Lücke auf Arabisch schließen

Das Konzept, zweisprachige Erzieherinnen einzusetzen, um zugewanderten Eltern in deren Muttersprache den Kita-Einstieg zu erleichtern, ist ein „Baustein“ in der Konzeption für städtische Kindertagesstätten in Neunkirchen. Inzwischen gelingt über das Netzwerk Inte-gration beim Landkreis auch die Anbindung an Beratungsstellen.

Das Projekt "Mufabe" der Stadt Neunkirchen ist jetzt ein Jahr alt (siehe "Stichwort"). In seinen ersten Lebensmonaten ist es angenommen, inhaltlich auch ein Stück weiterentwickelt worden, steht allerdings mit Blick auf die Flüchtlingsfrage vor neuen Herausforderungen. Das stellen auf Anfrage unserer Zeitung Neunkirchens Erster Beigeordneter Sören Meng und Michael Becker, pädagogischer Leiter für die städtischen Kindertagesstätten , fest. "Mufabe" versteht sich als Integrationshilfe : Zweisprachige Erzieherinnen werden gezielt eingesetzt, um zugewanderten Eltern in deren Muttersprache den Ablauf und die pädagogischen Grundlagen des Kindergartens zu erklären (die SZ berichtete). "Das ist ein unkomplizierter, unbürokratischer Weg", skizziert Meng. Ein Neunkircher Weg, der auch auf Landesebene wahrgenommen und verfolgt werde.

Was Konzept-Entwickler Becker nicht voraussehen konnte, war die aktuelle Flüchtlingswelle aus Syrien: "Unser Kita-Pool deckt neben Italienisch und Französisch auch Türkisch, Kurdisch und Russisch ab. Was wir nicht haben, ist eine Erzieherin, die Arabisch spricht."

Noch drückt die Lücke nicht tagesaktuell, so Meng: "Aber syrische Kinder werden in unsere Einrichtungen kommen. Und es ist gut, dass wir mit Mufabe eine Infrastruktur geschaffen haben, dass es die Strukturen schon gibt. Darauf können wir aufbauen."

In den zurückliegenden Monaten hat "Mufabe" auch den "Sprung nach außen" geschafft, wie es sein Entwickler Becker formuliert. "Die Frage war doch: Wie schaffen wir die Anbindung an die Beratungsstellen , wenn Eltern Fragen an die Erzieher herantragen, die über das Kita-Konzept hinausgehen? Etwa rechtliche Fragen zum Flüchtlingsstatus. Diese Anbindung sei inzwischen gelungen, so "Netzwerker" Becker. Über Verbindungen zum Netzwerk Integration beim Kreis: "So kann Hilfe genau passend vermittelt werden."

Rund 200 Mitarbeiter zählen die städtischen Kindergärten und Krippen. Zehn Prozent, so Becker, sind beim Projekt dabei: "Für die 20 Kolleginnen bedeutet ihr Engagement auch eine immense Aufwertung ihrer Arbeit." Arabische Sprachkompetenz dazuzubekommen sei die große Herausforderung, so unsere Redaktionsgäste. In seinen zurückliegenden Bewerber-Runden, sagt Becker, sei genau eine Arabisch sprechende Bewerberin gewesen, "die wir dann aber nicht bekommen haben".

Derzeit könne keiner sicher vorhersagen, wie sich der Flüchtlingsstrom aus Syrien entwickle und was wirklich auf die Kommunen zukomme, so Meng: "Es ist ein Prozess und wir sind sensibilisiert." Für die Stadt Neunkirchen , die derzeit zur Profilschärfung eine Gesamtkonzeption für ihre Kitas und Krippen erstelle, sei "Mufabe" ein "Baustein".

Zum Thema:

Stichwort"Mufabe" ("Muttersprachliche fachliche Beratung von Eltern und Mitarbeiterinnen in Kindertagesstätten und Regelbetreuungseinrichtungen der Stadt Neunkirchen ") ist ein Konzept, um zugewanderten Eltern den Zugang in eine für sie völlig neue Kita-Welt zu erleichtern. Genutzt wird die Zwei- oder Mehrsprachigkeit von Mitarbeiterinnen in städtischen Kitas und Krippen. Fast alle "Mufabe"-Frauen haben selbst einen Migrationshintergrund. Sie werden im Bedarfsfall von einer Kita angefordert, von ihrer eigenen Kita dann "ausgeliehen". Wenn nötig, wird im Austausch Ersatz gestellt. cle