Orgelsanierung 2682 Pfeifen brauchen dringend Hilfe

Wiebelskirchen · Für Reinigung und Reparatur der Oberlinger-Orgel der Dreifaltigkeitskirche Wiebelskirchen werden 40 000 Euro Spenden benötigt.

 Marion Wildegger Bitz und Pfarrer Markus Krastl hoffen auf zahlreiche Spenden für den Erhalt der Orgel.

Marion Wildegger Bitz und Pfarrer Markus Krastl hoffen auf zahlreiche Spenden für den Erhalt der Orgel.

Foto: Anja Kernig

Eine nagelneue Orgel, komplett mit Emporen-Umbau für schlappe 10 588 Euro! Anno 2021 gehört das in den Bereich der Wunsch- oder besser Wahnvorstellungen. Vor 90 Jahre entsprach das dagegen durchaus der Realität. Kostete doch die ursprünglich 32 Register umfassende Orgel der Dreifaltigkeitskirche die Wiebelskircher Pfarrei damals 36 000 Reichsmark, was umgerechnet dem oben genannten Wert entspricht. Gebaut wurde die Orgel von der Baden-Württemberger Firma Gebrüder Späth, 1955 erweitert und 1978 durch die Firma Oberlinger mit Sitz in Windesheim bei Bad Kreuznach erneuert und ergänzt. Ohne die Gemeindemitglieder hätte es diese Orgel allerdings nie gegeben. Denn die Wiebelskircher Katholiken sammelten von 1928 bis 1930 insgesamt 200 000 Franken dafür.

Jetzt wäre es wieder an der Zeit, die Geldbeutel für die Orgel zu öffnen. Denn ihr Zustand ist Besorgnis erregend. Einige der 35 Register „haben ihren Dienst ganz eingestellt“, erzählt Pfarrer Markus Krastl. Bei der Firmung im Vorfeld des Palmsonntags ließ sich das Instrument nicht mehr ausschalten, ein vierminütiges Stück dehnte sich so zu endlosen zehn Minuten. Wer auf der Orgel spielen will, muss ständig mit Tricks schaffen und improvisieren, nickt Marion Wildegger Bitz, Die Mezzosopranistin engagiert sich ehrenamtlich für die „Aktion Orgel Wiebelskirchen”.

Der Grund fürs Schwächeln: mangelnde Pflege. 45 Jahre Schmutz gilt es zu Leibe zu rücken, erst dann kann repariert, ausgebeult, neu gestimmt werden. „Keine Firma fasst da irgendwas an, bevor die Orgel nicht komplett gereinigt ist.“ Bei 2682 Pfeifen ein Geduldsspiel, weiß der Pfarrer. „Der Zeitaufwand ist der größte Posten.“ Bei der Gelegenheit müsse man sich natürlich auch um die Elektrotechnik kümmern, „das entspricht alles nicht mehr dem heutigen Standard“. Vom Brandschutz ganz zu schweigen.

Da trifft es sich, dass der Landesmusikrat Saar und seine Partnerverbände die Orgel zum Instrument des Jahres 2021 ausgerufen haben. „Für unsere Pfarrei bedeutet der Blick auf die Orgel leider gleich zwei Baustellen“, erinnert Krastl. „Schon längere Zeit beschäftigt uns der bedauernswerte Zustand der Klais-Orgel in Münchwies“, um das voll pneumatische Instrument muss sich nun parallel gekümmert werden.

Es wird sportlich, soviel ist klar. „Heute gibt nicht mehr jeder sein letztes Hemd“ für die Kirche im Dorf. Die Finanzlast liegt jedoch allein bei der Gemeinde. „Orgeln gehören zur Ausstattung der Kirchen und werden deshalb nicht bezuschusst durchs Bistum.“ Über Rücklagen verfüge man nicht, „wir leben quasi von der Hand in den Mund“. Einfach stilllegen komme aber auch nicht in Frage, nicht zuletzt, weil es sich um „kunsthistorische Schätze“ handelt. Ersten Schätzungen zufolge muss man mit mindestens 40 000 Euro für die Oberlinger-Orgel rechnen. „Die Erstellung eines konkreten Angebots ist in Auftrag gegeben.“ Um diesen Riesenbetrag in überschaubare Einheiten herunter zu brechen, sucht der Förderkreis jetzt 800 Menschen, „die uns jeweils mit 50 Euro unter die Arme greifen. Dann ist auch das für uns zu schaffen. Über größere Spenden freuen wir uns immer und natürlich ist uns auch jeder kleine Betrag willkommen.“ Aktuell gehören der Gemeinde 6000 Gläubige an, davon knapp 4000 in Wiebelskirchen. Weniger als drei Prozent besuchen regelmäßig die Kirche. Doch das Gemeindeleben funktioniert: „Der Funke ist noch nicht aus hier, da ist noch Leben drin.“ Für Marion Bitz Wildegger bietet die Pandemie-Situation sogar eine Chance: „Die Kirche ist neben dem Supermarkt der einzige Ort, wo man noch Menschen trifft.“ Das könne man für die Spenden-Aktion nutzen. Unterstützend sind beispielsweise eine „Abendlob“-Reihe angedacht und Konzerte, eventuell sogar mit Stummfilm-Vorführungen. „Sehr schön fände ich auch, wenn wir Teile von Chören einladen könnten.“ Die bringen eigenes Publikum mit und generieren damit noch mehr Aufmerksamkeit für das Gotteshaus und seine Orgel. „Wir wollen zeigen: Hier passiert was.“

 Man sieht es ihr nicht an, aber die Orgel in der Dreifaltigkeitskirche ist in einem schlechten Zustand.

Man sieht es ihr nicht an, aber die Orgel in der Dreifaltigkeitskirche ist in einem schlechten Zustand.

Foto: Anja Kernig
 Orgel

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Foto: Anja Kernig

Mehr Informationen im Pfarrbüro unter Tel. (0 68 21) 5 21 07.

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