Kutscherhaus-Aktion : Kurz und schmerzlos: Kleine Open-Air-Tournee

Mittwochnachmittag, es ist heiß. Weiße Kreidekreuze schmücken den Stummplatz, auf dem so gar kein Bär steppt. Immerhin sind die Außentische der Gastronomie ganz gut frequentiert. Das Instrument hat Verspätung – das Instrument des Ein-Mann-Orchesters, ein bisschen technisches Equipment und zehn Personen, verteilt auf zwei städtische Transportwagen.

Da war der Zeitplan der Mini-Tournee namens „Das Kutscherhaus-Klavier kommt zu dir“ wohl doch etwas zu eng gestrickt.

Gestartet hatten die Musicalprojekt-Mitstreiter und Kutscherhaus-Aktiven im Evergreen Wohn- und Seniorenzentrum, um anschließend im Neunkircher Hospiz Musik quasi vom Lkw herunter zu präsentieren. Nina Sepeur, Hannah Cottone, Vanessa Wichterich und Tobias Sascha Schmitt erfreuten die Zuhörer mit einem Lieder-Medley der aktuell zwangspausierenden Neunkircher Musical-Produktion: „Meine Herren und Damen: Marie!“.

Letzte Station war der Stummplatz. Den hatten die Mitarbeiter des Ordnungsamtes am Morgen noch vorsorglich mit Markierungen versehen, Corona und Mindestabstands-Auflagen wegen. „Es gab lange kein Konzert mehr hier“, stellte Edda Petri fest, als sich ihr Team schließlich doch noch zu Füßen des Freiherrn von Stumm eingefunden hatte. Genau das muss sich ändern. Den Anfang machte also der Kutscherhaus Verein mit seiner Aktion. Am elektrischen „Piano“ begleitete Francesco Cottone, Musikalischer Leiter, das Quartett, das natürlich auch den Hit des Musicals, „Du und ich gemeinsam, das ist das kleinste Wir“, interpretierte. Als Höhepunkt griff mit Regisseur Matthias Stockinger ein Musical-Vollprofi zum Mikro. Statt blutrünstig als Graf von Krolock oder dramatisch als König Ludwig II. ließ es Stockinger in seiner Heimatstadt zunächst feierlich angehen: mit „Hallelujah“ von Leonard Cohen. Seine Entertainer-Qualitäten stellte er anschließend unter Beweis, als er das Publikum mal mehr, mal weniger erfolgreich zum Mitsingen animierte: „Ich war noch niemals in New York“.

Ein bisschen wie Musik aus der Konserve, so klang das bei Bücher König in der Bahnhofstraße. Was die Neugier von Inhaberin Anke Birk weckte und sie rüber pilgern ließ. Das hat sich gelohnt: Eine schöne Sache, befand die Buchhändlerin vor Ort, „das müsste man ausbauen“. Schade nur, dass relativ wenig Zuhörer zugegen seien. Was die Kreidekreuze auf dem Pflaster reichlich überflüssig erschienen ließ. Anke Birk selbst hat nichts von der Aktion gewusst. Deshalb könnten die Veranstalter das nächste Mal im Vorfeld ruhig etwas mehr die Werbetrommel rühren. Nach sechs Titeln und viel Beifall war wieder Schluss: „Wir kommen bald wieder“, versprach Integrationsmanagerin Edda Petri.