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Metaller feiern mit historischen Eindrücken

Metaller feiern mit historischen Eindrücken

Historikervortrag, Film, Zeitzeugen: Es ging gestern bei der Feier der IG Metall in der Stummschen Reithalle um verschiedene Epochen der Gewerkschaftsarbeit. Den Begriff Solidarität wollen die Metaller hochhalten.

Wer zu einer 125-Jahr-Feier lädt, der hat sich in Sachen Historie gut vorbereitet. Und so hat auch die IG Metall gestern in der Stummschen Reithalle anstelle langer Grußworte auf die Erinnerungen ihrer Mitglieder gesetzt. Die reichen zwar keine 125 Jahre zurück, aber wo die Zeitzeugen passen müssen, gibt es ja noch die Historiker. Frank Hirsch von der Arbeitskammer des Saarlandes griff vor den etwa 140 Gästen zurück bis in die Anfänge der Gewerkschaft. Nahe dem Eingang zeigten Fotos Gewerkschafter aus vielen Jahrzehnten. Neben einem kurzen Film, der Material von vielen Befragungen auf 20 Minuten verdichtete, gaben drei Metaller ganz leibhaftig in einer Gesprächsrunde einen persönlichen Einblick in ihr Arbeits- und Gewerkschaftsleben: der langjährige Neunkircher Bevollmächtigte Georg Jung, die Betriebsratschefin von Saarstahl Neunkirchen , Ellen Neumann, und der Handwerker Reimund Lingstedt.

Das Jubiläum hat die IG Metall bereits im Sommer in Frankfurt groß gefeiert. Jörg Caspar, Erster Bevollmächtigter der Neunkircher Gliederung, erläuterte bei seiner Begrüßung in der Reithalle, man wolle aber auch in der Geschäftsstelle den Geburtstag würdigen, denn: "Gewerkschaftsarbeit findet nicht in irgendwelchen Zentralen, sondern vor Ort in den Betrieben und Geschäftsstellen der IG Metall statt." Bewusst habe die Gewerkschaft ihre Akteure aus den Betrieben eingeladen und auf "viel offizielles Tamtam verzichtet." Einen offiziellen Gast begrüßte Caspar dennoch persönlich: Neunkirchens Oberbürgermeister Jürgen Fried . Caspar ging in seiner Begrüßung auf den Begriff Solidarität ein: "Eine Tugend der Arbeiterklasse, hat man früher gesagt, aber sie ist hochaktuell." Gestern wie heute sei sie wichtig und notwendig.

Historiker Hirsch skizzierte in seinem Referat die drei prägenden Ereignisse der Gewerkschaftsgeschichte: Gründung, Nationalsozialismus und Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. "Diese Geschichte verlief nicht linear und war nicht nur eine Geschichte des Erfolgs. Nein, sie erlebte viele Brüche und Rückschläge." 1891 wurde in Frankfurt der Deutsche Metallarbeiterverband gegründet. Das geschah in der Zeit, in der Otto von Bismarck mit Sozialistengesetz und später Sozialgesetzgebung versuchte, der Arbeiterbewegung das Wasser abzugraben. Ohne Erfolg. Die Gewerkschaft wuchs, bis die Nazis die Macht an sich rissen. Hirsch erinnerte an die ganz dunklen Jahre deutscher Geschichte: "Gewerkschafter wurden verhaftet, entlassen, misshandelt." Gewerkschaftshäuser seien verwüstet, Vermögen beschlagnahmt worden. Die Deutsche Arbeitsfront löste die freien Gewerkschaften ab, demokratische Prinzipien waren dahin.

Die Arbeitervertretungen wurden damals auf dem falschen Fuß erwischt, es gab wenig Widerstand gegen die Nazis. Allerdings, so Hirsch, gingen viele Metaller in den Untergrund. Die Gründung der IG Metall datiert auf den 1. September 1949. Aber auch nach dem Weltkrieg, erläuterte er, gab es schwierige Phasen. Allein die Saar-Abstimmung 1955 habe zu einem Riss innerhalb der Bewegung gesorgt, ein Generalstreik mündete in "Polizeigewalt und Wasserwerfer-Einsatz". Erst in den 60er-Jahren sei es ruhiger geworden.

Die meist älteren Semester im Saal verfolgten die Ausführungen auf der Bühne geduldig. Live-Musik, ein gutes kaltes Buffet, eine Zigarette vor der Tür und das ein oder andere Gespräch unter Gewerkschaftern bereicherten den Abend.