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Wohl dem, der einen Mantel hatte
Mantel und Musik – das passt doch

Mantelsonntag in Neunkirchen. Fabienne Gutmann, Verkäuferin im Kaufhof, berät  bei der Anprobe eines Mantels.
Mantelsonntag in Neunkirchen. Fabienne Gutmann, Verkäuferin im Kaufhof, berät  bei der Anprobe eines Mantels. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Die „Saitenstraße“ lebt wieder auf. Am Neunkircher Hüttenberg ist diese werbewirksame Musik-Aktion besonders willkommen. Von Anja Kernig

Gut wer einen Mantel hatte – gestern, am Mantelsonntag. Einer steifen Brise und im unteren einstelligen Bereich dümpelnder Temperaturen wegen fror man sich sonst in der Neunkircher City ganz schnell die Nase ab. Trotzdem riss die Autoschlange aus Richtung Autobahn nicht ab. Das eine Angenehme mit was anderem Angenehmen verbinden konnte man bei Bücher König. Dort startete der viergeteilte Konzert-Marathon namens „Saitenstraße“: eine Veranstaltung, die es in Neunkirchen schon einmal gegeben hatte und die der Schutzverein wieder aufleben lässt. „Für und mit unseren Mitgliedern, das war uns das Wichtigste“, erklärte Vize-Vorsitzende Stephanie Behr-Schilhab. 146 Jahre gibt es den Schutzverein Neunkirchen schon, Bücher König erst 32. Immerhin lang genug, um schon mehrere Generationen fürs Buch zu begeistern. So auch Lisa Thul-Müller, stimmgewaltige Sängerin des Trios Alldieweil, das sein Konzert mit Stings „Englishman in New York“ startete. „Ich habe schon überall gesungen, in Kirchen, im Freien … aber noch nie zwischen so vielen tollen Büchern“, freute sie sich. Schon als Kind war das Geschäft für sie ein „großer Magnet“, damals noch am Hüttenberg. Wobei ihr besonders eine Schaufensterdekoration zur Raupe Nimmersatt in Erinnerung blieb.


Tradition hat ebenfalls das Angebot des Kirchenladens „Momentum“ auf der Bliespromenade. Unter dem Motto: „Auch Früchte tragen gerne Mäntel“ gab es dort Apfeltaschen und -krapfen zu Tee und Kaffee. „Wir möchten an so einem Tag präsent sein“, erklärte Pastoralreferentin Ute Wagner. „Viele unsere Gäste empfinden das Hiersein als Oase innerhalb dieses ganzen Treibens“, und dem damit verbundenen kommerziellen Rummel. Den verkaufsoffenen Sonntag sieht sie vor allem als Chance, mal fernab vom Alltags-Druck „Zeit miteinander zu verbringen“ und so ein Stück Lebensqualität zurück zu gewinnen. „Da geht es gar nicht unbedingt nur ums Kaufen.“

Ins Schwitzen kam die Sportgruppe von Laura Hautz aus Sulzbach. Sie verausgabten sich beim „Jumpen und Boxen“ auf Mini-Trampolinen im Kaufhof. Nebenan im Saarpark-Center lautete das Motto „Süßes – sonst gibt’s Saures“. Knirpse nahmen lange Wartezeiten auf sich, um geschminkt zu werden. Am großen Maltisch verpassten 20 und mehr kleine Künstler Hokaido-Kürbissen Gesichter. Darunter auch Maya (9) und Max (4) aus St. Ingbert, fachmännisch unterstützt von ihren Großeltern. „Ich mag Halloween eigentlich überhaupt nicht“, gestand Rita Schneider lächelnd. Zum Shoppen sei man bisher gar nicht groß gekommen. „Wir mussten erst mal Pizza essen“, danach noch ein Eis. „Aber wir kucken gleich noch nach Gummistiefeln.“ Mit zwei vollen Tüten bepackt war Melanie Winter, darin unter anderem „zwei Hosen und ein Shirt“. Für Weihnachtsgeschenke sei es noch zu früh, fand die kaufmännische Angestellte. Ihr Lebensgefährte Michael Groß freute sich schon auf den Restsonntag daheim auf der Couch, „Wahlergebnisse ankucken“.



Für Familie Thielen gab es erst sehr viel später Feierabend. Beteiligten sie sich doch mit ihrem Fachgeschäft für Sicherheitstechnik erstmals seit langem wieder am VoS. „Früher waren wir immer dabei.“ Als die Anzahl auf jährlich vier erhöht wurde, stieg Dieter Thielen aus. „Das bringt uns nichts.“ Tatsächlich verirrte sich gestern kaum ein Kunde auf den Hüttenberg. Erst zum Live-Konzert kam Leben auf – auch im Sporthaus Hoffmann, das seinen 125. Geburtstag mit Sonderangeboten, darunter einem „Oktoberfest-Gewehr“ („Holen Sie sich das besondere Schießerlebnis nach Hause – A Riesen Gaudi“) feierte.

Während bei Hoffmann noch italienische Stimmungsmusik mit Canto per Voi lief, stimmten sich Claudia und Dieter Thielen nebenanschon ein. „Normaler Weise spielen wir nur im Keller“, auf maximal zwei Auftritte pro Jahr bringen es Vater und Tochter. Als Duo Apfelbaum haben sie ein weitgefächertes Repertoire von Adele bis Klaus Hoffmann, zu dem auch „Die Zeiten sind hart“ von Peter Maffay gehört. Was ein wenig auf die Situation am Hüttenberg zutrifft, die als Dauerbaustelle den Geschäftsleuten ganz schön zu schaffen macht, so Thielen. Umso willkommener ist jede werbewirksame Aktion – wie eben die „Saitenstraße“, die sich gern wieder etablieren darf: am Mantelsonntag und überhaupt.

Saitenstraße in Neunkirchen. Das Trio Alldieweil unterhielt die Zuhörer bei Bücher König in der Bahnhofstraße. Und genoss es, mal zwischen Büchern zu singen.
Saitenstraße in Neunkirchen. Das Trio Alldieweil unterhielt die Zuhörer bei Bücher König in der Bahnhofstraße. Und genoss es, mal zwischen Büchern zu singen. FOTO: Jörg Jacobi