Nistkasten Mit der Kamera im Vogel-Kinderzimmer

Kohlhof · Die ehemalige Rektorin Karin Jung dokumentiert das Schlüpfen und Aufwachsen der Vögel – Langeweile ist für sie ein Fremdwort.

  Karin Jung in ihrem Garten. Links am Baum ist der Nistkasten zu sehen, in dem die Kohlmeisen leben.

 Karin Jung in ihrem Garten. Links am Baum ist der Nistkasten zu sehen, in dem die Kohlmeisen leben.

Foto: Christine Schäfer

Karin Jung staunte nicht schlecht, als ihr Partner ihr vor einigen Jahren am 16. März ihr Geburtstagsgeschenk überreichte, obwohl sie im Oktober geboren ist. Er überraschte die Naturliebhaberin mit einem Nistkasten, in dem eine Kamera eingebaut ist, die Filme vom Schlüpfen und Aufwachsen von Vogelküken liefert, die man dann am heimischen Fernsehgerät verfolgen kann. In diesem Frühjahr lässt sich so der Nachwuchs einer Kohlmeisenfamilie beobachten. Doch der Nistkasten ist in diesem Jahr nicht zum ersten Mal bewohnt, in den vergangenen Jahren haben Vögel hier schon zwei Mal ihren Nachwuchs großgezogen. Die frühere Rektorin der Grundschule Wellesweiler hat mit detaillierten Tagebuchaufzeichnungen das Leben im Nistkasten festgehalten: Vom Legen der sieben Eier, von denen sechs ausgebrütet wurden, bis zum Schlüpfen der Jungvögel, die von den Eltern fleißig gefüttert werden. Nach der Nahrungsaufnahme rückt die Vogelmutter die Jungen wieder im Nest zurecht. „Ich könnte das stundenlang beobachten“, erzählt die 72-jährige, die an Vögeln vor allem der starke Lebenswille fasziniert und wie diese auch widrige Lebensumstände meistern. Auch die Kohlmeisenfamilie in Karin Jungs Garten hat schon einige Nächte bei Minustemperaturen überstanden. Sie finde das Aufwachsen der Vögel so faszinierend, dass sie auch andere Menschen daran teilhaben lassen wollte und sich deshalb an die Saarbrücker Zeitung gewandt habe. Wer Vögel beobachte, entdecke immer wieder etwas Neues. Am Datum des SZ-Besuches am 11. Mai hat sie beispielsweise in ihrem Tagebuch notiert, dass an diesem Tag zum ersten Mal der Kuckuck in ihrem Garten zu hören war.

Der Nistkasten, der die Kohlmeisenfamilie beherbergt, steht gemeinsam mit anderen Nistkästen und einem Bienenstock in einem Garten, in dem nach den Worten seiner Besitzerin alles wachsen darf, was dort hingehört. Mit Erdnussbutter und geschälten Sonnenblumenkernen unterstützt Karin Jung die Vögel an kalten Tagen bei der Nahrungssuche. Die Liebe zur Natur, die sie von ihrem Vater übernommen hat, versucht sie auch an ihre beiden Töchter, die fünf Enkel und zwei Urenkel weiterzugeben. „Wenn mein Vater früher Vögel gefüttert hat, haben sie sich teilweise sogar auf seine Hand gesetzt“, erinnert sich die ehemalige Schulleiterin, die sich jedes Mal freut, wenn sie ihre ehemaligen Schüler trifft und mitverfolgen kann, was aus den Kindern und Jugendlichen von damals geworden ist.

 Karin Jung

Karin Jung

Foto: Karin Jung
 Karin Jung

Karin Jung

Foto: Karin Jung
 Die Bilderserie zeigt die Eier, das Brüten und das Füttern der Jungvögel im Nest. Verschwommen zwar, aber doch sehr spannend.

Die Bilderserie zeigt die Eier, das Brüten und das Füttern der Jungvögel im Nest. Verschwommen zwar, aber doch sehr spannend.

Foto: Karin Jung

Karin Jung interessiert sich für viele Dinge. An den Wänden ihrer Wohnung hängen Bilder, die sie selbst gemalt hat und die beispielsweise die evangelische Kirche von Elversberg oder eine Ansicht von Rothenburg zeigen. Neben Kunst und der Beschäftigung mit Sternen hat sie auch ein Faible für Steine. „Teilweise haben wir die Steine selbst gesammelt, teilweise haben sie mir Freunde und Bekannte von ihren Urlaubsreisen mitgebracht“, erzählt die Pädagogin, die sich auch gerne mit Geschichte und hier besonders mit der des saarländischen Bergbaus beschäftigt. Auch dem Ursprung vieler Redensarten versucht sie auf den Grund zu gehen, beispielweise woher Redenarten kommen wie „Jemand hat einen Vogel“ oder „eine Meise “. Da Karin Jung auch Freude an Handarbeiten hat, häkelte sie für jedes ihrer Enkel- und Urenkelkinder einen Teddy. Bei so vielen Interessen glaubt man ihr sofort, dass sie Langeweile nicht kennt.

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