Nach Brand in Wellesweilerstraße Neunkirchen geht Suche nach möglichen Opfern weiter

Großeinsatz : Brand in Neunkirchen: Suche nach Opfern dauert an

Auch am Montagvormittag ist die Neunkircher Feuerwehr mit Löscharbeiten beschäftigt. Das Technische Hilfswerk baut Gerüsttürme vor und hinter dem Haus auf.

Rauchschwaden ziehen auch 30 Stunden nach dem verheerenden Brand in der Wellesweilerstraße noch aus dem zerstörten Dach des mehrgeschossigen Hauses. Während die Polizei schon weit vor dem Haus mit querstehenden Streifenwagen und Beamten dafür sorgt, dass keine Schaulustigen zu dem Unglücksort vordringen, bauen Leute vom Technischen Hilfswerk Gerüsttürme vor und hinter dem Haus auf, damit die Feuerwehr einen besseren Zugang zu den einzelnen Etagen bekommt. Über die Drehleiter sind die Wehrleute auch um 11 Uhr noch dabei, mit Löschwasser vereinzelten Glutnestern den Garaus zu machen. Die Arbeiten gestalten sich noch immer schwierig, sagt Wehrsprecher Christopher Benkert. Das Haus ist einsturzgefährdet, niemand kann hinein.

Eine Leiche gesichtet

Der Brand war am frühen Sonntagmorgen kurz vor 5 Uhr gemeldet worden. Rund 90 Feuerwehrleute eilten zum Unglücksort. Zwei Drehleitern, aus Neunkirchen und Ottweiler, waren im Einsatz. So retteten die Feuerwehren fünf Menschen aus höchster Not. Allerdings stellten die Retter schon am Sonntagnachmittag fest: Mindestens eine Leiche befindet sich in dem Wohngebäude. Nach der Sichtung zwischen Qualm und Löschschaum eine erwachsene Person. Ob es sich dabei um eine der drei Vermissten handelt, die nach dem Einwohnermelderegister in dem Haus gewesen sein könnten, ist unklar. Die Familie, deren Verbleib nicht geklärt ist, besteht aus einem 50-Jährigen Mann, einer 33 Jahre alte Frau und einem vierjährigen Kind.

Gerüsttürme vor und hinter dem Haus

Die Wellesweilerstraße ist am Montag zwischen Bach- und Mozartstraße voller blauer THW- und roter Feuerwehrwagen. Wehrleute tragen Material durch eine Lücke zwischen der engen Bebauung in die Gärten hinter der Häuserzeile. Dort hat das THW schon zwei Gerüsttürme aufgebaut, an denen jetzt Leitern stehen. Stahlböden verbinden die oberste Turmebene mit den Fenstergauben im Dachgeschoss. Dort oben wurde von der Straße aus die Leiche gesichtet.

Leitungen gekappt

Die KEW hatte in den frühen Morgenstunden den Gehweg vor dem Wohnhaus aufgegraben und die Versorgungsleitungen von Gas, Wasser, Strom abgeklemmt, erläutert Wehrsprecher Benkert, um Gefährdungen von dieser Seite aus auszuschließen. Die Wehrleute, sagt er weiter, können in diesen Stunden nicht allzu viel machen. Um 10.30 Uhr war Wachwechsel, frisches Personal ist in die Wellesweilerstraße gekommen. Benkert: „Wir haben über Nacht eine durchgehende Brandwache gehabt. Jetzt sind schon alle durchgewechselt und die ersten schon das zweite Mal hier vor Ort.“ So geht es auch Neunkirchens Wehrführer Stefan Enderlein. Er war mit den ersten am Brandort am Sonntagmorgen und steht auch jetzt wieder vor dem Haus. „Ich war zwei drei Stunden daheim“, erzählt er. Ausgehend vom Keller hatte sich das Feuer am Sonntag in Windeseile ausgebreitet. Lehm- und Holzdecken, hölzernes Treppenhaus und teils mehrfach verschalte Decken sorgten für einen Kamineffekt. Ein Abbruch-Unternehmen wird im Laufe des Tages erwartet, um beim Dach beginnend Schutt und gefährliche Reste des Gebälks abzutragen. Der Leichenfund war zunächst eine vage Vermutung. Mit mehreren Anfahrten der Drehleiter wurde es aber im Laufe des Sonntagnachmittags traurige Gewissheit. Enderlein berichtet auch, er seien keine Rauchmelder im Haus gesichtet worden. Wer oben war, hatte keine Chance außer den Menschen, die rechtzeitig wach wurden und über die Drehleiter in Sicherheit kamen. Wehrsprecher Benkert erklärt in diesem Zusammenhang, Brände in der zweiten Nachthälfte seien besonders schlimm, da die Menschen in der Regel sehr tief schliefen.

Auch die Ermittler des Landeskriminalamtes sind vor Ort. Es heißt zunächst, sie seien am Vormittag bereits im Keller gewesen. Im Gegensatz zu den Geschossdecken gilt die Betondecke als stabil. Das bestätigt eine Sprecherin der Behörde zunächst nicht. Am Mittag heißt es, man hoffe, im Laufe des Tages zumindest die Leiche zu bergen.

Bürgermeister vor Ort

Auch Neunkirchens Bürgermeister Jörg Aumann ist vor Ort. Darauf angesprochen, dass es in der Straße in der jüngeren Vergangenheit mehrfach gebrannt hat, vor wenigen Wochen erst in der Wellesweilerstraße/Ecke Lisztstraße, spricht er von einem Landesgesetz in Nordrhein-Westfalen, das den Behörden eine gewisse Wohnungsaufsicht ermöglicht. Das sei in Neunkirchen leider nicht möglich. Die „Eigentümerstruktur“ in der Straße sei wohl dergestalt, dass kein großes Interesse an Investitionen bestehe. Es lebten Menschen in der Straße, die sich mit wenig zufrieden gäben. Aumann: „Das kann dann auch fatal enden.“

In den umliegenden Häusern schauen die Leute aus den Fenstern. Hinter der Häuserzeile sind auch einige in ihren Gärten. Die Polizei fragt jeden, der sich auf der Straße dem ausgebrannten Haus nähert, wo er hin wolle. Es ist eine schlimme Ruine, die die Schaulustigen anzieht. Zwei ramponierte Schornsteine ragen oben aus dem Dach. Und noch lange raucht und qualmt es dort oben, während die Helfer die Frage nach der Zahl der Todesopfer nicht beantworten können. Das Risiko, mit einem Betreten der Räume sich selbst in Gefahr zu bringen, ist einfach zu groß.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Haus in Neunkirchen komplett ausgebrannt - der Tag danach

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