Mondscheinmarkt mit Schönheitsfehlern

Neunkirchen · Mehr Mittelalterliches, dafür weniger Modernes hätten sich viele Besucher des Mondscheinmarktes gewünscht. Das Ambiente stimmte nicht auf der ganzen Fläche des Neunkircher Stummplatzes.

 Die Feuertänzer aus der Pfalz zogen die Zuschauer beim Mondscheinmarkt auf dem Stummplatz in ihren Bann. Fotos: Willi Hiegel

Die Feuertänzer aus der Pfalz zogen die Zuschauer beim Mondscheinmarkt auf dem Stummplatz in ihren Bann. Fotos: Willi Hiegel

. "Wir können jetzt noch Feuer machen oder Schluss", überlässt der Herold dem erlauchten Publikum galant die Entscheidung. Die fällt nicht ganz überraschend zugunsten der Feuertänzer aus, die sogleich flammende Eisen wild herumschwingen und Feuerkugeln über einstmals behaarte Körperteile wandern lassen. In gut 90 Minuten, wenn der Halbmond wieder ein Stück gewandert ist, wird es Mitternacht schlagen. Der Mann mit dem Gemüsehobel hat schon aufgegeben. Sein leerer Tisch am Stummdenkmal fällt nicht weiter ins Gewicht, es gibt ja noch die vielen anderen Standbetreiber, die mit den "japanischen Massagestäbchen mit Anleitung", die mit den Glücksringen, mit den "Happy Socks", mit Keramikwichteln, mit Wollpullovern, Türkränzen und und und, von denen fast alle bis 24 Uhr ausharren.

Mondscheinmarkt in Neunkirchen . Wäre es nach Sonnenuntergang um 19.07 Uhr nicht so dunkel gewesen, könnte man fast sagen: Er war vom großen Jubiläum im Saarpark-Center überschattet. Oder wie es einer der Händler ausrückte: "Die Leute geben das Geld im Center aus und für uns hier draußen bleibt kaum etwas übrig." Tatsächlich drückten sich Massen durch die überdachte Ladenstraße. Wer sich doch raus traute, wurde vor allem kulinarisch reich belohnt: Angefangen von "wilden" Rostwürsten über Räucherfisch und mexikanische Burritos (gefüllte Teigtaschen) über Flammkuchen und Chips aus frischen Kartoffeln bis hin zu heißen Maronen und Donuts, Matcha, Cocktails und Glühwein.

Das Ambiente stimmte - allerdings nur in einer Ecke des Marktes. Dort, wo die Stände aus Holz und mit Leinentüchern überdacht waren, wo Kerzen brannten und Handwerkliches aus Wolle, Metall, Holz und edlen Steinen feil geboten wurde. Hier schlug Dobo Domani, der Grinsegreis, die Trommel. Begleitet wurde er von zwei holden Maiden, die den Dudelsack so trefflich zu spielen verstanden. Gezaubert wurde auch und Anita, die Stelzenfrau, verlieh als Feuervogel der Szenerie etwas Mystisches.

So weit, so mittelalterlich. Als anderes Extrem lockte am anderen Ende des Platzes "Sensations"- und "Jedes Teil nur ..." -Angebote. Das hätte jetzt nicht unbedingt sein müssen, fand Kerstin Brück aus St. Ingbert. Trotzdem habe sich der Weg gelohnt: "Das Angebot ist vielfältig." Und wenn man unter der Woche keine Zeit hat wie sie, sei so ein Wochenmarkt nachts eine gute Idee. Für Hanne Zimmermann, die mit Wolle und recycelter indischer Sari-Seide am Kaufhof stand, lief es "nicht umwerfend. Ich habe nur Lavendelblüten und Seife verkauft" - ganz anders als bei den Mondscheinmärkten in Völklingen und Merzig. Allerdings weiß sie auch: "Markt ist wie ein Spiel. Mal gewinnt man, mal verliert man." Eher zu den Gewinnern zählte sich das Optiker-Ehepaar Lutz. Ihre Brillenaktion bekam viel Resonanz, sicher auch, weil sie dafür gezielt Kunden eingeladen hatten. "Der Markt zieht viele Auswärtige an", freute sich Andreas Lutz. Wobei etwas "mehr Stimmung und Deko" der Atmosphäre sicher zuträglich wären.