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Kulinarische Hüttenwegsführung in Neunkirchen

Die Leckereien gibt’s am Schluss : Die kulinarische Hüttenwegsführung in Neunkirchen – Historischer Ausflug mit Überraschungen und saarländischen Tapas (mit Bildergalerie)

Als man im vergangenen Jahr mit den kulinarischen Hüttenwegsführungen startete, wurden sie schnell zum Selbstläufer. Die Teilnehmer erfahren viel über das Eisenwerk und die Familie Stumm. Und am Ende gibt es saarländische Leckereien in Stumms Brauhaus.

Die 20 Personen, die sich an diesem dämmrigen Spätnachmittag vor Stumms Brauhaus in Neunkirchen treffen, sind voller Vorfreude. „Wir haben schon viel Positives gehört und wollten das die ganze Zeit schon mal mitmachen“, sagt Inge Günder aus Hangard. Wir, das sind sie und Ehemann Axel. Und sie meint damit die kulinarische Hüttenwegsführung in Neunkirchen. Die gibt es seit dem vergangenen Jahr. Vier an der Zahl waren es damals – und die gingen weg wie die sprichtwörtlichen Semmeln. Im Frühjahr bot man die Tour zwei Mal an, diesen Herbst war die Führung mit SZ-Teilnahme die dritte, eine kam noch danach. Vier weitere folgen im Januar und Februar.

Saarländische Tapas

„Mit diesen Führungen können wir gut die Zeit zwischen den normalen Hüttenwegsführungen überbrücken“, erzählt Jutta Schneider. Die Wander-, Natur- und Landschaftsführerin Saarland wechselt sich dabei ab mit Heike Lissmann-Gräß. Die „Überbrückungsidee“ war in einer Dreierrunde geboren worden. Brigitte Neufang-Hartmuth, damals Pressestelle der Stadt Neunkirchen, Sigrid Getrey und Eric Karges, Inhaber von Stumms Brauhaus, haben die Idee aus der Taufe gehoben, erzählt Karges der SZ: Eine Hüttenwegsführung mit saarländischen Tapas zum Abschluss. Das Besondere: Diese Platte mit saarländischen Spezialitäten im Miniformat gibt es nur in Zusammenhang mit der Führung. Ausnahme: Auf besonderen Wunsch bereitet man sie auf Vorbestellung auch für eine Gruppe ab 15 Personen unabhängig von einer Führung zu, sagt Karges.

Auf der Platte findet sich ein Querschnitt durch saarländische Spezialitäten. Die gibt es alle auch solo auf der Speisekarte. „Aber manchmal kommen eben Leute zur Führung, die sind nicht aus dem Saarland, die wissen nicht, was das im Einzelnen ist und ob es ihnen schmeckt“, sagt Karges. Also entstand die Platte mit dem Angebot im Kleinformat. Die gibt es übrigens in zwei Variationen. Für Fleischesser ist darauf eine gute Portion mit Kerschdscher, Lyoner – quasi eine Lyonerpfanne –, garniert mit Spiegelei. Dazu gibt es Wurstsalat, Gefillde mit Specksoße, Dibbelabbes mit Apfelmus, Eierschmeer und Brot. Die vegetarische Variante besteht aus Mehlknäppscher mit Brotkrusties, Hoorischen in Pilzsoße, Pellkartoffeln mit Quark, Dibbelabbes mit Apfelmus und ebenfalls Eierschmeer und Brot.

Letzter Hochofen-Abstich vor 40 Jahren

Doch so weit sind die 20 Gäste noch lange nicht. Erst einmal gilt es einiges zu erfahren: Über die Stumm-Familie im Allgemeinen und über den Karl Ferdinand im Besonderen. Erste Station: Helme und Kopfhörer fassen. Via Kopfhörer kann Schneider plaudern, in jedem Ohr individuell angepasster Lautstärke. Erst einmal gibt es eine Zusammenfassung über das, was hier in Neunkirchen in Sachen Eisenwerk einst passierte. 24 Meter noch ist der Hochofen, so erklärt Schneider anhand des Modells. Da können sich die Teilnehmer schon mal aufs spätere Treppensteigen einstimmen.

Bis hierhin kennt Helge Sobh das schon. Vor 20 Jahren, so erzählt sie der SZ, hat sich schon mal eine Führung mitgemacht. Die kulinarische Führung ist jetzt wieder ein Geburtstagsgeschenk. Auf dem Platz vorm Kutscherhaus wird erst einmal angestoßen. Aus Stumms Brauhaus kommt das volle Tablett mit den vorm Führungsstart bestellten Getränken. Dieses Begrüßungsgetränk ist im Preis von 26,50 Euro inbegriffen. Hier, wo die Stumm-Familie einst ihr Wohnhaus hatte, wo der Kutscher lebte, die Tochter Reitunterricht bekam und der bis weit zur Kapelle der Familie reichende Park der Stumms war, gibt es weitere Hintergrundinfos. Bis vor 40 Jahren, so erzählt Schneider, der letzte Abstich am Hochofen war, hatte diese Gelände fast niemand betreten. Erst, als die Hütte geschleift war, entstand nach und nach das Ensemble, wie man es heute kennt, wurde es zur allgemeinen Nutzung.

Als die Hütte noch rauchte

Während die 20 an ihren Softgetränken oder den Bierspezialitäten des Brauhauses nuckeln, packt Schneider die großen Schwarz-Weiß- und Farbfotos aus ihrer Tasche aus. Bilder gibt es davon, wie es einst hier aussah, wie der Hochofen 1977 noch rauchte, die Stadt 1962 die große Hütteneinfahrt hatte dort, wo heute das Saarpark-Center steht, vom großen Sagefei, dem Einkaufladen, von Peka-Kaufhof und und und. Dann gilt es, die Helme festzuschnallen. Der Aufstieg naht. Richtung Gebläsehalle dröhnt es „wie einst zu Hüttenzeiten“, beschreibt es Schneider. Der Grund an diesem Tag: Gloomar-Festival in der Gebläsehalle. So kommen die Gäste aus nah und fern dank der Hüttenwegsführung in den Genuss des beleuchteten Hochofens. An dessen Fuß gibt es erste Infos: Über Stumms Sozialversicherung einerseits und die Sanktionen für Aufmüpfige auf der anderen Seite. Denen lauschen auch Gertraud Storch aus St. Wendel und Gilfe Kolb aus Kirkel. Kolb stammt eigentlich von der Norderney, lebt seit 20 Jahren im Saarland und hat von dem Angebot in der SZ gelesen. „Wir gucken immer, was so passiert im Land und tauschen uns dann aus“, sagt Storch, die bereits in den 70ern aus Baden-Württemberg hierher kam und sich noch erinnern kann, wie es war, als die Hüttenschornsteine noch rauchten. „Diese Führung“, da sind sie sich einig, „ist was Tolles.“ Vorm Hochofen-Aufstieg haben die Ü70-Jährigen Ehrfurcht, aber keine Scheu, dass sie ihn meistern werden. Und so wird es auch sein.

Rundum-Blick vom Hochofen

Dann wird es ernst. 18 Mutige steigen auf. Die restlichen zwei warten auf Ebene eins. Da guckt man auch schon weit. Und dank Kopfhörer bekommt man alles mit: Infos über die Gebläsehalle, über die geteilte Stadt, die Meisterhäuser, die Stumm zu verdankenden späten Stadtrechte – man erinnert sich: dieses Jahr feiert man 100 Jahre, übers Corona-Hochaus, Stumms Kirchenspende und seine Einmischung bei Heiratswilligen. Einmal Drumrum geht es, bevor der Abstieg beginnt. „Achtung hier wird es schmal“, „alles, was kleiner ist als ich: Kopf einziehen.“. Die Gruppe vervollständigt sich wieder und marschiert zur letzten Station: Der Gebläsehalle. In den Teil, in dem die Maschine steht und der dank Festival trotz aller Mühe nicht zu beleuchten ist. Handys sei Dank sieht man trotzdem genug vom wunderbaren V&B-Boden und der Maschine an sich. Marie Brachmann die mit ihren Großeltern an der Führung teilnimmt, lauscht gebannt Schneiders Ausführungen. Sie kommt aus Eppelborn und war „ganz erwartungsvoll“, denn sie wollte unbedingt mal sehen, „wo mein Papa arbeitet“. Der ist nämlich bei Saarstahl beschäftigt.

Nach zwei Stunden wird es Zeit für die Endstation. In Stumms Brauhaus am Fuße des Wasserturm warten die saarländischen Spezialitäten. Es ist Samstagabend und der Gastraum rund um den Kessel ist gut gefüllt. Für die Teilnehmer der Hüttenwegsführung ist das Jägerstübchen, ein Nebenraum reserviert. Timo Wagner nimmt die Bestellungen auf, die Zahl der vegetarischen Tapas-Platten wurde bereits bei Anmeldung angegeben. Zügig bekommen die Teilnehmer die Leckereien serviert – allseits zufriedene Gesichter sprechen für sich. Auch Annabelle Sticher-Österreich von der Tourist-Info in Ottweiler hat es geschmeckt. Wer möchte, der genießt noch das urige Ambiente unter Jägertrophäen mit Nikolausmützen und eine der drei Brauspezialitäten des Hauses: helles Untergäriges, dunkles Untergäriges oder fruchtiges Weizen. Resonanz: Durchweg positiv.

Durchgehend warme Küche

„Die Resonanz der Leute ist so positiv“, sagt Eric Karges, der Stumms Brauhaus seit dem 1. Januar 2008 führt, im Gespräch mit der SZ, „einige Leute sind sogar schon drei Mal mitgegangen.“ Aber auch unabhängig von den Führungen ist die Platte mit saarländischen Tapas vor allem bei Geburtstags- oder anderen Feiern sehr beliebt. Ohne Führung für Gruppen ab 15 Personen kostet die Inklusive Getränk 22,50 Euro. Die kulinarischen Führungen sind für Gruppen ab zehn Personen zu jeder Jahreszeit buchbar und kosten dann 26,50 Euro.

Wer unabhängig von Feiern oder Festen und auch ohne vorherige Hüttenwegsbesteigung saarländische Spezialitäten kosten möchte, der hat dazu von Montag bis Samstag Gelegenheit. Geöffnet ist Stumms Brauhaus dann von 11.30 bis 22 Uhr. Durchgehend warme Küche gibt es von 12 bis 21 Uhr. Dabei gibt es wöchentlich wechselnde Empfehlungen und Aktionstage. Gekocht wird die klassische regionale Küche, wie Karges erzählt von insgesamt vier Köchen. Insgesamt gibt es 18 Mitarbeiter, davon sieben Servicekräfte, die zu verschiedenen Zeiten arbeiten. Neben den regionalen Brauhaus-Klassikern mit saarländischen Spezialitäten gibt es unter anderem auch verschiedene Flammkuchen und Kinderteller sowie selbst gemachte Limonade. Die Bierspezialitäten gibt es auch im Siphon zu kaufen. Neben dem eigentlichen Gastraum rund um den Kessel und dem Jägerstübchen für 28 Personen gibt es zum Feiern auch den Schalander. Mit Blick in den Gär-und Lagerkeller der Brauerei, bietet das Schalander bis zu 70 Personen Platz.

Vorbestellungen und Infos: Stumms Brauhaus, Telefon (06821) 17 91 45.

Infos zu den kulinarschen Hüttenwegsführungen: Kosten inklusive Begrüßungsgetränk und Tapas-Teller 26,50 € (weitere Speisen+Getränke nicht inbegriffen). Tickets gibt es bei ticket.regional oder bei den bekannten Vorverkaufsstellen der Region (bis donnerstags vor der Veranstaltung). Weitere Termine sind: 7. Januar, 21. Januar, 11. Februar und 18. Februar, Beginn jeweils um 16.30 Uhr.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die kulinarische Hüttenwegsführung in Neunkirchen