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Die Kunstszene wächst
Die Kreativen erobern das Kutscherhaus

Das Neunkircher Kutscherhaus ist als Kreativzentrum eingeweiht worden und die ersten Mieter sind schon eingezogen. Unser Bild zeigt von links: Francesco Cottone (Gesangschule Vokalstudio, Musiklabel Neverturndown Records), Oberbürgermeister Jürgen Fried, Edda Petri (Leiterin der Einrichtung), Tobias Ebelshäuser und Markus Tretter (Filmproduktion Marmorfilm) und Wolfgang Reeb (Film-Event-Treff).
Das Neunkircher Kutscherhaus ist als Kreativzentrum eingeweiht worden und die ersten Mieter sind schon eingezogen. Unser Bild zeigt von links: Francesco Cottone (Gesangschule Vokalstudio, Musiklabel Neverturndown Records), Oberbürgermeister Jürgen Fried, Edda Petri (Leiterin der Einrichtung), Tobias Ebelshäuser und Markus Tretter (Filmproduktion Marmorfilm) und Wolfgang Reeb (Film-Event-Treff). FOTO: Andreas Engel /
Neunkirchen. Man darf gespannt sein, welche Impulse vom neuen  Neunkircher Kreativzentrum Kutscherhaus ausgehen werden. Optisch ist das renovierte Gebäude im Schatten des Wasserturms jedenfalls  schon einmal ein Schmuckstück. Von Solveig Lenz-Engel

Wolfgang Reeb ist ein begnadeter Kommunikator. Kaum wird er eines Menschen angesichtig, der sich für seine Anliegen rund um Film, Kunst, Kultur und Gastronomie interessieren könnte, baut sich der stattliche Reeb auf und beginnt zu erzählen. Von aktuellen und gewesenen Projekten, von Plänen, Ideen und denen, die in seinem weit verzweigten Netzwerk mitwirken. Viele Leute kennen Reeb aus seinem Saarbrücker Kulturclub „Die Winzer“.


Viele sollen ihn jetzt im neuen Kreativzentrum Kutscherhaus in Neunkirchen (die SZ berichtete bereits), gleich neben der Stummschen Reithalle, kennenlernen. Am Donnerstag wurde das Kutscherhaus von Oberbürgermeister Jürgen Fried offiziell vorgestellt. Neben Reeb sind bereits der bekannte Neunkircher Musiker Francesco Cottone und die Fimproduzenten Markus Tretter, Moritz Grenner und Tobias Ebelshäuser in drei der kleinen Büros eingezogen. Mietfrei können sie in Neunkirchen arbeiten. Der Preis für die bis auf die Nebenkosten kostenlose Unterbringung im stilvoll renovierten Kutscherhaus sind niedrigschwellige Angebote für Menschen in Neunkirchen, die am üblichen Kultur- und Kreativprogramm nicht interessiert sind. „Mit dem Kreativzentrum schaffen wir Raum für Kreative, die ihrerseits ein kreatives Angebot zur Förderung von denjenigen erarbeiten, denen der Zugang zur Kultur ansonsten erschwert ist. Solch ein nachhaltiges Projekt braucht natürlich Zeit, aber wir erhoffen uns, dass Kultur so virulent wird, andere ansteckt, und letztlich eine kulturelle Identität in Neunkirchen entsteht. Daran wollen wir hier arbeiten“, so Jürgen Fried.

Fried ist sicher, dass die rund 430 000 Euro aus dem Bund-Länder-Programm „Investitionspakt Soziale Integration im Quartier“ bestens angelegt sind, um einen offenen und lebendigen neuen Kulturort in der Stadt zu schaffen. Wobei die umfassende Renovierung des Kutscherhauses der erste Teil des Projektes ist. In Phase zwei steht die Sanierung der benachbarten Stummschen Reithalle an, die für die Aktivitäten der Künstler genutzt werden soll. Auch ein Anbau ans Kutscherhaus könnte möglich sein, so Fried.



Noch drei Büros sind an Mieter zu vergeben, ein Raum kann kurzfristig (Time-Sharing-Büro) genutzt werden. Edda Petri, in der Region bekannt als Schauspielerin und Musical-Darstellerin, hat die Leitung des Kutscherhauses übernommen und fungiert auch als so genannte Integrationsmanagerin. Sie kümmert sich einerseits um die Belange der Mieter, soll mit ihnen künstlerische Prozesse anstoßen, an denen dann auch die Öffentlichkeit, sprich Neunkircher Bürger, beteiligt werden sollen. „Das Kreativzentrum Kutscherhaus ist wie ein Laboratorium, hier werden Ideen entwickelt“, gibt Petri die Richtung vor. Es gehe nicht um schnelle Ergebnisse, sondern um Entwicklungen, an denen die Neunkircher teilhaben können. Ein Termin steht aber doch schon fest: Am Donnerstag, 11. Oktober, dem Weltmädchentag, soll es am Kutscherhaus eine bunte Veranstaltung mit verschiedenen Workshops geben.

Derweil entwickelt Wolfgang Reeb angesichts des Vorplatzes des Kutscherhauses mit der großen Treppe hoch zum Wasserturm schon Visionen von einem Freiluft-Forum in Neunkirchen. „Allein auf der Treppe finden 120 Leute einen Sitzplatz“, malt Reeb schon ein Zukunftsbild vom Kutscherhaus als blühender Kulturoase für alle. Für alte und junge Neunkircher, für Geflüchtete, für Migranten, für alle Menschen,  für die Kultur zum Leben gehört wie die Luft zum Atmen.