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Nonchalantes Klassik-Konzert im T-Shirt

Nonchalantes Klassik-Konzert im T-Shirt

Ein herrlich entspanntes Klassik-Konzert gab das Duo Thomas Layes und Sabi Yordanov im Bistro Erdmanns. Der Bistro-Inhaber lernte zufällig Yordanovs Vater, selbst Klarinettist, kennen – so ergab sich die Idee für das Konzert.

. "Das ist ja wie ein musikalischer Salon im 19. Jahrhundert", stellte Thomas Layes fest und hätte es kaum besser treffen können. Während Layes Hände über die Klaviertasten flogen, lümmelte der Violinist, Sabi Yordanov, im samtroten Sofa zwischen Teppichen und Gemälden.

Jenseits des Bühnenvierecks, das wie ein Wohnzimmer eingerichtet ist, saßen im schmalen, gemütlichen Raum des Neunkircher Kulturbistros Erdmanns dicht an dicht die Gäste, ebenfalls zwischen Gemälden und zahlreichen Leuchten aus buntem Glas. Die Köpfe zur Bühne gewandt, ab und zu gedämpft plaudernd. Wenn sich der Violinist zu dem Pianisten gesellte, wurde die pikante Mischung des Duos, das sich in einem Projekt ein gemeinsames Programm erarbeitet hat, deutlich: Layes, der Dozent an der Musikhochschule Saarbrücken, mit klassischem Feinschliff und Yordanov, der Bulgare, mit leidenschaftlicher Unbefangenheit. Entsprechend war auch die Moderation des Letzteren: Er spiele jetzt Bach für das Publikum, kündigte er vielsagend an und schloss mit einem lässigen "Ne?". Genauso hatte Gerd Erdmann, Inhaber des Kulturbistros, es haben wollen. Klassik, aber ganz locker. "Sodass man einfach im T-Shirt hingehen kann. Vielleicht finden so auch mehr Leute Zugang zu dieser Musik." Dass das Projektduo am Donnerstagabend bei Erdmann spielte, war dem Zufall zu verdanken, dass dieser Yordanovs Vater, Boyan Yordanov, in St. Wendel auf dem Marktplatz hatte Klarinette spielen hören. Bald darauf hatte Yordanov Senior in Erdmanns Bühnenwohnzimmer gestanden und auch an diesem Abend gab es von ihm noch etwas Unterhaltungsmusik.

Außer Bach standen auf dem Programm auch Mozart und Schubert, jeweils mit Sonaten in A-Dur. Klavier und Violine begleiteten einander traten in Dialoge und schienen sich ein wenig zu necken. Als Überraschung hatte Yordanov noch eine Eigenkomposition im Gepäck, die er uraufführte: "Stranno" heißt sie, "Komisch" zu Deutsch, und kommt dynamisch, bisweilen mit bizarren Tönen daher, niemals jedoch unmelodisch. "Dunkel und expressionistisch", auf diese Beschreibung hatten sich der Komponist und Layes einigen können. Vom Publikum gab es großen Applaus und damit für Erdmann das Signal, dass er sein Versprechen, bei Erfolg des Abends noch mehr lockere Klassik zu bieten, einlösen kann.