2020 ins Leben gerufenes Projekt wird jetzt umgesetzt In der Gebläsehalle Neunkirchen: Neujahrsmusikfest mit über 40 regionalen Künstlern

Neunkirchen · Mehrmals wurde es schon verschoben. Nun soll am Samstag, 7. Januar, 20 Uhr, in der Gebläsehalle Neunkirchen das Neujahrsmusikfest – vormals Neujahrskonzert der Neunkircher Musikszene – endlich stattfinden.

Sie sind beim Neujahrsmusikfest dabei: von oben nach unten und links nach rechts: Amby Schillo, Ro Gebhardt, Nino Deda, Martin Preiser, Stephan Brandt, Jürgen Schmidt, Francesco Cottone, Stefan Engelmann und Martin Weinert.

Sie sind beim Neujahrsmusikfest dabei: von oben nach unten und links nach rechts: Amby Schillo, Ro Gebhardt, Nino Deda, Martin Preiser, Stephan Brandt, Jürgen Schmidt, Francesco Cottone, Stefan Engelmann und Martin Weinert.

Foto: Kulturgesellschaft/Klaus Braße

Geplant, so erzählt Ideengeber Klaus Braße, war das Ganze schon länger. Will sagen: Schon vor Corona. Dann aber machte die Pandemie eine schnelle Umsetzung des angedachten Künstlersozialfonds notwendig. Er wurde sozusagen zum Corona-Projekt der Neunkircher Kulturgesellschaft. Hintergrund des Projektes: Hilfe für in Not geratene Musiker. Im Januar 2021 sollten zwei Neujahrskonzerte stattfinden, die wurden dann verschoben zu Frühjahrskonzerten im Mai 2021 und mutierten schließlich erneut zu Neujahrskonzerten ein Jahr nach der Ursprungsplanung im Januar diesen Jahres. Es ist bekannt: Auch diese mussten abgesagt werden. „Jetzt endlich findet das mehrfach verschobene Event unter neuem Namen ‚Neujahrsmusikfest‘ statt und geht auf die Bühne der Gebläsehalle“, heißt es von der Kulturgesellschaft.

Ansparen für den Sozialfonds

Die ersten Einnahmen 2023, so erklärt Klaus Braße der SZ auf Anfrage, dienen zur Deckung des Vorschusses, den die Kulturgesellschaft den Künstlern 2020 gab. In kommenden Jahren dann – beispielsweise beim schon in Planung befindlichen Neujahrsmusikfest 2024 – wird das Geld zum Ansparen des Sozialfonds verwendet. Und der, sagt Braße, „ist absolut erforderlich“. „Durch Begegnungen und den Austausch mit vielen Musikern, nicht nur aus der Region, war klar, dass hier meistens keinerlei Absicherung für schwierige Zeiten bestehen.“ Denn die Realität sei: „Keine Ausübung des Berufes, bedeutet dann kein Geld auf dem Konto.“ Sprich: Kein Geld für den Lebensunterhalt, für Miete und Energiekosten. „Die Pandemie hat zu dramatischen Einschnitten geführt.“

Der Künstlersozialfonds ist Hilfe zur Selbsthilfe. „Die Musiker“, sagt Braße, „setzen ihre Kreativität ein, um selbst für Notfälle vorzusorgen.“ Außerdem sei ein solidarischer Gedanke dabei: Die Gemeinschaft hilft dem Einzelnen, der in Not gerät. So soll der Fonds nicht nur bestehen bleiben, sondern sich weiterentwickeln, neue Musiker sollen dazu kommen. „Einmal im Jahr wird es ein Stelldichein aller aktuell beteiligten Musiker und Veranstalter in der Gebläsehalle geben“, das ist der Plan, der für 2024 erstmal erneut ein Neujahrsmusikfest vorsieht.

Für Kulturgesellschafts-Geschäftsführer Markus Müller ist „diese Hilfe zur Selbsthilfe ein weiteres Beispiel dafür, dass wir in Neunkirchen zusammenstehen“. Das Konzept unterstreiche die Bedeutung, die die Stadt ihren Musikern zumesse. Wie in allen kulturellen Bereichen laufe der Vorverkauf noch etwas zaghaft, Interesse sei aber durchaus da, sagt Braße. Wer Karten für die zuvor geplanten Termine gekauft hatte: Die behalten selbstverständlich ihre Gültigkeit für den aktuellen Termin 7. Januar.

Über die Genre-Grenzen hinweg

Die Besucher erwartet so einiges. „Durch die Vielzahl der Musiker und dem dadurch vielgestaltigen Erfahrungshintergrund können wir aus dem Vollen schöpfen und über alle Genre-Grenzen hinweg dem Publikum ein abwechslungsreiches Programm anbieten“, erzählt Martin Weinert, quasi als Sprecher der teilnehmenden Musiker, der SZ. Das Neujahrsmusikfest habe absoluten Premierencharakter. Denn alle Künstler haben in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zwar als Einzelkünstler oder mit Band Auftritte gehabt, aber „ein gemeinsames In-Erscheinung-Treten in dieser Fülle und Bandbreite hat es noch nicht gegeben“. Die Musiker werden in unterschiedlichen Besetzungen auftreten. Zum Finale dann kommen alle zusammen auf die Bühne, gemeinsam mit dem Chor CantAnima – ausgewählt hat das Final-Stück Nino Deda.

Auf dem Programm stehen nicht nur Songs berühmter Komponisten und Eigenkompositionen der Künstler. „Allen beteiligten Künstlern war und ist es ein großes Anliegen, musikalisch der beiden verstorbenen Künstlerkollegen Susan Weinert und Michael Marx zu gedenken, um sie auf diese Weise mit einzubeziehen“, verrät Martin Weinert. Er selbst wird so beispielsweise zusammen mit Francesco Cottone, Amby Schillo und Martin Preiser die Komposition „Dancing On The Water“ vom gleichnamigen Album seiner Frau Susan Weinert vortragen, „mit der wundervollen textlichen Metapher von Francesco Cottone der auf dem Wasser tanzenden Seelen“. Auch Songs von Michael Marx werden zu hören sein, und Nino Deda stellt in einer Solo-Piano-Darbietung seine, unter dem Eindruck des Todes seines Freundes und musikalischen Mitstreiters Michael Marx entstandene Komposition „Just Across The Ocean“ vor. Einziger Nachwuchskünstler in diesem Jahr („das soll sich aber in den kommenden Jahren ändern“, sagt Weinert) ist Alec Gebhardt, der Gewinner des Neunkircher Kulturförderpreises in diesem Jahr und Sohn des Gitarristen Ro Gebhardt.

Nach bisherigem Stand der Dinge werden die Musiker in folgenden Zusammensetzungen auftreten (entspricht nicht der Reihenfolge): Amby Schillo und Francesco Cottone; Ambayance mit Amby Schillo, Stephan Brandt, Jürgen Schmidt und Stefan Engelmann; Roland und Alec Gebhardt plus Amby Schillo; Martin-Preiser-Trio mit Martin Preiser, Stefan Engelmann und Stephan Brandt; Nino Deda mit Martin Preiser und Stefan Engelmann; Nino Deda mit Stefan Engelmann und Amby Schillo; Nino Deda mit Stefan Engelmann; Nino Deda solo („Just Across The Ocean“); Chor CantAnima; Francesco Cottone mit Martin Preiser, Amby Schillo und Martin Weinert („Dancing On The Water“); das gesamte Ensemble mit dem Chor CantAnima.