Neunkirchen: Der ehemalige Hüttenmann Bodo Lutze aus Hangard ist das Motiv für das Sprayer-Kunstwerk von Hendrik Beikirch

Ein neues Neunkircher Wahrzeichen? : Neunkirchen bekommt ein neues Gesicht

Der Künstler Hendrik Beikirch wird in Neunkirchen eine große Hauswand mit einem Hüttenarbeiter-Porträt gestalten. Es wird das Gesicht von Bodo Lutze aus Hangard sein.

Am 16. August wird Hendrik Beikirch beginnen, den Giebel des Eckhauses Wellesweiler-/Bahnhofstraße in der Neunkircher Unterstadt mit einem riesigen Hüttenarbeiter-Porträt in einen echren Hingucker zu verwandeln (die SZ berichtete). Nachdem in Völklingen sein Hüttenarbeiter-Projekt abgelehnt worden war, sorgte Edda Petry (Kreativzentrum Neunkircher Kutscherhaus) in Abstimmung mit der Rathausspitze dafür, dass Beikirch jetzt in der ehemaligen Hüttenstadt Neunkirchen künstlerisch aktiv werden kann. Zu sehen sein wird nicht der Archetyp eines Hüttenmanns, sondern mit Bodo Lutze einer, der fast vier Jahrzehnte im Neunkircher Eisenwerk geschafft hat. Die SZ hat mit ihm daheim in Hangard gesprochen.

Wie der Kontakt mit dem weltweit anerkannten Streetart-Künstler Hendrik Beikirch zu Stande kam.

Der 79-jährige Bodo Lutze ist ein umtriebiger Zeitgenosse. Er pflegte und pflegt viele Beziehungen in der Sport-, Kultur- und Vereinsszene Neunkirchens, seiner Geburtsstadt. So war er vor 25 Jahren bei der „Tour des Jumelage“ mit der Neunkircher Radlergruppe um den damaligen OB Peter Neuber und dem Kulturgesellschaftschef Peter Bierbrauer unterwegs. Als einziger Hüttenmann. Ein Teil der Truppe, darunter Lutze und Leute aus dem Neunkircher Rathaus, geht bis heute noch gemeinsam auf Tour. Und so war die Frage, wer als Neunkircher Hüttenmann großformatig in der Stadt zu sehen sein soll, rasch beantwortet: Das könnte doch der Bodo machen!

Wie Bodo Lutze auf die Anfrage aus dem Rathaus reagiert hat.

„Ich bin eigentlich immer für alles zu haben“, gibt er zu Protokoll. Und zeigt der SZ Fotos, die ihn als Conferencier, als Drehorgelspieler mit Zylinder, als Ehrendirigenten des Musikvereins, mit seiner Gitarre und im Nikolauskostüm zeigen. Bei einer fastnachtlichen Veranstaltung der Neunkircher Plätsch war er im Rahmen des Auftritts der „Neinkerja Buwe“ sogar schon mal als Eisengießer zu sehen. Keine Frage also, dass er direkt zugesagt hat. Mittlerweile hat er Hendrik Beikirch kennengelent, es wurden Fotos gemacht, nach denen der Künstler das Motiv entwirft.

Was Ehefrau Ursula zu der Aussicht sagt, Ihren Gatten im Riesenformat in Neunkirchen zu sehen.

„Ach, du lieber Gott!“, lacht Ursula Lutze, die mit Bodo seit 55 Jahren verheiratet ist und mit seinem Tatendrang zu leben gelernt hat.

Bergmann und Hüttenmann.

1940 geboren, begann Bodo Lutze seine beruflicher Laufbahn 1954 in der Neunkircher Grube König.  Allerdings hielt es der junge Mann nicht lange unter Tage aus. Das Neunkircher Eisenwerk (NE) bot eine willkommene Alternative. 1958 heuerte Lutze beim Eisenwerk an. 37 Jahre blieb er dem NE treu und hat sich in dieser Zeit nicht geschont: Erst war er Steuermann im Walzwerk „damals gab es an den Wochenenden 12-Stunden-Schichten“), kam dann in die Werkstatt II, wollte sich mit seiner Funktion als Hilfsschlosser allerdings nicht zufrieden geben. Es folgte eine Schlosserausbildung; nach der Schicht, versteht sich. Das ermöglichte ihm die Beteiligung am Ausbau der sogenannten Morganstraße (eine seinerzeit hochmoderne vollkontinuierliche Draht- und Stabstahlstraße). 1973 hatte er wieder das Gefühl, beruflich nicht so recht weiter zu kommen. Fünf Jahre lang investierte er den Großteil seiner Freizeit, um an der Abendschule zum Industriemeister ausgebildet zu werden. Nebenbei erwarb er auch noch den Fußball-Trainerschein. Über eine Station (als Angestellter) bei der Arbeitswirtschaft wechselte er 1982 nach der Stilllegung der Flüssigphase des NE in die Arbeitsvorbereitung der Morganstraße. Als Meister in der Produktion schied er 1995 über den Sozialplan aus.

Ruhestand und Familie.

 Im Ruhestand kümmerte sich Lutze um den Umbau seines Hangarder Hauses, um für die Tochter eine separate Wohnung zu schaffen, der Sohn konnte auf seine Hilfe beim Bau des Eigenheims setzen. „Ein ehemaliger Bergmann und Hüttenmann kann bekanntlich alles“, zieht Lutzes schmunzelnd Bilanz. Die 24 Jahre ohne Arbeitsstress hat er vielseitig genutzt.

 Was ein alter Neunkircher zum geplanten Abriss des Gasometers sagt.

Familienidylle mit Eisengießer-Statue: Bodo Lutze mit seiner Frau Ursula daheim in Hangard. Foto: Engel
Das Porträt des früheren Hüttenarbeiters Bodo Lutze aus Neunkirchen wird ab August die Giebelwand eines großen Gebäudes in Neunkirchen schmücken. Foto: Engel

Er sähe es lieber, wenn dieses Neunkircher Wahrzeichen stehen bliebe. Das sagt einer, dessen Gesicht nun  durchaus das Zeug haben könnte, zu einer neuen Landmarke zu werden.

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