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Suchtberatung
„Nein“ sagen können ist wichtig

Die Projekt-Mitglieder (von links nach rechts): Siegfried Huber, Kristin Eckert, Frauke Ziemen, Michael Haupt, Guiseppe Ruffino, Jens Kirchbaum und Daniela Häßel (Projektleitung).
Die Projekt-Mitglieder (von links nach rechts): Siegfried Huber, Kristin Eckert, Frauke Ziemen, Michael Haupt, Guiseppe Ruffino, Jens Kirchbaum und Daniela Häßel (Projektleitung). FOTO: Lebenshilfe / Thomas Seeber
Kreis Neunkirchen. Das WZB hat mit seinem Konzept zur Suchtprävention für Menschen mit geistiger Behinderung gute Erfahrungen gemacht.

Suchtprävention spielt in den Wohnstätten des Werkstattzentrums für behinderte Menschen der Lebenshilfe gGmbH eine wichtige Rolle, so heißt es jetzt in einer Pressemitteilung. „Als wir vor Jahren festgestellt haben, dass immer mehr unserer jüngeren Bewohner Probleme mit Suchtmitteln haben, haben wir uns mit der Brigg, einer vom Caritasverband getragenen Beratungs- und Behandlungsstelle für Jugendliche und junge Erwachsene kurzgeschlossen, um gemeinsam ein Konzept zur Suchtprävention zu entwickeln, das auch auf Menschen mit Intelligenzminderung passt“, erläutert Kornelia Klee die Entwicklung der Suchtprävention im Werkstattzentrum für behinderte Menschen der Lebenshilfe gGmbH (WZB). Sie ist Sektionsleiterin für den Wohnbereich I und das ambulant betreute Wohnen mit intensiver Unterstützung. Mit diesem Gemeinschaftsprojekt hat das WZB 2014 beim Wettbewerb des Landes „Gesund leben, gesund bleiben“ in der Kategorie Suchtprävention den ersten Preis gewonnen. „Damit haben wir ein Gerüst zur Suchtprävention geschaffen und seitdem das Angebot in diesem Bereich ständig ausgebaut“, erläutern Kornelia Klee und Daniela Häßel, Bereichsleiterin der Wohnstätte Andreasstraße, das wohnstättenübergreifende Projekt. Für die Zukunft möchte das Team die Seminare zur Suchtprävention gerne noch ausweiten und nicht nur in den Wohnstätten, sondern für alle Werkstattbeschäftigten anbieten.


Wie merke ich, dass ich suchtgefährdet bin? Wie kann ich mir Hilfe holen? Diese und viele andere Fragen versuchen WZB-Mitarbeiter im Rahmen von zweitägigen Seminaren gemeinsam mit den Betroffenen zu klären. „Für Menschen mit Intelligenzminderung muss man die Gefahren von Suchtmitteln begreifbar machen, deshalb arbeiten wir viel mit Bildern und greifbaren Materialien“, erläutert Kornelia Klee. Fotos, auf denen sich Menschen prügeln oder übergeben, führen beispielsweise plastisch vor Augen, welche negativen Auswirkungen Alkohol haben kann. Mit der Rauschbrille wird den Teilnehmern demonstriert, dass sie unter Alkoholeinfluss keine Haustür mehr aufsperren und keinen Notruf senden können.

Zum Einstieg in die Thematik wird der Suchtmittelbeutel vorgestellt, in dem sich verschiedene Materialien befinden, von denen eine Sucht ausgehen kann. Handy und Internet stehen für Mediensucht, Zigaretten, E-Zigaretten und Shisha symbolisieren Nikotinsucht, Kaffee, Cola und Energygetränke stehen für Koffeinsucht, Zucker für Esssucht. Jeder Teilnehmer des Seminars erhält die Möglichkeit, sich zu den verschiedenen Suchtmitteln zu äußern und eigene Erfahrungen zu schildern. „Unsere ‚jungen Wilden’ stellen uns mit ihrer Persönlichkeits- und Umfeldproblematik bisweilen vor besondere Herausforderungen“, informiert Daniela Häßel. Gerade bei diesem Personenkreis spiele auch das Thema illegale Drogen bisweilen eine Rolle.



Da die Seminare zu den Freizeitangeboten gehören, sollen sie den Bewohnern allerdings nicht nur Inhalte vermitteln, sondern auch Spaß machen. Aus diesem Grund mixen die Teilnehmer beispielsweise gemeinsam alkoholfreie Cocktails und kaufen auch im Vorfeld die Zutaten zusammen ein. Schließlich zählen auch eine Freizeitgestaltung, die Spaß macht, und ein Freundeskreis, mit dem man gemeinsame Aktivitäten starten kann, zu den vorbeugenden Maßnahmen. „Durch die Seminare möchten wir das Bewusstsein der Menschen schärfen, wie wichtig es ist, in bestimmten Situationen auch ,Nein‘ sagen zu können“, unterstreicht Kornelia Klee.

Neben den Seminaren spielt auch die tägliche Betreuung in den Wohnstätten eine wichtige Rolle. Hier versuchen die Mitarbeiter beispielsweise, das Selbstbewusstsein der Bewohner zu stärken, ihnen Entspannungstechniken zu vermitteln und ihnen bei Problemen durch Einzelgespräche zu helfen. Bei Bedarf vermitteln WZB-Mitarbeiter Menschen, die bereits eine Suchtproblematik aufweisen, an Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen weiter.