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Momentaufnahmen menschlichen Denkens und Fühlens

Walter Jene (r.) im Gespräch mit der Leiterin des Künstlerkreises, Annelie Scherschel-Freudenberger (l.), und Besuchern. Foto: Anika Meyer
Walter Jene (r.) im Gespräch mit der Leiterin des Künstlerkreises, Annelie Scherschel-Freudenberger (l.), und Besuchern. Foto: Anika Meyer FOTO: Anika Meyer
Neunkirchen. Walter Jene probiert in seinen Bildern gerne immer Neues aus, ob bei Technik, Material oder Motiv. Oft finden sich zeichnerische Elemente. Zur aktuellen Ausstellung gehört eine Studienreihe zu Händen und Füßen. ani

. Hände sind schwierig. Fast so schwierig wie Füße, eine Herausforderung für jeden Künstler. Deshalb hat sich Walter Jene in einer Reihe von Studien darin geübt. Doch er hat die Gesten in Beziehung zu Körperhaltungen und Gesichtsausdrücken gesetzt und so Momentaufnahmen menschlichen Denkens und Fühlens geschaffen - in Schwarz-Weiß und mit schneller, expressiver Pinselführung. In einem Bild hebt eine Frau die gefalteten Hände über den Kopf und streckt sich. Ein genüssliches Anspannen vor dem Entspannen. Auf dem Bild gegenüber hingegen sind die Hände verkrampft. Die Knöchel treten hervor und das zugehörige Gesicht zeigt in einem Anflug von Angst oder sogar Wahnsinn einen verzogenen Mund. Die Darstellung der Zähne jedenfalls war für den Künstler ein Leichtes: "Anatomisch korrekt", betonte er. Denn Jene ist Zahnarzt. Im Jahr 2000 hat er seine Praxis verkauft, um sich dem zu widmen, was er eigentlich schon immer machen wollte: dem Malen. Schon als Schüler hatte er gerne gemalt, sich dann aber dem Beruf und in der Freizeit Musik und Kabarett zugewandt.

In den letzten Jahren vor Aufgabe der Praxis hatte er dann wieder häufiger zum Pinsel gegriffen, meist nachts. "Als Ausgleich zur Arbeit. Als diese dann plötzlich wegfiel, kam es anders, als ich erwartet hatte. Ich fiel in ein tiefes Loch", erinnert er sich. Aber das ging vorüber - zum Glück, auch für die, die seine Bilder mögen. Und die sind zahlreich.

Auch "Insel-Kunst" auf Thasos


Bei der Vernissage der Ausstellung "Wege" am Donnerstagabend wurde es eng in der Galerie des Künstlerkreises Neunkirchen . Die hier zu sehenden Werkserien sind schon um jene Bilder reduziert, die auf Thasos ihre Käufer gefunden haben. Der gebürtige Saarbrücker hat vor 17 Jahren seinen Wohnsitz teilweise auf die griechische Insel verlegt und dort auch ausgestellt.

Außer den Hände-Studien sind in "Wege" auch Arbeiten zu sehen, bei denen er Gesten auf Folie in eine bemalte Leinwand einfügt hat, außerdem Farbflächen mit abstrakten Strichgebilden. Jene will sich bei Technik, Materialien und Motiven nicht festlegen: "Ich versuche bewusst, keinen Stil zu entwickeln. Dafür finde ich es viel zu spannend, Neues auszuprobieren." Was sich allerdings seine Arbeiten durchziehe, seien zeichnerische Elemente mit narrativem Anklang.

Die Leiterin des Künstlerkreises, Annelie Scherschel-Freudenberger, betonte bei der Laudatio, sie freue sich besonders über diese Ausstellung, da Gastkünstler sich den Galerieräumen auf neue Art näherten: "So hat Walter Jene im Nebenraum eine Art Ateliersituation geschaffen." Gerade durch die Vielfalt der Arbeiten entstehe ein dichter Kosmos seines Schaffen, in den der Betrachter eintauchen könne. Musikalisch untermalt wurde die Vernissage von Doc Schäfer alias Michael Schäfer aus Saarbrücken.

Die Ausstellung ist zu sehen bis Sonntag, 26. April.