Organspende geht alle an

Neunkirchen. Seit dem Skandal am Göttinger Uniklinikum ist das Thema Organspende in aller Munde. Gestern hatte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sogar zu einem Krisengipfel geladen. Aktuelle Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) belegen, dass es um die Spendenbereitschaft nicht zum Besten steht

Neunkirchen. Seit dem Skandal am Göttinger Uniklinikum ist das Thema Organspende in aller Munde. Gestern hatte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sogar zu einem Krisengipfel geladen. Aktuelle Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) belegen, dass es um die Spendenbereitschaft nicht zum Besten steht. Allein im Saarland ist die Zahl der Organspender von 2010 auf 2011 um 23,3 Prozent gesunken."Rund 12 000 Menschen warten derzeit in Deutschland auf ein Spenderorgan", weiß Klaus Schmitt von der Arbeitsgruppe Infoteam Organspende Saar. Das Fatale daran sei, dass es nicht gelinge, die Liste abzubauen. Auf jährlich etwa 3000 Transplantationen in der Bundesrepublik kommen etwa ebenso viele neue Bedarfsfälle.

Dabei könne jeder ab 16 Jahren seine Bereitschaft zur Organspende entweder mit einem Spenderausweis oder einer entsprechenden Patientenverfügung erklären. Ein gesetzliches Höchstalter für die Spende gibt es hingegen nicht.

Schmitt befürchtet deutliche Auswirkungen des Skandals in Göttingen auf die Spendenbereitschaft. "Das Vertrauen in das System liegt derzeit am Boden", sagt er.

Bei einer Umfrage der Saarbrücker Zeitung auf dem Neunkircher Stummplatz zeigte sich ein etwas positiveres Bild. Monika Ollig aus Schiffweiler sieht in der neuen sogenannten Entscheidungslösung eine gute Möglichkeit, die Menschen an die Notwendigkeit der Organspende zu erinnern. Das neue Gesetz sieht vor, dass Krankenversicherte ab 16 Jahren regelmäßig von ihrer Kasse angeschrieben und nach ihrer Spendenbereitschaft gefragt werden. "Ich denke bei vielen ist es einfach eine Frage der Bequemlichkeit", sagt Monika Ollig. Sie will sich bald einen Spenderausweis zulegen.

Dieter Wiesel aus Wiebelskirchen hat nur noch wenig Vertrauen ins Vergabesystem. "Die Spende ist ein Geschenk. Ich finde es nicht gut, dass daran Geld verdient wird."

Nadine Lambert aus Neunkirchen hat ebenfalls die Absicht, sich einen Ausweis zu besorgen. "Warum sollte man anderen Menschen nicht helfen?", fragt sie. Die Vergabe dürfe aber keinesfalls vom Geld abhängen.

Philipp Heil aus Bexbach hat auch noch keinen Ausweis, will sich aber bald informieren. "Ich kann mir schon vorstellen, dass nach dem Skandal weniger Menschen bereit sind, ihre Organe zu spenden", äußert er seine Bedenken.

Auch Jana Hofäcker aus Limbach kann sich vorstellen zu spenden. Sie denkt allerdings darüber nach, was ein hirntoter Mensch - der Hirntod ist Voraussetzung zur Entnahme der Organe - noch mitbekommt. "Das kann niemand so genau wissen", sagt sie. Trotzdem fände auch sie es schade, wenn die Zahl der Spender tatsächlich weiter zurückgehen würde.

Informationen zur Organspende gibt es im Internet unter www.organspende-info.de und unter www.infoteam-organspende-saar.de. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation bietet mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter (08 00) 9 04 04 00 von montags bis freitags, 9 bis 18 Uhr, ein kostenloses Infotelefon an.

Foto: Spettel

Foto: Spettel