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Kultur pur im Doppelpack

Kultur-Schaffen auf Augenhöhe. Peter und Elfi Kleiß engagieren sich in Illingen. Foto: spe
Kultur-Schaffen auf Augenhöhe. Peter und Elfi Kleiß engagieren sich in Illingen. Foto: spe FOTO: spe
Illingen/Neunkirchen. Er, 65, ist frisch gebackener Rentner. Sein Beruf: Jazz-Redakteur. Seine Ausbildung: Germanist. Sie, 52, Architektin. Elfi Kleiß ist die Organisatorin der Illinger Jazz-Lounge. Ehemann Peter widmet sich der Literatur unter anderem mit einer neuen Reihe in Uchtelfangen. Am morgigen Freitag, 6. März, hat sie Premiere. Elke Jacobi

Elfi und Peter Kleiß sind ein eingespieltes Team. Ein Ehepaar, das viele, viele Gemeinsamkeiten hat, das sich aber auch gegenseitig die Grenzen absteckt. Das merkt man beim Besuch in der Redaktion an vielen Kleinigkeiten. An den Hunden beispielsweise. Zum Entspannen nämlich dient beiden der große Spaziergang mit den Hunden, so erzählt er. "Meinen Hunden", stellt Elfi lächelnd klar. Fürs Resultat ist das wurscht: Beim gemeinsamen Marsch durch die Wälder in der Umgebung von Illingen kann das Ehepaar so richtig abschalten. "Da müssen wir auch gar nicht reden", sind sie sich einig. Wie das halt so ist bei Menschen, die wissen, dass sie auf einer Wellenlänge liegen. Gemerkt, dass das so ist, haben sie einst im Mai. Um genau zu sein im Mai 2002. Damals war der Jazz-Redakteur dienstlich auf einem Festival, das Elfi besuchte. "Ich mag Jazz , seit ich 18 bin." Peter Kleiß war klar: "Ich muss was tun, wenn ich die Frau wiedersehen will." Also hat er nach der Uhrzeit gefragt. Nicht besonders originell, wie er auch damals schon wusste. "Aber ich hab sie ihm ja gesagt", strahlt Elfi ihn von ihrer Seite des Redaktionstisches an. "Eine Beziehung wird geprägt durch ihren Beginn", da ist sich Peter Kleiß sicher. Und wenn das für eine Beziehung zutrifft, dann ganz sicher für die der beiden. Kleiß zog von Saarbrücken ins Haus der Architektin. Dieses Haus, das "einlädt zur Kommunikation, aber auch Rückzugsmöglichkeiten bietet".

Kaum Illinger Bürger geworden, meldete sich der Musiker Jochen Krämer, die Illinger Jazz-Reihe - damals noch unter dem Namen Gumbo - war geboren. Kleiß hatte keine Zeit - aber eine Ehefrau, die sich trotz ausfüllendem Job und zwei Kindern gerne engagieren wollte. Nachdem der Illinger Musiker viel zu jung 2009 seiner schweren Krankheit erlag, übernahm Elfi. Noch immer wirken das Ehepaar Kleiß bedrückt. "Das war so schlimm. Seine Tochter war zwei Wochen alt, die hat er grade noch erlebt", erinnert sich Elfi Kleiß. In seinem Andenken hat sie den Jazz in Illingen zur Einrichtung gemacht. Aus Gumbo war die Jazz-Lounge geworden, ganz kreativ angelegt, Gespräche mit den Künstlern spielen eine große Rolle. Gerade hat sich das in der neuen Reihe "Frau und Klavier" noch einmal bestätigt: Die Menschen kommen längst von weiter her, wissen den Illinger Jazz und seine Rolle in der Kultur von Kreis und Land zu schätzen.

Vieles ist längst zum Selbstläufer geworden. Tingvall beispielsweise, die am Sonntag kommen, "da sind schon 200 Karten im Vorverkauf weg". "Für Jazz ist das irre", freut sich Peter Kleiß über den Erfolg seiner Frau. "Mittlerweile haben wir eine schöne Fan-Gruppe, die auch als Multiplikator dient", erzählt Elfi. Das Gezitter der ersten Jahre ist längst Geschichte. Dafür spricht auch der "Artist in Residence", in diesem Jahr Michael Wollny. "Der macht das, obwohl er grad Vater geworden ist und eine Professur hat." Dass er das übernimmt, das war alleine Elfis Idee. Dieses Selbstbewusstsein hat sie mittlerweile für ihre Jazz-Reihe. "Ich sagte: Der kann doch sowieso nicht", erinnert sich Peter Kleiß. Ein Zeichen aber auch dafür, dass der ehemalige Jazz-Redakteur seine Frau machen lässt, ihrem Sachverstand traut.

Er widmet sich jetzt anderen Dingen. Seit er selbst 2011 in der Berliner Landesvertretung während Jazz in den Ministergärten bei der Talkrunde "Lesen im Quadrat" zu Gast war und irgendwie mehr oder weniger zufällig mit moderierte, macht er dies nun regelmäßig. Ab diesem Jahr zwei Mal jährlich. Das läuft nach dem selben Schema wie die neue Lese-Reihe, die er gemeinsam mit Pfarrer Wawra jetzt in der von der evangelischen Kirchengemeinde in ehrenamtlicher Arbeit sanierten Alten Schule ins Leben gerufen hat. "Haste Töne" lädt Schreiber ein, die vor allem die Fähigkeit zur Kommunikation besitzen. Vorstellung, Gespräche in lockerer Atmosphäre - so soll es laufen. Premiere ist an diesem Freitag, 19 Uhr, mit Bernhard Stigulinszky. Auf dem Plan steht noch einiges: eine ehemalige Domina, ein Autor von Soap-Operas, der seinen ersten Krimi veröffentlicht, ein junger Science-Fiction-Autor . . . Und so nebenher macht er demnächst seine Ausbildung als Coach für perspektivische Entwicklung fertig.

Ruhepause - Fehlanzeige. Dazu kommen Haus und Garten und zumindest noch die beiden Kinder von Elfi, die noch zu Hause wohnen, 21 und 18 Jahre alt. Peters Kinder sind mit 45 und 32 aus dem Gröbsten draußen. Musik - auch das verraten sie noch im Redaktionsgespräch - hört zu Hause Elfi. "Ich habe da früher so viel hören müssen, ich will im Moment nicht mehr." Was aber nicht heißt, dass Konzertbesuche nicht auf dem Freizeitplan stehen. Oder lesen. Oder auch stricken: "Einfach nur da sitzen, das geht nicht", verrät Elfi. Wer hätte es gedacht . . . Und die Hunde, die sind schließlich auch noch da.



Zum Thema:

Auf einen Blick"Haste Töne" mit Bernhard Stigulinszky am Freitag, 6. März, 19 Uhr, Uchtelfangen, Alte Schule, Eintritt frei. Tingvall-Trio im Rahmen der Jazz-Lounge, Illingen, Illipse, Sonntag, 8. März, 19 Uhr, Eintritt 18 Euro, ermäßigt 15 Euro. red

Das Tingvall-Trio gastiert am Sonntag in Illingen. Foto: Kleiß
Das Tingvall-Trio gastiert am Sonntag in Illingen. Foto: Kleiß FOTO: Kleiß