Pro Überwachung

Neunkirchen · Die Neunkircher Stadtverwaltung um Oberbürgermeister Jürgen Fried plant mehr Videoüberwachung im öffentlichen Raum. Wir haben die Menschen im Kreis gefragt, was sie davon halten.

 Kameras wie diese könnten zur Sicherung öffentlicher Plätze eingesetzt werden. Symbolfoto: Soeren Stache/dpa

Kameras wie diese könnten zur Sicherung öffentlicher Plätze eingesetzt werden. Symbolfoto: Soeren Stache/dpa

Der öffentliche Personennahverkehr in Neunkirchen soll künftig videoüberwacht werden (wir haben berichtet). Auch eine Überwachung anderer Bereiche im öffentlichen Raum will Fried zur Diskussion stellen. Dazu hat die Lokalredaktion jetzt eine nicht repräsentative Umfrage bei den Lesern im Kreis gestartet.

Grüne und Piraten haben sich gegen eine Installation von Überwachungskameras ausgesprochen. Zu teuer und keine nachweisliche Verbesserung des subjektiven Sicherheitsempfindens waren die Argumente. Das Ergebnis der SZ-Umfrage stärkt hingegen dem Verwaltungschef den Rücken. Die Pläne für Videokameras in den Bussen der Neunkircher Verkehrsgesellschaft und die Möglichkeit für Kommunen, öffentliche Plätze per Videoaufnahmen überwachen zu lassen, fanden rund 91 Prozent der 148 Teilnehmer, also 135 Personen. Lediglich sechs Prozent (9 Stimmen) finden die Pläne nicht gut. Drei Prozent (4 Stimmen) wussten es nicht.

Im Kern soll die Überwachung dazu beitragen, mehr Straftaten zu verhindern. 82 Prozent der Umfrageteilnehmer (122) trauen der Technik zu, dass sie dabei hilft. Vierzehn Prozent (20) glauben nicht an eine Verringerung der Straftaten durch mehr Überwachung. Vier Prozent wissen es nicht.

Eine leichtere Aufklärung von Straftaten versprechen sich dagegen 96 Prozent (142) von der Überwachungstechnik. Jeweils zwei Prozent (3) glauben nicht daran oder gaben an, es nicht zu wissen.

Die große Mehrheit ist also für den Aufbau einer Videoüberwachung und glaubt auch an deren Wirksamkeit. Bei der Frage nach den Bereich im öffentlichen Raum, für die eine Überwachung wünschenswert wäre, gaben 15 Prozent (22) keine konkrete Antwort. Bei den Übrigen lassen sich klare Tendenzen ausmachen. Spitzenreiter ist hier klar der Bahnhof. Insgesamt rund 28 Prozent (42) würden sich hier eine Überwachung wünschen. Für den Bahnhof und dessen Umfeld haben sich rund 26 Prozent (39) ausgesprochen - bei der offenen Frage waren Mehrfachnennungen möglich. Andere wünschten sich einzelne Plätze, "die komplette Innenstadt" (Bernd Holzschuh, Merchweiler) oder auch "alle öffentliche Plätze" (Kurt Leidinger, Eppelborn). Katja Bleymehl aus Neunkirchen wünscht sich die Überwachung an "allen öffentlichen Plätzen mit viel Publikumsverkehr". Sie meint: "An der Tankstelle regt sich kein Mensch darüber auf, dass es eine Überwachung gibt." Theo Kaspar aus Illingen fordert die Überwachung an allen laut Statistik ausgewiesenen "Kriminalitätsschwerpunkten"; Alfons Blum aus Schiffweiler hätte gerne Containerstandorte überwacht.

Nachteile der geplanten Überwachung sehen nur 35 Prozent (52) der der Befragten. 55 Prozent (82) tun dies nicht, neun Prozent (14) wissen es nicht. Rund acht Prozent (12) sehen durch eine Überwachung ihre Privatsphäre bedroht, zwei Prozent (3) sogar ihre persönliche Freiheit. Ebenfalls zwei Prozent (3) denken sogar an den "gläsernen Bürger", Petra Wiederhold aus Schiffweiler schreibt "Big Brother lässt grüßen". Bettina Rieder aus Spiesen-Elversberg befürchtet einen "Überwachungsstaat", und Daniel Kraß aus Neunkirchen sieht die Gefahr einer "Verlagerung der Straftaten und kriminellen Handlungen in bisher ruhige Stellen, die nicht überwacht werden". Andere machen sich Gedanken um Speicherung, Auswertung und Sicherung der gewonnenen Daten. Außerdem ermöglichten die Videokameras eine beliebige Überwachung unbescholtener Bürger. Hans Bläsius aus Neunkirchen nutzte die offene Frage für ein Pro-Statement: "Ich sehe nur Vorteile, siehe Brüssel", schreibt er. Hartmut Emmerich aus Schiffweiler sieht ebenfalls keine Nachteile. "Wer nichts zu verbergen hat, kann sich überall zeigen."

Ungeachtet unterschiedlicher Positionen halten sieben Prozent (11) der Befragten das Thema allgemein für weniger wichtig, 91 Prozent (134) sehen es als "sehr wichtig"an.

Zum Thema:

Auf einen Blick SZ-Umfrage-Center: Damit die Meinung der Leser noch größere Beachtung findet, hat die Saarbrücker Zeitung ihr Umfrage-Center neu gestaltet. Wer dabei mitmachen will, muss sich einmalig registrieren. Und wer schon an Befragungen unter sz-umfrage.de teilgenommen hat, kann seine Login-Daten weiter nutzen. Umfrage-Teilnehmer werden übrigens mit Punkten belohnt, die in Einkaufsgutscheine umgewandelt werden können. red