Kurze Wege, langer Atem

Merchweiler/Neunkirchen/Schiffweiler. Brav liegt Iva während des Gesprächs mit der SZ-Redakteurin zusammengerollt auf ihrem bunten Kissen. Ab und zu mal wirft die fünf Jahre alte Serbische Bracke einen aufmerksamen Blick auf Frauchen nebenan am Schreibtisch. Als dann fürs Foto das Aufbruchsignal in den Wald kommt, ist Iva schnell auf den Pfoten und mit der Nase vornweg

Merchweiler/Neunkirchen/Schiffweiler. Brav liegt Iva während des Gesprächs mit der SZ-Redakteurin zusammengerollt auf ihrem bunten Kissen. Ab und zu mal wirft die fünf Jahre alte Serbische Bracke einen aufmerksamen Blick auf Frauchen nebenan am Schreibtisch. Als dann fürs Foto das Aufbruchsignal in den Wald kommt, ist Iva schnell auf den Pfoten und mit der Nase vornweg. Iva ist der Hund an der Seite von Försterin Nina Dielschneider. Die 29-Jährige ist seit 1. September 2011 und der jüngsten Saarforst-Reform zuständig für das neu zugeschnittene Regionalparkrevier LIK Nord (siehe "Hintergrund", wir berichteten). Es umfasst 1650 Hektar Wald zwischen Schiffweiler im Norden, Merchweiler im Westen, Neunkirchen im Osten und Friedrichsthal im Süden.Eine detaillierte Karte ihres Reviers liegt aufgeschlagen in ihrem Büro auf der Rückseite des Zechenhauses am ehemaligen Grubenstandort Reden. Ein ganz wesentliches Arbeitsgerät: "Ich bin ja noch dabei, alles kennenzulernen", sagt Forstoberinspektorin Nina Dielschneider mit den nordhessischen Wurzeln. Schon der Großvater war Förster, die Eltern arbeiten als Tierärzte. "Manche Ecken kenne ich schon ganz gut. Der Kohlwald aber zum Beispiel, der ist noch unerforschtes Gebiet. Den habe ich mir für den Januar vorgenommen." Kennenlernen geht als Försterin nicht am Schreibtisch, da heißt es alles abfahren und ablaufen. Iva freut's.

Forstwirtschafterin Nina Dielschneider fällt mit ihrem Revier eine Sonderaufgabe zu: die Zusammenarbeit mit dem Zweckverband Naturschutzgroßprojekt "Landschaft der Industriekultur Nord". Da gibt es naturgegeben Berührungspunkte. Auch der Saarforst schreibt Naturschutz groß - man denke an Biodiversitätsstrategien, Renaturierung von Fließgewässern oder Baumschutzprogramme. Alte Baumbestände möglichst geschlossen erhalten, ist ebenfalls Ziel des LIK-Nord-Projekts. Übereinstimmung auch beim Thema "Entfichtung auf gewässerbeeinflussten Standorten" - Fichten in der freien Natur also da wegzunehmen, wo naturgemäß nicht ihr Platz ist. Berührung gibt es zudem beim touristischen Angebot von LIK Nord: "Ich werde schon öfter angesprochen zum Beispiel auf die Tour d'Energie, die wir als Saarforst ja auch umsetzen", sagt Dielschneider. Auf dieser zwölf Kilometer langen Strecke von Reden nach Göttelborn können sich die Elektroradler an 13 Stationen über den Klimawandel informieren. Und LIK-Nord-Geschäftsführer Detlef Reinhard seinerseits möchte mit dem Saarforst ein "Bürgerwaldkonzept" entwickeln. Neunkirchens OB Jürgen Fried, derzeit Verbandsvorsteher LIK Nord, nennt da vor allem den Punkt Wald als Naherholung. Bürgerwald - ein Thema, das Umweltministerium und Saarforst bereits aufgegriffen haben. "Wir stimmen uns ab über Maßnahmen, Zeitplan und Betriebspläne", sagt Reinhard zur Zusammenarbeit LIK Nord und Saarforst. Kurze Wege in doppelter Hinsicht: Reinhard schätzt die direkte Ansprechpartnerin. Und hat seinen Arbeitsplatz nur ein paar Meter weiter am Standort Reden. Der gerade im Entstehen begriffene Pflege- und Entwicklungsplan (PEPL) fürs Projektgebiet liefere der Revierförsterin "eine neue Inventur mit ganz starkem naturschutzfachlichem Inhalt", betont Reinhard weiter. Eine willkommene Datengrundlage zu Flora und Fauna, auf die Nina Dielschneider gern und neugierig zurückgreifen will. Kurze Wege, aber langer Atem: Den braucht Naturschutz.

Försterin mit Hund jeden Tag allein im Wald unterwegs - ist das nicht ein einsamer Beruf? "Man könnte da vielleicht schon zum Waldschrat werden", lacht Nina Dielschneider. "Aber in diesem Revier nicht. Das ist sein großes Plus. Hier gibt es sehr viele Kontakte." Im "ihrem" Wald sind eine Menge Menschen unterwegs - Spaziergänger, Jogger, Hundebesitzer, Reiter, Radfahrer: "Ich werde schon oft als Försterin erkannt und auch angesprochen." "Man könnte schon zum Waldschrat werden. Aber in diesem Revier nicht."

Försterin Nina Dielschneider über ihren Beruf

Hintergrund

Im Zuge der Reform des Landesbetriebs Saarforst ist die Zahl der Forstreviere von 18 auf 33 erhöht, die jeweiligen Revierflächen sind auf durchschnittlich 1500 Hektar verkleinert worden. Revierleiter erfüllen wieder alle Aufgaben - von Holz über Naturschutz und Jagd bis Waldpädagogik. Die Bürger haben je Revier einen Ansprechpartner. Insgesamt liegen im Kreis Neunkirchen von Saarforst betreute Wälder in sieben Forstbezirken (Revierkarte auf www.saarforst.de).

Kartenstudium im Redener Büro der Revierförsterin: Nina Dielschneider mit Jürgen Fried, Vorsteher Zweckverband LIK Nord, und Detlef Reinhard, Geschäftsführer des Zweckverbandes.

LIK Nord war 2009 Gewinnerregion beim Bundeswettbewerb Idee.Natur im Bereich Naturschutzgroßprojekte und ländliche Entwicklung. Hier arbeiten die Kommunen Friedrichsthal, Illingen, Merchweiler, Neunkirchen, Quierschied, Schiffweiler und die IKS (Industriekultur Saar) zusammen. Ihr Ziel: die vom Bergbau geprägte Landschaft erhalten und aufwerten. Etwa 13 Millionen Euro beträgt das Fördervolumen (Infos auf www.lik-nord.de). cle

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