Stiftung Lebendige Stadt: Neunkirchen und der Wandel

Stiftung Lebendige Stadt : Neunkirchen und der Wandel

Oberbürgermeister Jürgen Fried spricht heute in der Hamburger Elbphilharmonie.

Wenn sich der heutige Tag allmählich dem Ende zuneigt, dann ist Neunkirchen quasi in ganz Deutschland bekannt. Denn auf die ehemalige Hüttenstadt werden heute Bürgermeister aus Deutschland und Wissenschaftler aus der ganzen Welt ein besonderes Auge haben. Neunkirchens  Oberbürgermeister Jürgen Fried ist einer der Redner beim Kongress „Kultur trifft Stadtentwicklung“ der Stiftung Lebendige Stadt, der dieses Jahr in der Elbphilharmonie in Hamburg stattfindet. Jedes Jahr seit der Gründung im Jahr 2000 lädt die Stiftung unter dem Kuratoriumsvorsitzenden Alexander Otto zu einer Tagung ein. In jedem Jahr werden Preise verliehen. Man erinnert sich: Im Jahr 2015 erhielt Neunkirchen eine Anerkennung für die Gebläsehalle.  Jedes Jahr gibt es einen Tag lang Vorträge zum Jahresthema.

Neunkirchens Oberbürgermeister Jürgen Fried. Foto: Jennifer Weyland

Gestern Nachmittag bereits ist Fried in die Hansestadt gefahren. Hat dann der Preisverleihung am Abend beigewohnt - im großen Saal der Elbphilharmonie. Zur Übernachtung sind die Gäste der Stiftung ins in der Elbphilharmonie integrierte Hotel eingeladen. Vom Feinsten also. „Ich war vor etwa drei, vier Jahren in Hamburg, da war die Elbphilharmonie noch in der Bauphase“, hat Fried der SZ im Telefonat vor der Abreise erzählt. Heute gibt es hier - im kleinen Saal - Vorträge Schlag auf Schlag. Da spricht Professor Nicole Colin von der Universität Aix-Marseille oder Lars Davidsen, Deputy Head of The Cultural Department Aarhus. Es reden Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda, die Oberbürgermeister von Reutlingen, Düsseldorf, Leipzig, Freiburg - und Neunkirchen. Fried eröffnet den Nachmittagsblock, der unter dem Thema steht: „Was können wir lernen von . . .“ mit dem Vortrag „... Neunkirchen, einer Stadt, die auf Kultur als treibende Kraft in der Stadtentwicklung setzt?“.  Dann werden die Kollegen aus der übrigen Republik erfahren, wie Neunkirchen den Wandel geschafft hat. Vom Montanstandort mit fünf Bergwerken und einem Eisenwerk durch die Montankrise hin zu 93 Hektar Industriebrache, die es zu revitalisieren galt. „Um diesen inneren Teil des Strukurwandels zu erreichen, setzen wir auch auf den Kultur- und Kreativbereich“, heißt es in dem Vortrag. Wobei Fried auch im SZ-Gespräch vorab nochmal klar machte: „Der Imagewandel nach außen geht besser, als der nach innen.“ Schließlich, das werden auch die Kollegen in Hamburg erfahren, hatte es kaum Bildungsbürgertum in der ehemaligen Hüttenstadt gegeben. Hier war Entwicklung angesagt. Der Kulturentwicklungsplan, 2010 vom Stadtrat verabschiedet, wurde zur Handlungsmaxime. Wie die Stadt Karl Ernst Osthaus’ Postulat „Wandel durch Kultur - Kultur durch Wandel“ umsetzt - die Neunkircher wissen es, das übrige Land erfährt es heute. Neue Veranstaltungsstätten (KULT und Gebläsehalle), Identitätsfindung durch Musical-Projekt und Musicalschule hin zur Musicalstadt, der Günter-Rohrbach-Filmpreis und die Förderung saarländischer Nachwuchsfilmer bis hin zum Kreativitätszentrum und Veranstaltungen wie Steelecht, zusammengefasst in der sich entwickelnden neuen Dachmarke „NK Kreativ“. „Freie Kulturschaffende und Kreative finden den Weg nach Neunkirchen und nutzen die Stadt als Startpunkt für ihr kulturelles Wirken.“ Fried wird nichts beschönigen in seinem Vortrag, wird auch darauf hinweisen, dass längst nicht alle Neunkircher sich bereits mit der neuen Struktur identifizieren können. „Das heißt, dass es Leidenschaft und Überzeugungskraft braucht, dass die wichtigsten politischen Akteure mit im Boot sind und dass einem klar ist, dass ein Wandel in der Mentalität viele Jahre dauert.“ Im Gespräch mit der SZ spricht er von Generationen.  Was bedeutet: Auch Frieds Nachfolger werden noch daran arbeiten müssen. Was dieser jedoch in seiner Stadt bisher erreicht hat, das können die „Hamburger“ heute auch noch live erleben: Mit „Film ab“ für den 1 Minute 31 dauernden Imagefilm der Stadt wird Fried seinen Vortrag beenden.  Dann darf er sich entspannt zurücklehnen und den letzten Rednern des Kongresses - Breslaus Stadtpräsident Rafal Dutkiewicz und der Vorsitzenden des Vorstands Sauti Kuu Foundation, Dr. Auma Obama, - lauschen. Und sich langsam einstimmen auf den Ausklang des Kongresses mit dem Konzert „Eine Hamburger Rhapsodie“ im großen Saal.

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