Massives Polizeiaufgebot Tierrechtsaktivisten werden attackiert – Peta-Demo gegen Tierzirkus in Wiebelskirchen eskaliert

Wiebelskirchen · Mit Plakaten und einem Megaphon waren die Tierrechtsaktivisten gekommen. Doch schon vor dem Start der genehmigten Demo wurden sie angegriffen.

Die Akteure waren unter der Leitung von Peta Mitglied Noah Heinz, rechts, angetreten, um friedlich gegen Tiere im Zirkus zu demonstrieren.	  Foto:Carolin Merkel

Die Akteure waren unter der Leitung von Peta Mitglied Noah Heinz, rechts, angetreten, um friedlich gegen Tiere im Zirkus zu demonstrieren. Foto:Carolin Merkel

Foto: Carolin Merkel

Menschenleer zeigt sich der Festplatz in Wiebelskirchen am frühen Sonntagmittag. Die Kasse zum Zirkus Rolina, der in der kommenden Woche hier gastiert, ist zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn noch geschlossen und auch sonst herrscht Stille rund um das Zirkuszelt. Doch das soll sich schlagartig ändern. Für halb zwei hatte das Peta- Street Team aus Saarbrücken eine Demonstration geplant, diese auch angemeldet. Bereits ein paar Minuten früher kommen Noah Heinz und die ersten Mitstreiter am Eingang zum Festplatz an. Geplant war vor der Aktion ein kurzes Gespräch mit der SZ, auch, um nach den Beweggründen der Aktivisten zu fragen. Doch daraus wurde nichts.

Kaum hatten sie ihre Taschen und Schilder abgestellt, setzte sich zunächst ein Mitglied der Zirkusfamilie Ortmann aus dem Zirkus in Bewegung. Sofort fordert er die Aktivisten in rauem Ton zum Gehen auf, betont, er würde das notfalls mit Gewalt durchsetzen. „Ihr dürft kein Schild mit Tierquäler zeigen, dass wir keine Probleme bekommen“, schreit er. Heinz erklärt daraufhin ganz ruhig, dass er die Demo angemeldet habe und suchte wie seine Begleiter das Gespräch. Doch auf einen Diskussion um Tierleid, Ausnutzen der Tiere, Gewalt - Dinge, die Peta dem Zirkus Rolina vorwirft – geht Ortmann nicht ein. Und dann, ganz plötzlich eskaliert die Situation innerhalb kürzester Zeit.

Er greift die Aktivisten nicht nur verbal, sondern auch körperlich an – und wird dabei von immer mehr hinzueilenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Zirkus unterstützt. Immer wieder versuchen die Aktivisten, sich gegenseitig zu schützen, stellten sich geschlossen voreinander. Schilder werden aus den Händen der Demonstranten gerissen und mit den Füßen kaputtgemacht. Für Lia Ortmann, Seniorchefin der Zirkusfamilie, ist die Sachlage klar: „Wir haben die Tiere bei uns aufgenommen und gerettet. Es geht ihnen gut bei uns. Die sogenannten Tierschützer haben doch keine Ahnung, sie werden immer aggressiver, machen unsere Werbeschilder kaputt und beschmieren sie. Wir sind inzwischen in der siebten Generation, doch, so viele Probleme hatten wir noch nie“, sagt sie. Mehrfach zieht sie in Erwägung, die Polizei zu rufen, doch Heinz kommt ihr zuvor.

Tierschutz-Protest: Polizei-Einsatz bei Zirkus in Neunkirchen
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Großer Polizei-Einsatz bei Tierschützer-Protest vor Zirkus in Neunkirchen

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Foto: Brandon-Lee Posse

Er hat alle Unterlagen, die die Genehmigung belegen, parat, ist sichtlich angegriffen. Viele Aktionen, sagt der 26 Jahre alte Sozialarbeiter, habe er bereits für die Peta gemacht. Bei einer Aktion vor dem Zoo habe es mal verbale Drohungen von weitem gegeben, doch dass er so auch körperlich angegangen wurde, habe er noch nicht erlebt. „Wir alle agieren freiwillig und unabhängig für das Wohl der Tiere“, sagt er.

Verständigt wird neben der Polizei auch ein Krankenwagen. Claudia Gräber-Roth aus Püttlingen hat es arg erwischt. Sie wurde bei den Angriffen durch die Mitglieder des Zirkus zu Boden geworfen. „Als ich auf dem Boden lag, hat die junge Frau, die mich geschubst hat, noch zweimal an meinen Kopf getreten“, sagt sie. Als Peta-Aktivistin habe sie schon verbale Attacken erlebt, „doch diese massive Aggression habe ich noch nie erlebt“. Für Elisabeth Junk, ebenfalls Mitglied bei Peta, ist die Reaktion des Zirkusteams ein Armutszeugnis. „Da kann ich mir sehr gut vorstellen, wie diese Menschen mit einem so hohem Aggressionspotenzial mit den Tieren umgehen“.

Eine Aktivistin (Name d. Red. bekannt) der Ariwa-Ortsgruppe Saar-Pfalz (Animal Rights Watch), ebenfalls eine Tierrechtsorganisation, war das Verhalten der Mitglied des Zirkus Rolina nicht neu. „Ich habe im vergangenen Jahr ganz allein vor dem Zirkuszelt gestanden und bin auch dort schon attackiert worden. Doch man weiß, worauf man sich einlässt. Ich mache auf jeden Fall weiter. Im Internet können die Menschen, die Bilder von gequälten Tieren nicht sehen wollen, schnell weiterklicken. Doch sie müssen es sehen und wir konfrontierten sie damit.“

Letztlich, erklärt ein Sprecher der Polizei in Neunkirchen, konnte die Demonstration wie geplant durchgeführt werden. Aufgrund der Meldung einer Schlägerei mit 15 beteiligten Personen sei man mit drei Kommandos aus Neunkirchen sowie einem Kommando der Diensthundestaffel ausgerückt. Die eigentliche Protestveranstaltung sei dann durch ein Kommando begleitet worden, „damit die Veranstalter ihr Demonstrationsrecht ungestört ausüben können“, wie der Sprecher der Polizei formuliert.

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