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Neujahrsempfang
OB macht Werbung fürs Miteinander

Viele Gäste hatten den Weg in die Gebläsehalle zum Neujahrsempfang der Stadt gefunden.
Viele Gäste hatten den Weg in die Gebläsehalle zum Neujahrsempfang der Stadt gefunden. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Jürgen Fried weist beim Neujahrsempfang auf Gefahren gesellschaftlicher Fehlentwicklungen hin. Zur Unterhaltung gab’s ein Musical-Medley. Von Heike Jungmann

 In einer eindringlichen Grundsatzrede zur Digitalisierung und zur rasanten Entwicklung der sozialen Netzwerke appellierte Oberbürgermeister Jürgen Fried an die Menschen der Stadt, durch ein  „direktes Miteinander vor Ort gesellschaftlichen Fehlentwicklungen“ zu begegnen. Beim Neujahrsempfang in der Neuen Gebläsehalle erläuterte der Verwaltungschef vor rund 500 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Ehrenamtskreisen, welche Gefahren er sehe und welchen Missständen man durch „aktives Zuhören, Reden und Handeln“ entgegenwirken könne. Zum Wohle der Stadt Neunkirchen und damit ihrer Bewohner. „Ich bin natürlich nicht so blauäugig, zu glauben, dass wir hier in Neunkirchen irgendetwas ändern oder aufhalten“, sagte der OB. Er sei aber schon zufrieden, wenn der ein oder andere sich mit den Themen vielleicht noch intensiver befassen würde und wenn die ein oder andere vernünftige Debatte mit Fakten und Wahrheiten entstehen würde.


Eine „Fehlentwicklung“ erlebe man gerade im Internet durch die rasante Entwicklung der sozialen Netzwerke. Diese seien mit ihrer wirtschaftlichen und kommunikativen Macht heute weit mehr als neutrale Plattformen zum Kommunizieren mit Freunden. „Sie sind auch die Marktplätze der modernen, digitalen Hexenjagd.“ Außerdem dominierten sie den globalen Werbemarkt und seien ohne weitere Reglementierungen eine Gefährdung für die Demokratie. Es gehe ihm dabei nicht um die Möglichkeiten des virtuellen Lebens, sondern um Kontrolle und Reglementierung. Fried fordert den Bund dazu auf, das Telemediengesetz zu ändern und eine Klarnamenpflicht zu normieren. Es gebe schließlich auch das „Vermummungsverbot“.

Der zweite Aspekt der digitalen Entwicklung sei der Onlinehandel. Natürlich sei klar, dass E-Commerce  bequem und zeitsparend sei. Aber, so Fried: „Wenn Sie das nächste Buch oder Kleid im Internet kaufen, ist dies ein Beitrag zu einem Umsatzrückgang eines stationären Geschäfts und ein weiterer Beitrag zur Verödung der Innenstädte.“ Diese Entwicklung sei gerade für Neunkirchen schwierig, da die Stadt sich als Einkaufsstadt positioniert habe und da ein starkes Profil habe.  Die Kampagne „Gudd inkaaf“, das aktive Citymanagement und nicht zuletzt die Renovierung der Innenstadt sollen dieser Tendenz begegnen.



Auch auf die besonderen Befindlichkeiten der „Neinkeija“ ging der Oberbürgermeister in seiner Rede sein. Der äußere Teil des Strukturwandels sei mit vielen Kräften erstaunlich schnell erreicht worden. Aber die Identität früherer Zeiten, die durch die „Hitt“, die Gruben, die Schloßbrauerei oder Borussia Neunkirchen geprägt wurden, gebe es nicht mehr oder sei nicht so erfolgreich. Beim „inneren Wandel“ der Stadt setze die Verwaltung, auch aus wirtschaftlichen Gründen, auf den Kultur- und Kreativbereich. Der 2010 im Stadtrat verabschiedete Kulturentwicklungsplan werde nach und nach abgearbeitet. Dazu gehöre die nötige Infrastruktur mit den zwei Kulturzentren Kult (ehemaliges Bürgerhaus) und AHA (Gebläsehalle/Reithalle). Außerdem die Förderung der Basis- und Breitenkultur durch VHS, Musikschule, Büchereien, Kultur treibende Vereine und ähnliches. Es gehe aber auch darum, Ausstrahlendes über die Stadtgrenzen zu kreieren. Stichwort Musical, Film- und Kreativwirtschaft. Fried räumte ein, dass solch ein Engagement nicht überall auf Verständnis stoße. Positive Signale wiederum ermutigten ihn und seine Mitstreiter.

Und positiv wurde beim Neujahrsempfang auf jeden Fall das Medley der drei Musicals aufgenommen, die vergangenes Jahr mit großem Erfolg in der Gebläsehalle aufgeführt wurden. Kristin Backes (Der kleine Horrorladen), Anna Hofbauer und Matthias Stockinger (Die Päpstin) sowie Laura Birte, Markus Müller, Nicolas Schneider und die Showgirls (The Producers) gaben Kostproben. „The Producers“ kehren vom 3. bis 12. August wieder zurück. Dann wird sicher auch der ein oder andere Gast des Empfangs das ganze Musical anschauen. „Miteinander vor Ort“, wie Fried es sich wünscht.

Musical war das große Thema beim Neujahrsempfang, hier Anna Hofbauer und Matthias Stockinger.
Musical war das große Thema beim Neujahrsempfang, hier Anna Hofbauer und Matthias Stockinger. FOTO: Jörg Jacobi
Ottweilers Altbürgermeister Hans-Heinrich Rödle (links) und OB a.D. Fritz Decker.
Ottweilers Altbürgermeister Hans-Heinrich Rödle (links) und OB a.D. Fritz Decker. FOTO: Jörg Jacobi
Oberbürgermeister Jürgen Fried und Ehefrau Margrit lauschen den Musical-Hits auf der Bühne.
Oberbürgermeister Jürgen Fried und Ehefrau Margrit lauschen den Musical-Hits auf der Bühne. FOTO: Jörg Jacobi
Die „Neinkerjer“ von Georg Geiß schmeckten den Gästen.
Die „Neinkerjer“ von Georg Geiß schmeckten den Gästen. FOTO: Jörg Jacobi