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NABU startet Schneeleoparden-Webcam im Zoo Neunkirchen

Im Neunkircher Zoo : Schneeleoparden-Webcam gestartet

Der Nabu hat im Neunkircher Zoo wie bereits 2016 drei Geräte installiert.

Heute Morgen, halb zehn in Neunkirchen. Luisa liegt gemütlich zusammengekringelt in der Wurfbox und schläft. Die Schneeleoparden-Dame im Neunkircher Zoo darf das zu dieser Zeit, denn schließlich ist sie trächtig. Bereits bei einem Rundgang durch den Neunkircher Zoo Mitte März hatte es Norbert Fritsch der SZ erzählt: Die Schneeleoparden Sagar und Luisa werden wieder Eltern. Und weil der Zoo momentan geschlossen bleibt, man den Menschen aber trotzdem das Leben der werdenden Eltern und möglicherweise auch Geburt und Aufzucht nicht vorenthalten will, hat der Nabu wieder Webcams installiert. Drei Stück an der Zahl sollen, so der Nabu, die dazu dienen, „Naturfreunden die faszinierenden Schneeleoparden trotz derzeit geschlossener Zoos näher zu bringen und auf ihre Gefährdung aufmerksam zu machen“. Am Dienstag ist die Aktion gestartet.

Neben dem Blick in die Wurfbox können die Besucher der Website auch ins Außengehege gucken. Gleich zwei verschiedene Blickrichtungen gibt es da. Von Sagar ist gestern Morgen vor zehn Uhr beim Website-Besuch der SZ erst einmal nichts zu sehen. Dadurch, dass man die drei Webcams auf Bildschirmgröße vergrößern kann, wird das Miterleben erst richtig live. Die ruhigen und gleichmäßigen Atemzüge der Leopardin sind sogar zu sehen.

Bereits im Jahr 2016, als die Schneeleoparden zum ersten Mal Nachwuchs bekommen hatten, hatte der Nabu so die Geburt am 7. Mai und  dann noch für ein halbes Jahr die Aufzucht der Jungen in alle Welt übertragen. Am Bildschirm konnten die Menschen so beobachten, wie es den Zwillingen Anusha und Askar ging, wie sie sich entwickelten, wie sie spielten und fraßen.

„Mit der Schneeleoparden-Webcam möchten wir vor allem Wissen über eine stark gefährdete, aber leider relativ unbekannte Tierart vermitteln“, erklärte Nabu-Vizepräsident Thomas Tennhardt. „Die Zuschauer können die seltenen Schneeleoparden, die eigentlich so weit entfernt von uns leben, hautnah erleben, sie begleiten und verstehen lernen. Dies begreifen wir als Chance, über die beiden Neunkircher Schneeleoparden als Botschafter ihrer Art auf die dringliche Situation der freilebenden Schneeleoparden und ihre Schutzbedürftigkeit hinzuweisen“, so Tennhardt weiter.

Schneeleoparden gelten mit einem weltweiten Bestand von nur noch 4000 bis 6400 Tieren laut Roter Liste als „gefährdet“. In freier Wildbahn werden die scheuen Großkatzen, die in den kargen Hochgebirgen Asiens zuhause sind, vor allem wegen ihres schönen Fells, aber auch ihrer Knochen gejagt. Letztere sind beliebte Mittel in der traditionellen chinesischen Medizin. Der Nabu setzt sich seit 20 Jahren für den Schutz von Schneeleoparden in freier Wildbahn ein und konnte bisher signifikant zu einem Rückgang der Wilderei beitragen, so Tennhardt. In Deutschland gibt es insgesamt zwölf Zoos, in denen Schneeleoparden gehalten werden, darunter seit 2013 der Neunkircher Zoo, in dem das knapp acht Jahre alte Schneeleoparden-Pärchen lebt.

Den Zoodirektor freut das natürlich. „So kann den Menschen in Corona-Zeiten zumindest ein bisschen Zoo nach Hause gebracht werden.“ Mit den Schneeleoparden ist der Neunkircher Zoo auch im Zuchtprogramm, dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP). Und die Verantwortlichen dort haben die Fortpflanzung der Tiere genau im Auge. Die EEP hat in Neunkirchen in diesem Jahr wieder das Okay dafür gegeben, dass Sagar und Luisa wieder Eltern werden dürfen. Die Geburt ist laut Fritsch für den Frühsommer zu erwarten. Ziel des EEPs ist es laut Fritsch, in Zoologischen Gärten eine Reservepopulation von mindestens 200 genetisch möglichst unterschiedlichen Schneeleoparden zu bilden. Übrigens, so teilt der Nabu mit; Luisas Großmutter Dshamilja wurde in freier Wildbahn geboren und vom Nabu als Jungtier in Kirgistan aus den Händen von Wilderern befreit. Um ihr Leben zu retten, wurde sie damals nach Deutschland gebracht und gesund gepflegt.

Übrigens: Auf der Seite des Nabu gibt es nicht nur die Beobachtungsmöglichkeit der Neunkircher Schneeleoparden, hier kann man sich auch rund um die gefährdeten Tiere informieren.

 www.NABU.de/leos-live