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Dreck weg
Neunkircher Blies-Ufer glich Schrottplatz

Der ASV Neunkirchen holte bei der Picobello-Aktion eine Tonne Schrott, Müll und sonstigen Unrat aus dem Uferbereich der Blies hervor.
Der ASV Neunkirchen holte bei der Picobello-Aktion eine Tonne Schrott, Müll und sonstigen Unrat aus dem Uferbereich der Blies hervor. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. 350 Helfer sammelten bei Saarland Picobello in Neunkirchen mit den Stadtteilen – Landschaft von rund zehn Tonnen Müll befreit.

Zwei große Rasenmäher, ein Cerankochfeld, zwei Wäschespinnen, ein Backofen, Kanister, Rohre und so weiter – das Resultat nicht mal einer Stunde Sammeln an der Blies. Gleich kommt wieder ein Fahrzeug vom Zentralen Betriebshof und fährt auch dieses bunte Sammelsurium ab, damit Wolfgang Ewertz und seine Vereinskollegen vom Angelsportverein Neunkirchen die nächsten Kubikmeter Wohlstandsmüll auftürmen können. Warum Zeitgenossen ihren aussortierten Hausrat mit Vorliebe zu einem Fließgewässer bringen, bleibt ihnen ein Rätsel. Am schlimmsten ist es an den Brücken, teilt Ewertz mit. Alle vier Wochen würde sich da eine Sammelaktion lohnen. „Deprimierend ist es schon“, nickt der Vorsitzende des Anglervereins, „aber wir können es nicht ändern“. Zu 23 war der ASV diesmal bei Picobello vertreten – eine mittelprächtige Beteiligung. „Wir waren auch schon mal 40“, so Ewertz. Das Großreinemachen im Frühjahr ist für die Angler ein alter Hut: „Das machen wir seit 20 Jahren, da war an Picobello längst nicht zu denken.“ Warum man damals damit startete? „Wir konnten es nicht sehen, wie man unser schönes Gewässer verdreckt.“


Insgesamt hat der Verein 285 Mitglieder. Für die 6,5 Kilometer Blies ab Parkplatz Spitzbunker bis Wellesweiler sei man zuständig. Und für fünf stehende Gewässer – ganzjährig, versteht sich. Dazu gehört die Zuwegung, „auch die müssen wir auf unsere Kosten reinigen“. 16 Gewässerwarte kontrollieren quasi täglich den Zustand der Weiher. Generell sei nichts dagegen zu sagen, wenn Bürger am Wasser ein paar angenehme Stunden verbringen. Hätte das nicht oft ein unschönes Nachspiel: „Wenn die fertig sind mit Erholung, haben wir die Arbeit.“ Sprich, den Müll wegzuräumen, darunter viel Verpackungsmaterial der Fast-Food-Anbieter. „Früher waren an den beliebten Erholungsplätzen Müllbehälter aufgestellt.“ Doch die wurden rege für kostenlose Hausmüllentsorgung missbraucht. „Wir haben niemanden mehr gefunden, der die Container regelmäßig leert.“ Besonders eklig seien die „verschissenen Windeln“ gewesen.

Kontraproduktiv erwies sich am Samstag der Zustand der Blies: Hochwasser und trübe Wasserqualität erschwerten die Arbeit. „Da sieht man nicht, was im Wasser liegt.“ Sonst habe man immer jemanden mit Wathose angebunden, der dann die Einkaufswagen, Fahrräder und sonstigen Sperrmüll rausgezogen hat. „Das holen wir nach.“



Für Picobello-Koordinator Thomas Haas lief am Samstag „alles locker - wie immer“, so sein Fazit am Nachmittag. Schätzungsweise 350 Leute und damit „ein paar weniger“ als angemeldet seien letztlich angetreten, „krankheitsbedingt und wegen des Wetters“. Der beteiligungsstärkere Tag ist sowieso der Freitag, dank Schulen und Kindergärten liege man da 2018 bei etwa 1300 Aktiven. Besonders viele Autoreifen seien diesmal gefunden worden. Auffällig auch, dass der Müll „an den unmöglichsten Stellen“, zum Teil tief im Wald, abgelagert wird. „Insgesamt war es aber weniger als im letzten Jahr.“ Etwa zehn Tonnen könnten es sein, 13 bis 14 waren es sonst. Wobei es immer noch einen Nachlauf die ganze Woche gibt, wo die blauen Müllsäcke an den Straßenrändern eingesammelt werden.

Was die Sache nicht leichter macht: Der Müll muss nach Velsen transportiert werden. „Deshalb sind wir auch mit dem Presswagen unterwegs.“ Ohne den Betriebshof, der mit 15 Mann im Einsatz war, wäre Picobello sowieso undenkbar. An sie wie auch alle anderen fleißigen Helfer geht deshalb noch ein dickes Dankeschön von Haas – im Namen der Verwaltung und der Umwelt.