Mit Baumwolle gegen Plastiktüten

Die Idee, an einem Samstag im Monat den Einkauf statt in Plastiktüten in Stofftaschen zu packen, soll in der Neunkircher Innenstadt verwirklicht werden. Damit würde das Umweltprojekt in die Tat umgesetzt, mit dem die Klasse 7c der Ganztagsgemeinschaftsschule beim Wettbewerb „Sauberes Neunkirchen – Mach mit!“ einen der drei Hauptpreise gewonnen hat.

. Eigentlich sind sie alle Gewinner, die Schüler der 13 Klassen der GGS Neunkirchen , die am Wettbewerb "Sauberes Neunkirchen - Mach mit" teilgenommen haben. Neben den Anforderungen des Schulalltags haben sie sich Zeit genommen, möglichst nachhaltige Umweltprojekte zu entwickeln.

Am Dienstagabend waren die Schüler , ihre Lehrer, aber auch Eltern und Geschwister im proppenvollen Saal des Kommunikationszentrums (Komm) in der Kleiststraße sehr gespannt darauf, wer denn nun einen der drei Hauptpreise über 333 Euro für die Klassenkasse gewinnen würde.

"Mit so vielen Leuten haben wir gar nicht gerechnet", beteuerte Horst Herrmann vom Bürgerstammtisch Unterstadt, der in Zusammenarbeit mit dem Stadtteilbüro Neunkirchen in Person von Stadtteilmanager Wolfgang Hrasky bereits viele Projekte zur Verbesserung des Wohnumfeldes in der Innenstadt auf die Beine gestellt hat.

Und vor so vielen Leuten das erste Mal aufzutreten, war zunächst einmal für zwölf Schüler der Klasse 6a eine besonders Herausforderung. "Alle sind brutal aufgeregt", bekannte Musiklehrer Tobias Lyding, zu dessen Gitarrenklängen die Jungs und Mädchen den Song "Zuhause" von Adel Tawil interpretierten. Mit der Liedzeile "gemeinsam schaffen wir Großes" hätte man durchaus auch den Abend überschreiben können. Denn es ist tatsächlich eine große Aufgabe, eine Stadt wie Neunkirchen sauberer und damit l(i)ebenswerter zu machen.

Betriebshofchef Peter Voigt, der in der Jury saß, kann davon selbst ein Lied singen. "Seine Leute sind Tag für Tag auf unseren Straßen unterwegs, und versuchen, diese sauber zu halten", sagte Bürgermeister Jörg Aumann . "Mutige Bürger" brauche es, um andere auf ihre Nachlässigkeit mit der Umwelt aufmerksam zu machen. Und auch wenn nicht alles umgesetzt würde, was die Schüler der GGS vorgeschlagen haben, so appellierte Aumann dennoch an die Zuhörer: "Die Stadt gehört uns allen, es ist eigentlich unser Wohnzimmer."

Mit Stolz erfüllt es den Schulleiter der GGS, Clemens Wilhelm, dass seine Schüler nicht wegsehen bei Problemen. Das pädagogische Konzept der Schule, übrigens 35 Seiten stark, beginne mit einem klaren Bekenntnis zur Stadt Neunkirchen . Ein Ziel sei es, Schüler zu mündigen Bürgern zu erziehen und ihnen etwas zuzutrauen. Die Teilnahme an dem Wettbewerb bestätigte dieses Vertrauen.

Die Ärmel hochkrempeln und selbst Müll einsammeln - dazu waren einige Klassen bereit. Dann wollte etwa die Klasse 8c den Müll in "einfach erstellbaren Ställen" an markanten Plätzen in der Stadt ausstellen, damit jeder Bürger sich des Problems bewusst wird. Selbst gestaltete Flyer sollten an die Verantwortung der Menschen für ihre Stadt erinnern. Für diese Projektidee erhielt die Klasse 8c einen der drei Hauptpreise über 333 Euro.

"Wieso sollte man dieses ernste Thema nicht mit Spaß verbinden?", fragten die Schüler der Klasse 11b, die für ihren "sprechenden Mülleimer" ebenfalls einen Hauptpreis erntete. Die Idee dahinter: Der Mülleimer "antwortet" auf jeden Einwurf und leuchtet auch noch nachts. "Extrem cool", wie die Schüler finden. Aber leider auch teuer in der Anschaffung, sodass sich die siebenköpfige Jury doch dafür entschied, den dritten mit einem Hauptpreis belohnten Wettbewerbsbeitrag der Klasse 7c in die Tat umzusetzen. "Helft uns, damit am ersten Samstag im Monat statt Plastiktüten nur noch Stofftaschen beim Einkaufen verwendet werden", bitten die Schüler . Millionen Plastiktüten landeten in der Natur und im Meer und stellten für die Fische eine große Gefahr dar. Mit "Juhu"-Rufen quittierten die Jungs und Mädchen die Bekanntgabe der Jury, die noch einen Sonderpreis an die Klasse 6a über 100 Euro vergab. Diese hatte einen viereinhalbminütigen Videofilm gedreht, der auf überspitzte (und witzige) Weise die Botschaft rüberbrachte: "Wenn jeder etwas mehr Verantwortung übernimmt, kann die Stadt sauberer werden."

Zum würdigen Ausklang eines gelungenen Abends sang die 17-jährige Schülerin Nathalie Bosche, begleitet von Schulleiter Wilhelm und Musik-AG-Leiter Mario Bartone, zwei a ktuelle Popsongs mit viel Gefühl.