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Mit der Gärtnerin durchs Gartenjahr im Landkreis Neunkirchen: Der Winter

Mit Gärtnerin Christine Hoffmann durchs Gartenjahr : Still ruht der Garten zur Winterszeit

Christine Hoffmann ist Inhaberin der renommierten Neunkircher Gärtnerei Rebel. Im ersten Teil unserer Serie, in der die Gärtnerin und Diplom-Ingenieurin Umweltplanung durchs Gartenjahr führen wird, beantwortet sie die Frage: Was tut der Gärtner denn im Winter?

Es riecht so gut hier. Nach Tannen, nach Blüten, nach Hier-will-ich-gar-nicht-mehr-weg. Aus den Vasen auf dem großen Tisch schillert es in buntesten Farben. Ansonsten dominiert rot die Räume: Als Weihnachtsstern in allen Größen oder aber auch als Deko. Im Geschäft am Hauptfriedhof in Neunkirchen weihnachtet es sehr. Hier wirkt Christine Hoffmann mit ihren Mitarbeitern. Aber nur dann, wenn sie nicht gerade in ihrer Gärtnerei in Neunkirchen tätig ist. Oder auf dem Friedhof. Christine Hoffmann führt seit 13 Jahren die renommierte Neunkircher Gärtnerei Rebel. Dort hatte die heute 42-Jährige auch gelernt. Nach dem Gesellenbrief hatte sie allerdings erst einmal anderes vor, studierte zur Ingenieurin für Umweltplanung. Doch die Liebe zu den Pflanzen war stärker. Hoffmann machte sich 2006 selbstständig in Sachen Grabpflege. Als Walter Rebel dann dringend einen Nachfolger suchte, war Hoffmann zur Stelle. 2000 Quadratmeter Gewächshausfläche verteilt auf sechs Gewächshäuser, ein Geschäft bei der Gärtnerei, eins am Hauptfriedhof in Furpach hat sie unter sich. Dazu kommen Pflegegräber. Der Ehemann hilft mit und Angestellte gibt es natürlich auch.

An Arbeit mangelt es Hoffmann das ganze Jahr über nicht. Wie sieht das aber zurzeit aus? Was macht der Gärtner im Winter? „Aufräumen und Ordnung machen kann man immer“, gibt die Diplom-Ingenieurin den Tipp für den Gartenfreund, der gar nicht ohne seine Frischluft-Beschäftigung sein kann. Das war es aber dann auch schon. Pflanzen sollte man eher weniger, sprich lieber gar nicht. Das gilt auch für Obstbäume, deren Pflanzzeit normalerweise kommt, sobald das Laub abfällt. „Die bewurzelten Bäume, die kann man noch länger einpflanzen als die in Containern, die drückt dann nämlich der Frost gerne raus.“ Am besten aber: Mitte bis Ende Oktober sollte man die Pflanzungen abgeschlossen haben. Bis dahin sollte auch alles, was keinen Frost mag, wie beispielsweise Olivenbäume, in Sicherheit gebracht oder entsprechend geschützt sein. Und wenn man’s verpasst hat? „Ob die Pflanze überlebt hat, das wird man erst im Frühjahr feststellen“, sagt Hoffmann. Allerdings: falls die Pflanze matschig ist, kann man sich das verspätete Schützen auch sparen. Dann hilft nur noch der Kompost. Und übrigens: Auch die wenigen Pflanzen, die im Winter blühen, müssen bereits vorm Frost gesetzt worden sein. Christrosen gehören dazu, die blühen zurzeit gerade und das längst nicht nur in Weiß. Und auch die Hamamelis, die Zaubernuss, ist eine Winter-Blüh-Pflanze. Lange dauert es ja auch nicht mehr, bis man sich an den nächsten Blüten freuen kann: Schneeglöckchen und Haselnuss beispielsweise kommen schon im Januar. Kurze Zeit später die Forsythien. Erzwingen lässt sich ein blühender Garten nicht. Gerne, so weiß die Gärtnerin, werden in der Vorweihnachtszeit Zwiebelgewächse wie Hyazinthen gekauft. Die blühen in der Wohnung gar wunderbar. Doch Achtung: Draußen werden sie den Frost nicht überleben.

Während dies berühmte Väterchen zurzeit schon mal wintergemäß  im Freien wütet, hat Hoffmann in ihrer Gärtnerei den Frühling in Arbeit. In drei ihrer sechs Gewächshäuser werden Frühlingsblüher gezogen: Primel und Stiefmütterchen. Die anderen drei Häuser warten drauf, dass hier im Januar die Aufzucht der Geranien startet. Parallel zum Frühjahr in den Gewächshäusern läuft auf den Friedhöfen noch die Weihnachtszeit: Weihnachtliche Schalen für die Gräber werden gepflanzt, Gestecke und weihnachtlicher Schmuck und letzte Säuberungsarbeiten stehen noch an, dann heißt es auch hier: Warten aufs Frühjahr. Hoffmann freut sich darauf, Jahr für Jahr wieder: „Wenn man endlich wieder raus kann, es endlich wieder los geht.“ Den Start der ersten Arbeiten im Gartenjahr diktiert das Wetter. Hoffmann erinnert: „Es gab Jahre, da war es im Februar 20 Grad warm und andere, da gab es im März noch Frost.“ Klar ist auf jeden Fall, los geht es mit Schneidearbeiten: Das Stutzen von Rosen und Gräsern eröffnet die Gartenarbeit. Aber jetzt ist erst mal Ruhe angesagt. „Die Ruhe ist wichtig“, sagt Hoffmann.

Dass die Menschen in diesem Corona-Jahr die Liebe zu Heim und Garten – auch notgedrungenermaßen – ganz neu entdeckt haben, das hat die Gärtner-Branche ganz besonders gemerkt. „Es war der absolute Wahnsinn“, sagt Hoffmann, und meint damit vor allem den Run auf die Gemüsepflanzen (ja, die zieht sie auch noch). „Es war extrem viel mehr als sonst. Man hat gemerkt: Alles, was aus dem Garten kommt, fanden die Menschen auf einmal gut.“ Besonders in Erinnerung ist ihr der Muttertag. „Da hatten wir hier alle in der Branche den Tag unseres Lebens“, lacht sie. Schließlich sei da zum einen das Kaufen nochmal möglich gewesen und zum anderen vor allem auch eben der Besuch bei Muttern nach langem Lockdown. Und noch eins wird von diesem Jahr in ihrer Erinnerung bleiben: Hochbeete. „Ich glaube, jeder, der einen Garten hat, hat sich in diesem Jahr ein Hochbeet gebaut. Es verging kaum ein Tag, an dem nicht mindestens einer bei uns war und wissen wollte, wie man das pflegt“, erinnert sie sich. Und weil man keinen Rat schuldig bleiben will und immer viel zu tun ist und man hier nicht dran glaubt, dass im kommenden Jahr so schnell alles wieder beim Alten ist, überlegt Christine Hoffmann, ein Faltblatt in Sachen Hochbeet zu entwerfen, dass man dann Interessenten mitgeben kann.

Und wie sieht das bei einer Gärtnerin eigentlich aus in Sachen Lieblingsblumen, oder mag man in seiner Freizeit da lieber gar nichts mehr sehen? Doch, das mag man, und wie. „Orchideen“, lächelt Hoffmann auf die SZ-Frage, „aber ganz spezielle.“ Die sammelt sie. Privat. Zu kaufen gibt es diese Arten nicht.