nicht nur heute im Spieser CFK die Gelegenheit haben, sondern auch bei einem nachmittäglichen Workshop am Dienstag, 19. Juli (die SZ wird darüber noch berichten).

Zum Thema:

Hintergrund Der Landkreis Neunkirchen ist eine von 13 ausgewählten Regionen in Deutschland, die an dem Modellvorhaben Land(auf)Schwung (LAS) des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft teilnehmen. Rund 1,5 Millionen Euro fließen in die Region und sollen dazu beitragen, deren Entwicklung in Bezug auf den Strukturwandel und die Demographie positiv zu gestalten. Das Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS, zur gehört Fachhochschule Trier mit Sitz am Umwelt-Campus Birkenfeld) unterstützt den Landkreis bei Entwicklung und Umsetzung der Projekte, so auch beim UpCycling-Zentrum, das bei der AQA (Gesellschaft des Kreises für Arbeit, Qualifizierung, Ausbildung) angesiedelt ist. Im Rahmen von Land(auf)Schwung findet heute von 9 bis 13 Uhr im Zentrum für Freizeit und Kommunikation (CFK) in Spiesen die erste Regionalkonferenz Bürgerforum Landkreis Neunkirchen statt. Dort werden die LAS-Projekt vorgestellt. Zwar ist die Anmeldefrist eigentlich verstrichen, doch können Interessierte gerne noch an der Veranstaltung, unter anderem mit Umweltminister Reinhold Jost und Landrat Sören Meng, teilnehmen, so Thomas Thiel von der LAS-Stabsstelle. sl aufschwung-nk.de; landkreis-neunkirchen.de