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Kunst kann auch von Schrott kommen

Kunst kann auch von Schrott kommen

Ganztagsgemeinschaftsschule Neunkirchen stellt im Kommzentrum ihre Werke aus. Unterschiedliche Künstler schenken Schülern neue Impulse.

Auf dem Foto sieht man von Rauhreif versilbertes Herbstlaub auf einem Gullydeckel. Mittendrin zwei blaue Turnschuhe, in denen rot bestrumpfte Beine stecken - hier hat jemand offenbar mit der Kamera seine Füße verewigt. So unorthodox, kreativ und witzig kann Schülerkunst sein. Ganz viel davon gab es bei der Vernissage "Kunst in der Schule" im Kommzentrum Kleiststraße zu entdecken: klassische Aquarellbilder genauso wie Skulpturen oder Arbeiten, die mit Hilfe von Folien-, Salz- oder Schabetechnik entstanden sind. Eingeladen hatte die Ganztagsgemeinschaftsschule Neunkirchen, in die Künstler wie Uschi Bauer oder Peter Schmieden seit über vier Jahren "zusätzlichen Input bringen", wie es Schulleiter Clemens Wilhelm formulierte. Wobei es keineswegs immer um "schöne Kunstwerke" gehe, erklärte Steinbildhauerin Michaela Groß. Sie hatte diesmal mit Achtklässlern tagesaktuelle Themen aufgegriffen, Selbstjustiz zum Beispiel, virtuelle und reale Welt, Hunger und Krieg, Horroclowns und Cyborgs. Die Gedanken dazu flossen in die Herstellung zweier lebensgroßer Figuren ein. "Es war alles erlaubt, was das Material hergibt." "Frau Groß hat Schrott mitgebracht und wir haben uns überlegt, was man davon brauchen kann", erzählt Kyara (14). Aus alten Glühbirnenfassungen und noch älteren Gabeln und Messern formten die Schüler beispielsweise eine Wirbelsäule, aus einer defekten Tischlampe wurde eine Handwaffe.

Dezenter in ihrem Ausdruck, fast harmonisierend wirken die Bilder, die Schüler unter Leitung von Maler Günther Fries anfertigten. Mit Geduld und Einfühlungsvermögen lehrt er die AG-Mitglieder donnerstags, wie man eine Druckerpresse bedient. Dazu werden mit Walzen Farbe auf die Platte aufgetragen und einfache Muster gestaltet. "Das ist mal was anderes", lobt Sara (13) und Nina (14) bestätigt, dass diese künstlerische Arbeit sehr viel Spaß macht. Die AG hatten ihnen Mitschüler empfohlen. "Ein guter Tipp."

Ganz neu dazu gestoßen zu den Dozenten war in diesem Schuljahr Yannik Planta. Der 29-jährige Fotograf aus Saarbrücken sieht die Zeit mit den Jugendlichen als Ausgleich zu seinen Auftragsarbeiten, die sich meist im Studio abspielen. "Die Schüler sind so begeistert bei der Sache", freut sich Planta. Allerdings habe man sich auch gar nicht erst mit Blenden und Belichtungszeiten aufgehalten. "Die Technik ist relativ schwierig", im Automatik-Modus bekommt man auch geniale Bilder hin, wie die Ausstellung beweist. "Mir ging es mehr um Perspektiven, Farben, Licht und um Details", zählt der AG-Leiter auf. Einen bleibenden Eindruck hinterlässt die Vernissage nicht zuletzt durch die Jazz-Einlagen von Posaunist Christof Thewes mit Mario und Brice Bartone am Schlagzeug und Bass.