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Paviane im Zoo
„Paviane leben in der Natur nicht anders“

Ein 30 Jahre alter Pavian im Neunkircher Zoo.
Ein 30 Jahre alter Pavian im Neunkircher Zoo. FOTO: Marc Prams
Neunkirchen. Neunkircher Zooverein meldet sich zum Artikel „Solch ein schlimmer Anblick im Zoo“ zu Wort.

In Zusammenhang mit der durch einen Facebook-Post von der „Tierberfreiungssoffensive“ (Tibo) ausgelöste Diskussion um die Haltung der Paviane im Neunkircher Zoo hat sich auch der Zooverein Neunkirchen zu Wort gemeldet. Dessen 2. Vorsitzender, Otto Dietz, schreibt: „Paviane leben in freier Wildbahn auf unergiebigen Felsen. Sie scharen sich dicht zusammen in großen Gruppen von mehreren Hunderten auf kleinem Raum und tragen heftige Rangstreitigkeiten aus. Dabei geht es allemal grob und rüde zu. Gezänke um die Hackordnung aber sind bei Tieren in der Natur die Regel.“ Im kalten Winter müssten Paviane im Freien ausharren. Anders im Neunkirchen Zoo, wo es trockene und beheizte Unterkünfte gibt. Alt werden die Tiere, so Dietz, allenfalls im Zoo. „Dass die Alten dann nicht das Erscheinungsbild von jungen Sprintern haben können, ist unschwer nachvollziehbar.“ Über „Spielsachen“ verfügten Paviane in freier Wildbahn nicht. Wenn die „Tibos“ Gerüche im Gehege beanstanden, so sollten sie doch einmal einen Schweinestall aufsuchen, wo die Tiere auf nur wenigen Quadratzentimetern zusammengepfercht im Dreck ausharren müssen, schreibt Dietz weiter.


Tierbefreiungsoffensive? Im Neunkircher Zoo werden mehrere Tierarten gehalten, die nach dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) zu schützen sind. Dazu gehören zum Beispiel Schneeleoparden, Rothunde und andere. Vietnamesische Sika–Hirsche sind in der freien Wildbahn bereits ausgestorben. Sie gibt es nur noch im Zoo. „Was soll da „befreit“ werden?“, fragt Dietz. Es gebe ausreichend Positives über den Zoo zu berichten, so beispielsweise über den 8000 Quadratmeter großen Rothundwald. Nach Auffassung der Koordinatorin dieser Tiere,  Dr. Maisch vom Zoo Erfurt, sei das Neunkircher Gehege das größte, schönste und beste in Europa. Von diesen asiatischen Dschungelwölfen gibt es in freier Wildbahn nur noch weniger als 2500. Sie sind vom Aussterben bedroht. Dietz fragt: „Sollen sie etwa „befreit“ werden, damit sie von Wilderern geschossen werden?“

Eines allerdings sei klar: Das Paviangehege sieht für den Zoobesucher nicht schön aus. Die Besucher mögen es nicht. Dies, so sagt Dietz, sollte man beherzigen. „Im Bewusstsein dessen hat der Zooverein vor einiger Zeit dem Zoo bereits 15 000 Euro gespendet. Damit soll das Gehege verschönert und der Bestand der Tiere reduziert werden. Ein Anfang ist gemacht.“



Völlig anders als der Zooverein sieht das das Great Ape Project. Dieses Tierschutzprojekt will nach einem Besuch des Zoos, dass umgehend mit Neubaumaßnahmen für die Paviane begonnen werde. Andernfalls, so heißt es in einer Pressemitteilung, werde das Projekt Strafanzeige gegen die Verantwortlichen des Zoos erstatten (wir werden noch berichten).