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Metal in Wellesweiler
Per Leichenwagen auf die Wellesweiler Wiese

Wellesweiler. Zum dritten Mal fand in dem Neunkircher Stadtteil ein Open-Air à la Wacken statt. Erstmals wurde kostenloses Campen angeboten. Von Elke Jacobi

Samstag. Früher Nachmittag. Die Sonne sticht. Im kleinen Tarnzelt ganz vorne rechts darf sich die Hitze stauen, hier ist alles zu. Ansonsten herrscht schon Treiben. Zwar nicht rege, aber immerhin. Es ist wieder Open-Air in Wellesweiler. Zum dritten Mal bereits. Zum ersten Mal gibt es Camp-Möglichkeiten auf der Wiese zwischen den beiden Sportplätzen. Allzu viele sind es nicht geworden, die dieses neue Angebot von Veranstalterin Kerstin Disqué-Sommer nutzen. Fast in Reih und Glied stehen mehrere Campingbusse, Wohnwagen und Wohnmobile. Gegenüber haben mehrere Zelte ihren Platz gefunden. Auf Campingstühlen wird hier in der Sonne gedöst. Die Autokennzeichen sind überwiegend saarländisch: Merzig, Saarbrücken, St. Wendel, Saarlouis.


Nicht gesucht und doch gefunden haben sich zwei ganz besondere Gefährte: Ein Leichenwagen und ein Leichwagen-Anhänger. Simone aus Dillingen und Freund Achim aus Saarlouis „wohnen“ hier. Gerade ist Essenszeit. Achim ist noch im Bademantel, hat kurz zuvor die Duschgelegenheit im Sportheim des Fußballvereins genutzt. Simone war einkaufen. Jetzt gibt‘s Frühstück, Brunch, was auch immer: Sekt-Orange jedenfalls ist dabei, allerlei Leckereien fürs Brot. Der Tisch steht vorm geöffneten Leichen-Anhänger, ein ewiges Licht schmückt den Tisch. Das Gefährt hat Achim ersteigert. Auf dem Wellesweiler Festival ist er damit zum ersten Mal. Findet es bisher „klasse und voll okay“. Entdeckt haben die beide das Event durch Banner und im Internet.

Dem guten Eindruck kann Camp-Nachbar Thomas aus St. Wendel nur zustimmen. Er war bereits vor zwei Jahren beim ersten Festival hier, damals – notgedrungenermaßen – immer nach Hause gefahren. Er mag die Atmosphäre hier, hat geschlafen „wie ein Toter“. Das finden alle witzig. Gute Laune herrscht auch einige Meter weiter. Hier kommt der 51-jährige Erich Kaiser aus Kirn zusammen mit Frau Marion im Vorzelt einer Handvoll Pfälzer an. Die Gruppe ist eindeutige Festival-erfahren. Erich und Gattin waren bereits vergangenes Jahr hier, haben damals einfach im Auto übernachtet. „Wir waren vom Festival begeistert.“ Zu Hause in Kirn ist an diesem Wochenende Kirmes. Deshalb bleibt er lieber von Freitag bis Sonntag hier und genießt „ganz entspannt“.



In der entspannten Runde im Vorzelt hat man gleich zwei Campingstühle für die Kirner bereit. Aus Edenkoben kommen sie, alle jenseits der 40, aus Rodalben und Enkenbach-Alsenborn. Erfahren haben sie von dem Wellesweiler Festival unter anderem durch einen Festival-Bekannten aus Neunkirchen-Nahe. Im Netz haben sie sich dann schlau gemacht. Und so sind Tanja, Sabine, Elke, Michael hier gelandet. So ein kleines bisschen mehr hätten sie schon erwartet, verrät Sabine. Gemeinsam mit Tanja wird der Plan vom Platz gemacht, wie er in Zukunft mal sein könnte, inklusive Feuerwehrdurchfahrt. „Da geht noch einiges mehr“, sagt Tanja. Auch wenn es, wie Elke erzählt, etwas holperig lief mit der Anmeldung, will sie auf keinen Fall meckern. „Das hat hier die allerbesten Voraussetzungen, was richtig Gutes zu werden“, ist sich die Festival-erfahrene Pfälzerin sicher. Damit es auch gut die Runde macht in der Community hat sich bereits jede Menge Fotos gemacht und auch gepostet. „Soll jeder mal sehen, wie toll der Platz hier ist.“ Einen kleinen Kritikpunkt haben die Pfälzer dann aber übereinstimmend doch noch: Zwei Tage, Freitag und Samstag, Festival würden reichen. Die Headliner am Sonntag, die höre sich keiner mehr an, dann muss man zurück in die Heimat, wenn man am nächsten Tag arbeitet.

Festival-Macherin Kerstin Disqué-Sommer weiß von den Anregungen noch nichts. Sie ist auf dem Berthold-Günther-Platz bereits wieder seit dem frühen Morgen aktiv. Schlaf hat es wenig gegeben, und wird es vor Sonntagnacht auch wohl nicht viel mehr. Hier herrscht richtig Festival-Atmosphäre. Merchandising gibt es zu kaufen – Shirts, Käppis und Becher. Um den Überblick über die Besucherzahlen zu haben, muss jeder eine Sponsorenkarte erwerben. Die kostet drei Euro und beinhaltet ein Freigetränk im Wert von vier Euro.

25 Helfer sind seit dem stürmischen Aufbau aktiv. Am Samstagmittag ist Disqué-Sommer schon ein bisschen schlapp,  aber glücklich. Am ersten Abend waren bereits 600 Besucher da, am Samstag sollte die 1000er-Marke geknackt werden. Da ist dann auch die Müdigkeit schnell verflogen. Und mittendrin ist dann auch der junge Mann aus dem Tarnzelt. Der hat nämlich mittlerweile den Reißverschluss geöffnet und blinzelt vorsichtig in die Welt.