Problemstelle Hauptbahnhof

Bahn, Bundespolizei und Stadt arbeiten seit Mai gezielt zusammen, um die Situation am Hauptbahnhof Neunkirchen zu verbessern. Die Fahrgäste merkten bisher wenig von der angeblich verbesserten Lage. Ab Februar will die Stadt die Toiletten nun durchgängig öffnen.

Leere Bierdosen, beschmierte Wände, Speisereste und Uringeruch - erste Eindrücke, mit denen Zugreisende gerade am Wochenende im Neunkircher Hauptbahnhof rechnen müssen. Dabei ist dieser mit rund 5500 Reisenden pro Tag der drittgrößte Bahnhof im Saarland. Die fehlende Sauberkeit ist nicht das einzige, lang bekannte Bahnhofsproblem. So schlossen sich Bahn, Bundespolizei und Stadt Ende Mai 2015 zu einer "Ordnungspartnerschaft" zusammen (die SZ berichtete). Knapp acht Monate später scheint sich zumindest die Sauberkeit kaum verbessert zu haben. "Das ist abartig!", macht Berufspendler Daniel Resch seiner Empörung Luft. Von der Ordnungspartnerschaft habe er nichts mitbekommen und der Bahnhof sehe oft immer noch aus wie eine Müllkippe - besonders am Wochenende, wenn Discobesucher Getränkeflaschen und anderen Müll hinterließen. Oft seien aber auch die Mülleimer voll, "da ist es kein Wunder, dass der Müll auf dem Boden landet", sagt ein anderer Fahrgast. Zuständig für die Reinigung ist die Bahn selbst. Der Bahnhof werde montags, mittwochs und freitags gereinigt, teilt die Bahn auf SZ-Anfrage mit und weist darauf hin, dass Abweichungen im Reinigungsplan möglich seien. Im Rahmen der Ordnungspartnerschaft gehe laut Stadtpressestelle auch der kommunale Ordnungsdienst gegen die Verschmutzung vor.

Ein weiteres Problem im Hauptbahnhof sind die Toiletten: "Sie werden abends abgeschlossen und bleiben am Wochenende durchgängig zu", sagt Manuela Hücke. Sie arbeitet im Bahnhofskiosk "k presse + buch" und bekommt das Unverständnis der Zugreisenden oft zu spüren. Sie hat schon erlebt, wie Reisende extra in Neunkirchen ausgestiegen sind, um auf die Bahnhofstoilette zu gehen, da die Zugtoilette kaputt war. Sie standen dann vor verschlossener Tür. "Am Wochenende sind wir die einzige Anlaufstelle im Bahnhof. Viele Leute fragen dann, ob sie in unserem Laden auf die Toilette gehen dürfen", sagt Hücke. Das sei aber unmöglich, da sich diese direkt neben dem Verkaufslager befinde. So komme es immer wieder vor, dass Zugreisende ihre Notdurft auf dem Bahnsteig, in den Fahr stühlen oder in der Unterführung verrichten. "Die Toiletten werden werktags um 6.30 Uhr geöffnet und vom städtischen Schließdienst gegen 20 Uhr abgesperrt", teilt Stadtpressesprecher Markus Müller auf Anfrage mit. Das Angebot richte sich daher vor allem an den Pendlerverkehr in der Woche und werde mit dem vorhandenen städtischen Reinigungspersonal durchgeführt. Da dieses am Wochenende nicht arbeite, seien die Toiletten geschlossen. Besserung sei aber in Sicht: Die Stadt habe gerade entschieden, die Reinigung an einen privaten Reinigungsdienst zu übergeben, so dass die Toiletten ab dem 1. Februar auch am Wochenende geöffnet seien. "Hierzu läuft zurzeit das Vergabeverfahren", so Müller.

Doch auch die fehlende Beschilderung der Toiletten ist ein Problem: Ortsfremde brauchen schon eine Eingebung, um zu erahnen, dass sich die Toiletten hinter zwei unscheinbaren weißen Türen in der Bahnhofshalle verstecken. Grund dafür ist laut Bahn der Umstand, dass die Toiletten von der Stadt Neunkirchen betrieben werden und es sich dabei nur um einen Versuch handelt. "Ob die WC-Anlage dauerhaft betrieben werde, ist noch nicht sicher", also weise man die Toiletten nicht aus, so die Pressestelle. Tatsächlich fielen die im April 2014 von der Stadt übernommenen Toiletten aufgrund eines Systemfehlers kurz nach Inbetriebnahme aus - dieser ist jedoch behoben worden und die Toiletten sind seither - bereits fast zwei Jahre lang - wieder in Betrieb.

Ein weiteres Ziel der Ordnungspartnerschaft ist es, das Sicherheitsgefühl der Reisenden zu stärken, nachdem es vergangenes Jahr Fälle von Taschendiebstahl und Körperverletzung am Bahnhof gegeben hatte. "Derzeit stellt der Hauptbahnhof Neunkirchen keinen Kriminalitätsschwerpunkt da. Die Delikte Taschendiebstahl und Körperverletzung liegen auf niedrigem Niveau", teilt Dieter Schwan, Sprecher der Bundespolizei in Bexbach auf SZ-Anfrage mit. Polizeistreifen patrouillierten auf dem Hauptbahnhof in unregelmäßigen Abständen. Darüber hinaus sei die Bundespolizei durch einen Dienstraum, der wochentags grundsätzlich von 6 bis 15 Uhr besetzt sei, am Hauptbahnhof präsent. Kioskmitarbeiterin Hücke fühlt sich trotzdem nicht sicher: Nach Arbeitsende habe sie oft ein mulmiges Gefühl, da vor oder im Bahnhofsgebäude oft Jugendliche herumlungerten, um sich gemeinsam zu betrinken. Das sei auch ein Grund für die oft vermüllte Bahnhofshalle, denn leere Flaschen und Chipstüten würden sie einfach liegen lassen. Bundespolizisten, die Hücke am Bahnhof getroffen habe, habe sie von diesem Problem berichtet. Etwas geändert habe sich jedoch nicht. Die Bundespolizei sieht das anders: Sie erhalte von Bürgern derzeit nur wenige Hinweise auf Störungen am Hauptbahnhof. "Ursache hierfür dürfte das geringe Aufkommen von polizeilichen Sachverhalten sein", so Schwan. Die Situation habe sich also seit Abschluss der Ordnungspartnerschaft verbessert.

"Wie sich die Sicherheitspartnerschaft noch entwickelt, bleibt abzuwarten. Wichtig wäre eine Video-Überwachung in und vor der Halle, was die Bahn bisher noch ablehnt", sagt Oberbürgermeister Jürgen Fried (SPD ). Der äußere Zustand des Bahnhofs wie zum Beispiel der Anstrich der Wände und die Barrierefreiheit habe sich bereits verbessert. Das treffe auch auf die Zusammenarbeit mit der Bahn zu, die Fried im vergangenen Jahr noch als "leidvoll" bezeichnet hatte.

Meinung:

Der erste Eindruck ist entscheidend

Von SZ-Redaktionsmitglied Jasmin Kohl

Ein Bahnhof ist die Visitenkarte einer Stadt, denn viele Touristen reisen mit der Bahn an und bilden sich schon bei ihrer Ankunft einen ersten Eindruck. Dieser fällt in Neunkirchen derzeit negativ aus. Das wird der Stadt nicht gerecht, denn sie hat einiges zu bieten, wie auch der neue Imagefilm zeigt, den Oberbürgermeister Jürgen Fried stolz auf dem Neujahrsempfang präsentierte. Doch bleiben die Missstände am Neunkircher Hauptbahnhof bestehen, hilft auch der schönste Imagefilm nicht weiter. Denn wer bei Ankunft am vermüllten Bahnhof Lust hat, gleich wieder umzukehren, wird die sehenswerte Kreisstadt gar nicht erst entdecken. Um das zu verhindern, müssen Bahn, Bundespolizei und Stadt, aber auch Bürger, noch enger zusammenarbeiten.

Man muss es wissen: Hinter dieser unscheinbaren Tür in der Bahnhofshalle verbirgt sich eine Damentoilette. Foto: J.Kohl. Foto: J.Kohl

Zum Thema:

Auf einen BlickMit Hinweisen oder Beschwerden bezüglich des Neunkircher Bahnhofs können sich Bürger an die Sicherheitszentrale der Deutschen Bahn, Tel. (06 81) 3 08 26 23, die Bundespolizeiinspektion Bexbach, (0 68 26) 52 20, die kostenlose Servicenummer der Bundespolizei , Tel. (08 00) 6 88 80 00, die Polizeiinspektion Neunkirchen , Tel. (0 68 21) 20 30 oder an jede andere Polizeidienststelle richten. Auch kleinere Störungen wie eine ausgefallene Beleuchtung können gemeldet werden. koj