Musiker mit Mission

Wustweiler/Berlin. Stefan Biehl, der Mitorganisator des Benefizfestivals Wustock, wurde gestern von Bundespräsident Joachim Gauck beim Neujahresempfang im Schloss Bellevue in Berlin ausgezeichnet (wir berichteten). Er ist einer von 60 verdienten Bundesbürgern, die eine solche Ehrung erfahren. Biehl bekommt sie, wie es heißt, weil er sich um das Gemeinwohl besonders verdient gemacht hat

Wustweiler/Berlin. Stefan Biehl, der Mitorganisator des Benefizfestivals Wustock, wurde gestern von Bundespräsident Joachim Gauck beim Neujahresempfang im Schloss Bellevue in Berlin ausgezeichnet (wir berichteten). Er ist einer von 60 verdienten Bundesbürgern, die eine solche Ehrung erfahren. Biehl bekommt sie, wie es heißt, weil er sich um das Gemeinwohl besonders verdient gemacht hat. Im Anschluss an das Defilee der insgesamt 220 Gäste im Langhanssaal von Schloss Bellevue lud der Bundespräsident die Bürger zu einem Mittagessen in den Großen Saal seines Amtssitzes ein, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Stefan Biehl reiste stellvertretend für 17 Helfer, die dem Wustock-Team angehören. Diese Ehrenamtlichen haben bei bisher elf Festivals Außergewöhnliches geleistet: Sie opferten jede Menge Freizeit an den Festivaltagen, organisierten im Vorfeld das Event und räumten nach dem Festival wieder auf. Der Reinerlös kann sich sehen lassen: 120 100 Euro Reinerlös spendeten sie an gemeinnützige Organisationen. "Wustock ist aber mehr als die Arbeit eines Teams", fasst Werner Biehler zusammen. "Das ehrenamtliche Engagement aller Beteiligten - der Musiker, die ohne Gage auftreten, der zirka 150 Helfer, der Gäste, die auch bei ungünstigem Wetter mitfeiern, und aller anderen Sponsoren und unterstützenden Organisationen - hat Wustock so erfolgreich gemacht", berichtet er der SZ auf Anfrage stolz. Auslöser dieser Erfolgsgeschichte waren zweifelsohne die Gesangsbarden RüJupp (Rüdiger Ulrich und Stefan Biehl). Sie spielten 1987 erstmals gemeinsam am Kleinkunstabend des Wustweiler Dorffestes zusammen. Das Duo RüJuppMix war geboren und absolvierte danach viele gemeinsame Auftritte auf öffentlichen Bühnen oder privaten Feiern. Zehn Jahre später feierten sie ihr Bühnenjubiläum mit der Idee: "Wir wollen eine Benefizveranstaltung auf die Beine stellen", erzählten die Musiker damals ihren Bekannten. "Kaum war die Idee ausgesprochen, erklärten sich auch schon viele Freunde der beiden bereit, bei den Vorbereitungen zu helfen. Das wiederum war die Geburtsstunde des Wustock-Teams", erinnert sich Biehler. Der Name "Wustock" war natürlich auch gleich gefunden, in Anlehnung an das legendäre "Woodstock", das 1969 im Bundesstaat New York unter anderem Joe Cocker berühmt machte. "Wustock" hat natürlich seine eigene Bedeutung. Es steht für die beiden Initiatoren, die aus Wust(weiler) stammen und am Stock(berg) wohnten. Kreiert wurde diese Namenschöpfung beim Philosophieren in bierseliger Laune von Zapp (Josef Lieser). Das erste Festival fand im Juni 1997 an der Seelbachhalle statt. Viele Veranstaltungen folgten und zwar immer in den Jahren, in denen kein Dorffest in Wustweiler stattfand. Die Fangemeinde ist mittlerweile riesig, die überregionale Bedeutung der Veranstaltung ist enorm. Selbst der Nachwuchs ist Feuer und Flamme für dieses Festival. Wenn die Eltern sich von der Musik berieseln lassen, feiern sie beim "Wustöckchen" ihr eigenes Festival mit vielen kreativen Ideen unter der Anleitung der ehrenamtlichen Helfer.

2007 erhielt das Wustock-Team den Förderpreis Ehrenamt der Landesregierung und einen Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Pro Ehrenamt; 2009 wurde Wustweiler als "KulturOrt Gemeinde im saarländischen Sommer 2009" wegen "Wustock" ausgezeichnet. Die Krönung für das vorbildliche Engagement aber erlebte stellvertretend Stefan Biehl gestern mit beim Empfang des Bundespräsidenten.

Auf einen Blick

 Stefan Biehl und Rüdiger Ulrich sind RüJupp, die Initiatoren des Wustock-Benefizfestivals. Foto: SZ-Archiv
Stefan Biehl und Rüdiger Ulrich sind RüJupp, die Initiatoren des Wustock-Benefizfestivals. Foto: SZ-Archiv

Unterstützt wurden vom Wustock-Team mit den Reinerlösen der elf bisher durchgeführten Festivals die Organisationen: Regionalgruppe Saar/Pfalz der Mukoviszidose-Hilfe, die Initiative zur Betreuung Schwerstkranker und ihrer Angehörigen, das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" für das Kinderzentrum in El Alto/Bolivien, SOS-Kinderdorf für ein Kinderdorf in Abuja/Nigeria (Afrika), Kindergarten Wustweiler, eine in Not geratene Familie in Wustweiler, das Rumänienprojekt "Lausbubendorf" und das Projekt "Tosunga" von Christine und Tobias Schmitt. bd