OB-Wahl in Neunkirchen : Vom Pendler zum Rathaus-Chef werden

Dirk Käsbach (46) kandidiert für die CDU bei der Wahl zum Neunkircher Oberbürgermeister.

Die Überraschung ist den Christdemokraten gelungen, denn Dirk Käsbach hatte niemand auf dem Zettel als CDU-Kandidat für die Wahl zum Neunkircher Oberbürgermeister. 245 Kilometer liegen zwischen dem hiesigen und dem Rathaus in Königswinter, wo der 46-Jährige als Kämmerer und Erster Beigeordneter tätig ist.

Für ihn selbst sei die Nominierung nicht ganz so überraschend gekommen, erzählt Käsbach, schließlich pendele er schon seit geraumer Zeit zwischen Königswinter und dem Saarland. Der Liebe wegen. Seine Lebensgefährtin wohnt in Dudweiler und arbeitet in der Neunkircher Stadtverwaltung. „Weil ich immer öfter hier unterwegs war, habe ich eine Beziehung zu der Stadt entwickelt. Und je mehr ich gesehen habe, desto deutlicher sind mir die Schwierigkeiten aufgefallen, mit denen Neunkirchen zu kämpfen hat“, sagt Käsbach und ruft auf seinem Tablet eine Datei mit Themen auf, die er als OB angehen möchte.

Ganz oben auf der Liste: Sicherheit. „Wer bis 20 Uhr in der Innenstadt arbeitet, lässt sich von seinem Ehepartner abholen, weil er Angst hat, alleine durch die Stadt zu gehen. Die Leute müssen sich wieder gerne in der Stadt aufhalten“, erklärt Käsbach, der eine ständige Präsenz des Ordnungsdienstes in der Innenstadt fordert. Notfalls müsse man auf dem Stummplatz oder auf dem Lübbener Platz ein Provisorium installieren. „Da muss der Staat präsent sein, um direkt einschreiten zu können.“ Zudem will sich Käsbach bei der Polizei dafür stark machen, zwei zusätzliche City-Cops in Neunkirchen auf Streife zu schicken.

Auch Drogenkonsum auf offener Straße sei ein Problem, das die Leute in Neunkirchen beschäftige. Er selbst hätte bei der Aktion Picobello an den Bliesterrassen Utensilien von Drogenkonsumenten gefunden. „Vielleicht sollte man den Versuch wagen, Drogenkonsumenten einen geschlossenen Raum zur Verfügung zu stellen“, findet Käsbach. Bei solchen, wie auch bei anderen Themen würde er im Falle seiner Wahl um das Feedback von Bürgern bitten. „Es ist mir wichtig, die Leute miteinzubeziehen, mich mit ihnen zu besprechen und nicht nur alle zehn Jahre auf ihre Stimme zu hoffen.“

Überhaupt setze er auf Transparenz und Bürgerbeteiligung. Weniger Anonymität, mehr Teilhabe sei sein Anliegen. „Ich möchte die alten Bahnen verlassen und neue Wege gehen. Ich möchte Politik machen, aber anders“, erklärt er. Dazu gehöre für ihn auch eine Bürgersprechstunde im Stadtrat. In Königswinter hätten Bürger sogar Rederecht bei relevanten Punkten. „Das kostet Zeit, aber kein Geld.“

Womit der Bogen zum Haushalt gespannt wäre, den er „grundsätzlich ausgleichen möchte“. Um eine Stadt zu stabilisieren und in eine gute Zukunft zu führen, sei nachhaltiges Denken wichtig. Der Nachhaltigkeitsbegriff stehe für bedachtes Handeln in den Bereichen Ökologie, Ökonomie und Soziales. „Wir haben eine Verantwortung darüber nachzudenken, was unser Handeln von heute auslöst“, sagt Käsbach. Eine nachhaltige Finanzpolitik bedeute zum Beispiel, zu investieren, vorher aber sehr genau zu überlegen warum, wo und wie.

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