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Mythen und Menschen bilden den roten Faden

Mythen und Menschen bilden den roten Faden

Es hätte ihr bestimmt gefallen. Doris Kunz, die vor einem Jahr nach sehr langer und schwerer Krankheit aus dem Leben gerissen wurde, ist die aktuelle Ausstellung im Neunkircher Rathaus gewidmet.

. Im Beisein vieler ihrer ehemaligen privaten oder VHS-Schüler und Mitstreiter aus dem Neunkircher Malkasten eröffnete Bürgermeister Jörg Aumann am Donnerstag die Werkschau, die es erlaubt, den künstlerischen Lebensweg der Wiebelskircher Künstlerin nachzuvollziehen.

Quasi an die Hand genommen wurden die Zuhörer dabei von Monika Maier-Speicher. Die Kunstpädagogin und Autorin ging dabei chronologisch vor, angefangen in den 1960er Jahren, aus denen die frühesten Bilder, zwei Kohlezeichnungen und ein kleines Ölkreide-Format, stammen. "Sie zeigen schon zwei Sujets, die sich wie ein roter Faden durch Kunz gesamtes Schaffen ziehen: der Mensch und die Mythen ." In Bezug auf eine der Figuren - halb Adler, halb Mensch - mutmaßte Monika Maier-Speicher: "In der Vorstellung der Malerin musste es eine übergeordnete ordnende Kraft geben, die sich wie ein Gewebe durch die erfassbare Wirklichkeit zieht." Was sie in die Nähe von Paul Klee und Paul Cézanne rücke.

Nicht viel Material liegt aus den 70er Jahren vor, der Phase der Familiengründung mit Ehemann Helmut und der Berufstätigkeit als Einrichtungsberaterin. Symptomatisch sei die Wahl ihres damals bevorzugten Mediums gewesen: Pastellkreide, "die man bei einer Unterbrechung durch die Kinder schnell aus der Hand legen kann, ohne dass es zu unerwünschten Trocknungen kommt".

Mit Beginn des Ruhestandes widmete sich Doris Kunz verstärkt dem Malen und Plastizieren, wofür sie sich in Seminaren an der Kunstakademie in Trier und der Abendschule der Saarbrücker Kunsthochschule weiterbildete. Ihre Acrylbilder aus den 90er Jahren thematisieren Familie, Schwangerschaft und Geburt. "Die Familie war ihr immer wichtig", betonte Monika Maier-Speicher, die eine Art "Beseeltheit" auf allen Bildern ausmacht, die Familienmitglieder zeigen, wie etwa die beiden Töchter und den Sohn.

Ende der 90er Jahre begann Doris Kunz, die Leinwand mit Tonschlicker zu strukturieren. Durch die Sprödigkeit des Materials, das beim Trocknen aufreißt und "Wunden" bekommt, erhalten diese Werke etwas Verletzliches.

"Ab 2010 erscheint ein neues Element in den Gemälden: Collagematerial aus Plexiglas". Charakteristisch ist das Werk "Häutung": "Die zurückgelassene Haut steht hier symbolisch für Verwandlung, für Wanderung und Neuerung - ein Prinzip, das im Verborgenen die ganze Natur durchwaltet", so Monika Maier-Speicher. Das Vermächtnis von Doris Kunz ist nicht zuletzt ein Plädoyer für Individualität und Selbstbestimmung: "Sie verfolgte mit klarer Beständigkeit ihren Weg, ohne sich selbst fremd zu werden, ohne einen Weg zu nehmen, den andere vorgesehen hatten."

Davon überzeugen kann man sich noch bis 4. März während der regulären Öffnungszeiten des Rathauses.

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